Ärztemangel: "Mehr Studien-Plätze lösen Problem nicht". ÖAK-Vizepräsident Harald Mayer wundert sich über Johanna Mikl-Leitners Forderung, die Anzahl der Medizin-Ausbildungsplätze zu verdoppeln. Das Problem sind für ihn nicht zu wenig Absolventen, sondern zu viele, die es nach dem Studium ins Ausland zieht. Um dem entgegenzuwirken, müsse man Ausbildungsqualität und Rahmenbedingungen für Jung-Mediziner verbessern.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. November 2019 (11:08)
NLK/Pfeiffer, ÖÄK/Christian Leopold

„Die Verdoppelung der Medizin-Studienplätze ist wirtschaftlich absurd", meint der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK) Harald Mayer. Er spielt damit auf die Forderung an, die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in letzter Zeit immer wieder gestellt hat. Schon im August appellierte sie im NÖN-Sommergespräch an die neue Bundesregierung, die Zahl der Medizin-Studienplätze von 1.680 auf 3.000 zu erhöhen. Bei der Landeshauptleute-Konferenz am Freitag in Wiener Neustadt will sich die aktuelle Vorsitzende der Runde von den anderen Ländern Unterstützung für ihr Anliegen holen. Laut einem APA-Rundruf dürfte sie diese auch vielfach bekommen.

Die Rechnung würde möglicherweise sogar aufgehen, gesteht Mayer zu: "Bei einer doppelt so hohen Studienplatzzahl steigt natürlich trotz hohem Dropout die absolute Zahl an Absolventen, die in Österreich bleibt", meint der ÖAK-Vizepräsident. Der Grund für den Ärztemangel sei für ihn aber nicht die niedrige Zahl an Absolventen, sondern die hohe Zahl jener, die nach ihrem Studium in Österreich im Ausland arbeiten. "Der Knackpunkt ist, „dass der Staat sich Medizinstudierende leistet, die dann nicht im österreichischen Gesundheitssystem als Ärzte tätig sind", verdeutlicht er.

Mehr Zeit für Ausbildung und Wissensweitergabe

Man müsse daran arbeiten, die Ärzte in Österreich zu halten. Ansatzpunkt sei es dafür, die Qualität der Ausbildung zu erhöhen. „Spitäler müssen ihren Ärztinnen und Ärzten die notwendige Zeit geben, um Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung korrekt zu betreuen und das umfassende Wissen weiterzugeben. Außerdem muss das Angebot vorhanden sein, dass jeder zeitnah einen Ausbildungsplatz erhält“, ist Mayer überzeugt. Ein weiterer Punkt sei die Flexibilität.

Der Ärztenachwuchs suche nach Arbeitsmodellen, die einerseits eine hochwertige Ausbildung, andererseits auch Arbeitszeiten ermöglichen, unter denen das Privatleben nicht leide. „Wir befinden uns in einem Wettbewerb, insbesondere mit dem deutschsprachigen Ausland. Unser Angebot für Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung muss mithalten können“, macht Mayer deutlich.

Gleichzeitig gilt es für ihn, den Beruf des Mediziners attraktiver zu gestalten. "Das ist die wirtschaftlich sinnvollere Lösung", findet der ÖAK-Vizepräsident. Dazu gehören auch Gruppenpraxen und neue Job-Sharing-Modelle im niedergelassenen Bereich. Mikl-Leitner will den Beruf ebenfalls attraktivieren. Nämlich, indem etwa ein Facharzt für Allgemeinmedizin geschaffen wird.

Maßnahmen, um Ärzte in Österreich zu halten, braucht es ebenfalls auch laut der Landeshauptfrau. Die Lösung sieht aus ihrer Sicht so aus: Es soll ein Stipendiensystem für Absolventen geben, die sich dazu verpflichten, in Österreich auch in ländlichen Bereichen und "Bedarfsregionen" zu arbeiten.