Offensive für Radfahrer in Niederösterreich. Land NÖ will Radfahren stärker fördern. Radlobby fordert konkrete Maßnahmen.

Von Sabrina Luger. Erstellt am 14. Januar 2020 (03:20)
Andrey Popov
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Enormes Wachstumspotenzial für den Radverkehr in Niederösterreich sieht Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). 39 Prozent der Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, seien nicht länger als fünf Kilometer. Das bedeute, diese Wege könnten auch mit dem Rad zurückgelegt werden. Werde die Möglichkeit der E-Bikes in Betracht gezogen, seien es sogar 58 Prozent der zurückgelegten Wege.

Deswegen hat Schleritzko von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Auftrag bekommen, ein neues Radfahr-Förderkonzept zu entwickeln. Gemeinsam mit den Gemeinden plane man weitere Förderungsmaßnahmen und neue Infrastruktur für den Radverkehr.

Die Grundlage dafür bildet das neue Regierungsprogramm, in dem eine „Fahrradoffensive“ angekündigt wird. Die neue türkis-grüne Bundesregierung strebt unter anderem eine „neue Radkultur“ an, wobei der Radverkehr bei allen zukünftigen Infrastrukturinvestitionen für Straßen, Bahnhöfe, Wohn- und Städtebau in der Raumplanung berücksichtigt werden soll.

Vorhaben noch vage, Kritik von Radlobby

Der Anteil des Radverkehrs soll in den nächsten fünf Jahren in Österreich nahezu verdoppelt werden, von sieben Prozent auf 13 Prozent. Durch welche Maßnahmen der Anstieg erzielt werden soll, ist jedoch noch sehr vage ausformuliert.

Durch ein Aktionsprogramm für Kinder und eine Attraktivierung von Radwegen im ländlichen Bereich etwa soll der Radverkehr populärer werden. Für die Infrastruktur von Rad und Öffis soll es mehr Finanzierungsmittel geben – ein genaues Investitionsvolumen ist aber noch nicht bekannt. Außerdem soll beispielsweise die steuerliche Benachteiligung von Radfahrern beim Kilometergeld aufgehoben werden.

„Obwohl im Regierungsprogramm bislang nur Aufzählungen und Überschriften stehen, denke ich, dass dahinter genaue Vorstellungen stehen“, gibt sich Karl Zauner, Vorsitzender der Radlobby NÖ, grundsätzlich optimistisch. „Es geht in die richtige Richtung.“

"Das klingt nach Verhöhnung der Radfahrenden"

Das nun von Schleritzko präsentierte Straßenbauprogramm kritisiert die Radlobby jedoch. „Fast 40 Prozent des Pkw-Verkehrs unter fünf Kilometer, die mit dem Fahrrad gefahren werden können. Das klingt nach Verhöhnung der Radfahrenden, besonders der Eltern, deren Kinder auf den Landesstraßen besonders gefährdet sind“, so Vorsitzender Karl Zauner.

Die Absichten der neuen Bundesregierung würden mit dem NÖ Straßenbauprogramm völlig ignoriert. Drei Millionen Euro für den Radverkehr seien ein Rückschritt zu früheren Jahren. Die Radlobby fordert ein Radverkehrsbudget von mindestens 30 Millionen Euro pro Jahr.