Jäger fordern Wolf-Regulierung. Immer mehr Wolf-Sichtungen bekannt. Abschuss und Monitoring von Wölfen gefordert. Kritik vom WWF.

Von Walter Fahrnberger und René Denk. Erstellt am 19. September 2017 (03:00)
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Symbolbild

Scheinbar hat der Landesjagdverband beim Thema Wolf in den letzten Monaten genug Kreide gefressen: In der Vorwoche kündigte das Präsidium die bisherige Braunbär-, Wolf- & Luchs-Versicherung des Landesjagdverbandes für die Entschädigung von Weide- und Haustieren mit Ende des Jahres. Die Jäger fürchten vermehrt Probleme mit der immer größeren Anzahl an Wölfen und wollen dafür nicht mehr gerade stehen. Zudem sprachen sich Landesjägermeister Josef Pröll und seine drei Stellvertreter gegen eine Einbürgerung des streng geschützten Wolfes aus. Und sie fordern regulierte Abschüsse.

Hintergrund: Das einzige in Österreich bisher nachgewiesene Wolfsrudel ist am Truppenübungsplatz (TÜPl) in Allentsteig (Bezirk Zwettl) beheimatet. Doch das Rudel ist gewachsen. Laut Pröll brauchen diese Wölfe allein bis zu 20 Tonnen Fleisch pro Jahr. Jägerschaft und Bauern sind einigermaßen aufgebracht.

Jäger: „An der Basis gärt es gewaltig“

„An der Basis gärt es gewaltig“, echauffierte sich der Zwettler Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker in einer offenen E-Mail an den Wolfsbeauftragten des Landes Georg Rauer. Spätestens seit dem Wolfsriss von sieben großen Lämmern in Hummelberg (Bad Traunstein) im Mai, der zudem nicht von einem der TÜPl-Wölfe verübt wurde, gibt es zahlreiche, aber größtenteils nicht eindeutig beweisbare Wolfssichtungen.

Eindeutig konnte der Wolfsbeauftragte jedoch nun einen Wolfsriss eines Mutterschafes und zweier Lämmer im oberösterreichischen Kaltenberg – rund 20 Kilometer von Arbesbach (Bezirk Zwettl) – mittels DNA-Analyse nachweisen. Darüber hinaus gibt es laut Landesjagdverband vermehrt Sichtungen und Fotos von Wölfen nördlich der Donau, vom Matzener Wald im Bezirk Gänserndorf, über Gmünd, Horn und Zwettl bis in den Bezirk Melk.

Daher fordern die Jäger neue Maßnahmen. Denn das Präsidium vermutet, dass sich Probleme durch eine weitere unlimitierte Zuwanderung des Wolfes massiv verschärfen werden und aufgrund der stark zunehmenden Populationen in Europa wandern künftig auch mehr Wölfe durch Österreich.

NLK 
Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf will Monitoring der Wölfe starten.

Außer am TÜPl seien die Rotwilddichten im restlichen Waldviertel nicht vorhanden. Für die Landwirtschaft bedeutet das eine verstärkte Bedrohung der Weidetiere. Tourismus und Bevölkerung hätten bereits große Sorgen, insbesondere wenn sich Wölfe in der Nähe von Orten und Gehöften herumtreiben.

Nun ist auch die Politik am Zug. Der zuständige ÖVP-Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf hat angekündigt, die Bauern nicht im Stich zu lassen. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer übernimmt nun das Land ab 1. Jänner 2018 die Entschädigungen, wenn Wölfe ein Stück Vieh reißen. Außerdem will Pernkopf in Zusammenarbeit mit Professor Walter Arnold vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde an der Veterinär-Uni Wien ein Monitoring starten und die Wölfe mit Sendern ausstatten: „Wir müssen wissen, wo sich die Tiere aufhalten, um Ängste nehmen zu können“, so Pernkopf. Auch eine Meldestelle für Wolfs-Beobachtungen soll eingerichtet werden. Sollte die EU-Richtlinie geändert werden, kann er sich auch eine Regulierung des Bestandes vorstellen.

Kritik an der Jägerschaft kommt von der Tierschutzorganisation WWF: Entgegen den Darstellungen des Landesjägermeisters verhalte sich der Wolf in NÖ weiterhin scheu und sei Menschen nicht zu nahe gekommen. „Durch Abschuss einzugreifen bedeutet, streng geschützte Tiere zu töten und damit das Sozialgefüge des Rudels durcheinanderzubringen — mit nicht absehbaren, möglicherweise kontraproduktiven Folgen“, meint WWF-Wolfsexperte Christian Pichler.

Wie die Aktionen des Landesjagdverbandes der betroffene Zwettler Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker kommentiert und wie viele Sichtungen sowie Vorfälle es möglicherweise in der letzten Zeit im und rund um den Bezirk Zwettl gegeben hat, lest ihr am Mittwoch in eurer aktuellen Zwettler NÖN von Woche 38.

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