Drei Stunden Hunde-Kunde reichen Tierschutz-Expertin nicht

Erstellt am 18. Mai 2022 | 05:09
Lesezeit: 3 Min
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Besitzer eines Spaniels brauchen künftig – wiejene aller anderen Hunderassen – drei Theorie-Stunden, damit sie einen Hund halten dürfen.
Foto: Shutterstock/el-ka
NÖ-Tierschutzverband-Präsidentin Andrea Specht ist von geplantem neuen Hundehaltegesetz enttäuscht. Die verpflichtende Theorie für Herrchen und Frauchen sei zu gering, die Obergrenze von drei Hunden pro Haushalt zu streng.
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Seit über zwei Wochen befindet sich die Novelle des NÖ-Hundehaltegesetzes in Begutachtung. Von den Landtagsparteien gibt es vorwiegend Zustimmung zu dem Entwurf. Ausgerechnet für die Vorsitzende der Expertenrunde, die den Inhalt der Regelung im Auftrag von FPÖ-Tierschutz-Landesrat Gottfried Waldhäusl erarbeitete, fällt die politische Umsetzung aber durch. „Ich hoffe, dass das Gesetz so nicht in Kraft tritt“, sagt NÖ-Tierschutzverband-Präsidentin Andrea Specht.

Angekündigt hatte Waldhäusl eine weitere Novelle in dieser Legislaturperiode, um die Sicherheit für Mensch und Tier zu erhöhen. Zusätzlich zur 2019 eingeführten Maulkorbpflicht für alle Hunde an öffentlichen Plätzen soll es nun verpflichtende Theorie-Einheiten für alle Besitzer geben. Damit soll sichergestellt werden, dass Hundehalter über die Bedürfnisse ihrer Vierbeiner Bescheid wissen.

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Andrea Specht übt Kritik an dem Entwurf des neuen Hundehaltegesetzes.
Foto: privat

Die vorgesehene dreistündige Sachkunde ist Specht dafür aber zu wenig. „Eine Sachkunde, die eine Stunde für das Vermitteln von Fachwissen über Hundeverhalten vorsieht, verdient diese Bezeichnung nicht und wird die Sicherheit keinesfalls erhöhen“, sagt sie und betont, dass sie den Experten-Vorschlag darin nicht wiedererkenne. Die Kremserin hätte sich vier bis fünf Stunden erwartet. Zudem die Abschaffung der Unterscheidung zwischen „normalen“ und Listenhunden.

Einig sind sich Politik und Experten, dass es eine Hundehalte-Obergrenze braucht, um Animal Hoarding-Fälle künftig zu verhindern. Aus Sicht der Tierschützerin ist die mit drei Hunden pro Haushalt aber zu streng angesetzt. „Unser Vorschlag lag bei etwa vier Hunden pro Person, nicht Haushalt“, sagt Specht und betont, dass die Obergrenze abhängig von Platzangebot oder Beschäftigung erweiterbar sein müsse.

Beschluss ist schon im Juni geplant

Beschlossen werden soll die Novelle vom Landtag schon im Juni. Bürgerinnen und Bürger können bis 7. Juni Stellungnahmen zum Entwurf abgeben.

Die Köpfe rauchen aufgrund der Novelle seit einigen Wochen auch im Gemeindebund. Dort ist man mit den Eckpunkten des Entwurfes zwar einverstanden, hat aber Sorge, dass der verpflichtende Sachkundenachweis und die Obergrenze erheblichen Kontroll- und Verwaltungsmehraufwand für Kommunen bringen. „Wir prüfen den Entwurf zurzeit in allen Details“, sagt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl.