Kampf um Lohnerhöhungen: Das sagen die NÖ Sozialpartner

Arbeitnehmer fordern plus 4,5 Prozent. Industrie mahnt zur Vernunft und Vorsicht.

David Brandl Aktualisiert am 28. September 2021 | 16:51
Markus Wieser und Alexander Schrötter
AKNÖ-Präsident und ÖGBNÖ-Vorsitzender Markus Wieser und Alexander Schrötter, Spartengeschäftsführer Industrie WKNÖ.
Foto: AKNÖ/Klaus Vyhnalek; WKNÖ

Für einen Paukenschlag sorgte die Präsentation der Forderungen der Metaller-Gewerkschaft anlässlich der bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen. „Wir fordern 4,5 Prozent mehr Lohn“, stellt PRO-GE-Chefverhandler Rainer Wimmer klar. „Diese Forderung ist auf jeden Fall gerechtfertigt“, betont Markus Wieser, AKNÖ-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender.

Dem pflichtet auch Patrick Slacik, Landessektretär der PRO-GE NÖ, bei. Letztes Jahr habe man sich aufgrund der Auswirkungen der Coronapandemie sozialpartnerschaftlich verständigt und nur die Inflationsrate abgedeckt. Auch hätten die Metaller in der Kurzarbeit auf 20 Prozent ihres Einkommens verzichtet.

Industrie mahnt zur Vernunft

Im Gegensatz dazu sieht Alexander Schrötter, Industriespartengeschäftsführer in der WKNÖ, die Gewerkschaftsforderungen als „deutlich überzogen und unvernünftig“. Schrötter gibt mit Verweis auf das Pandemiejahr zu bedenken: „Die Metalltechnische Industrie hatte österreichweit einen Einbruch in der Produktion von fast elf Prozent zu verzeichnen.“ Dies entspräche einem Produktionswert von rund 3,6 Milliarden Euro. Zwar würde man diese Verluste heuer aufholen, doch von einem echten Aufschwung sei man noch entfernt.

Daher zeigt Schrötter wenig Verständnis für Gewerkschaftsforderungen: „Diese Forderungen sind daher eine Zumutung für die Betriebe, da sie im internationalen Wettbewerb bestehen müssen. Sie gefährden damit auch Arbeitsplätze, denn sie schaden dem Standort und damit schlussendlich uns allen.“

„Spielraum für Lohnerhöhung ist da“

Dieser Ansicht widersprechen die Arbeitnehmervertreter. Angesichts der guten Wirtschaftslage und anziehenden Inflation von rund drei Prozent sprechen sich Wieser und Slacik für eine kräftige Lohnerhöhung aus. „Die Menschen brauchen Kaufkraft. Nur Applaus und Heldenrufe zahlt keine Miete, keinen Strom und keine Grundnahrungsmittel“, meint der AKNÖ-Präsident. Metallergewerkschafter Slacik erklärt, dass sich die 4,5 Prozent-Forderung aus der Inflationsrate und der Produktivität zusammensetze. Damit argumentiert er auf Basis der sogenannten „Benya-Formel“. Da die Lohnstückkosten sogar gesunken seien, unterstreicht Slacik: „Es ist ein Spielraum für kräftige Lohnerhöhungen da.“

Experte erwartet Abschluss unter 4,5 Prozent

Thomas Grandner vom Institut für Arbeitsmarkttheorie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien erklärt, dass sich die Ausgangssituation im Vergleich zum Vorjahr, als die ökonomische Krise noch unmittelbar erkennbar gewesen wäre, verändert habe. Der Ökonom meint: „Die Nachfrage scheint anzuspringen und auch die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt hat sich relativ gut entwickelt. Trotzdem bleibt natürlich eine erhöhte Unsicherheit.“

Daher wären für Grandner sowohl die Forderung von 4,5 Prozent Lohnerhöhung als auch die Reaktionen darauf erwartbar gewesen. Angesichts dieser Verhandlungsbedingungen rechnet der Experte mit einem Abschluss unter den 4,5 Prozent.

Lohn-Preis-Spirale nicht in Sicht

Im Zusammenhang mit den Kollektivvertragsverhandlungen kommen regelmäßig Diskussionen rund um die sogenannte Lohn-Preis-Spirale auf. Diese bedeutet, dass die Lohnerhöhungen Preissteigerungen bedingen und umgekehrt, dass höhere Preise als Argument für Lohnerhöhungen dienen. Diesen Diskussionen kann AKNÖ-Präsident Wieser momentan wenig abgewinnen: „Das würde bedeuten, man darf nie eine Lohnerhöhung andenken.“

Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sieht Ökonom Thomas Grandner für die heurigen Lohnverhandlungen nicht. Denn die jüngste Inflationserhöhung habe nichts mit Gehaltssteigerungen zu tun. Zudem seien für Inflation auch andere Faktoren relevant. So erklärt Grandner: „Innerhalb der Eurozone können zum Beispiel die Notenbanken mit geldpolitischen Mitteln nicht auf die nationalen Lohnerhöhungen reagieren und auch das führt zu einem gedämpften Lohnsetzungsspielraum“

Hervorragende blaugelbe Sozialpartnerschaft

Einigkeit herrscht zwischen den Sozialpartnern in der Beurteilung ihrer Zusammenarbeit. „In Niederösterreich funktioniert die Sozialpartnerschaft hervorragend“, streicht Wieser hervor. Dem pflichtet auch Schrötter bei: „Die Zusammenarbeit der Sozialpartner in Niederösterreich funktioniert speziell auch in der Industrie sehr gut.“