Teschl-Hofmeister: „Dorf-Office wird die Zukunft sein“. NÖAAB-Obfrau Christiane Teschl-Hofmeister erzählt von alternativer Form der mobilen Arbeit und ihren Zielen in der neuen Funktion.

Von Walter Fahrnberger und Lisa Röhrer. Erstellt am 30. Dezember 2020 (05:07)
Christiane Teschl-Hofmeister ist neue NÖAAB-Obfrau. Sie löste Wolfgang Sobotka an der Spitze ab. Foto: NÖAAB
NÖAAB

NÖN: Sie sind jetzt über zweieinhalb Jahre in der Politik, mit dem NÖAAB haben sie nun eine relevante Teilorganisation der ÖVP übernommen. Sie sind damit so richtig in der Politik angekommen?

Christiane Teschl-Hofmeister: Ich hoffe, dass ich vorher schon ange kommen bin, aber es ist ein weiterer Schritt, der sich jetzt zumindest aus meiner Sicht sehr gut ins Bild eingefügt hat.

„Die Erfahrungen und die Studien belegen, dass Leute Homeoffice nutzen wollen.“

Was sind Ihre wesentlichen Ziele im NÖAAB?

Wir müssen schauen, dass wir die Arbeit erhalten, dass wir neue Arbeit schaffen, dass wir überlegen, wie die Arbeit in Zukunft ausschaut. Ich will nicht nur reden und mitdebattieren, das schon auch, aber ich möchte wirklich Dinge auf die Welt bringen. Konkrete Projekte.

Welche sind das zum Beispiel?

Die Erfahrungen und die Studien belegen, dass Leute Homeoffice nutzen wollen. Die müssen und wollen wir unterstützen. Eines dieser Projekte, das wir jetzt stark forcieren, ist das Dorf-Office. Das ist so etwas wie ein Co-Working Space, aber speziell für den ländlichen Raum. Genutzt werden Leerstände. Vor allem Leerflächen, die der Gemeinde gehören und zurzeit nicht genutzt werden können, bieten sich besonders an. Aber auch wenn ein Wirtshaus nicht in Betrieb ist oder es ein Geschäft nicht mehr gibt, richtet es die Gemeinde her, stattet es mit gutem Internet aus und bietet Bürgern die Möglichkeit, ein, zwei, drei Tage den Raum zu nutzen. Ich halte das für ein gutes Modell für Leute, die nicht pendeln wollen jeden Tag. Das ist gut für die Umwelt, die Work-Life-Balance und die Familie. Außerdem für die Gemeinde, weil die Leute im Ort bleiben und zum Beispiel dort mittagessen gehen.

„Ich glaube, dass man das mobile Arbeiten individuell auf Betriebsebene regeln muss. Wir brauchen aber einen Rahmen.“

Wie weit ist das Dorf-Office?

Wir haben mittlerweile zehn Gemeinden, die konkret interessiert sind. Jetzt suchen wir Partnerfirmen, die ihren Mitarbeitern ermöglichen, im Dorf-Office zu arbeiten. Das wird die Zukunft sein. Man muss nicht daheim sitzen, man nutzt das gemeinsam mit anderen. Ich gehe davon aus, dass wir es im ersten Quartal nächsten Jahres umsetzen können.

Es gibt zum Homeoffice aber noch viele offene Fragen. Auf Bundesebene werden die gerade geklärt. Sie haben dazu konkrete Forderungen an Bundesministerin Aschbacher übergeben. Wie sehen die aus?

Ich glaube, dass man das mobile Arbeiten individuell auf Betriebsebene regeln muss. Wir brauchen aber einen Rahmen. Wichtig ist, dass für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nichts schlechter wird. Sie sollen nicht das Gefühl haben, dass sie 24 Stunden erreichbar sein und rund um die Uhr arbeiten müssen. Solche grundsätzlichen Fragen gehören geklärt. Was auch unsere Forderung ist, ist, dass es unterstützt wird, wenn man sich daheim einen Raum zum Arbeiten einrichtet. Das sollte man von der Steuer absetzen können.

Wir haben im Landtag gerade etwas beschlossen, was der NÖAAB schon lange will. Nämlich, dass Tageseltern auch in Betrieben tätig werden dürfen, nicht wie bisher nur zuhause.

Die Situation am Arbeitsmarkt ist sehr speziell. Die Arbeitslosigkeit ist in der Krise stark gestiegen, es fehlen aber auch immer mehr Fachkräfte. Wo können Sie da Hilfeleistung anbieten?

Ich glaube, dass das mobile Arbeiten und zum Beispiel das Dorf-Office so eine Unterstützung sein kann. Weil so zum Beispiel, wenn ein großes Unternehmen viele Leute sucht, auch Leute bereit wären, sich zu bewerben, die nicht in der Nähe wohnen, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, die Arbeit ein paar Tage in der Woche von zuhause aus zu machen. Gelöst sein muss außerdem die Kinderbetreuung.

Wie wollen Sie mit dem NÖAAB da etwas verändern?

Wir haben im Landtag gerade etwas beschlossen, was der NÖAAB schon lange will. Nämlich, dass Tageseltern auch in Betrieben tätig werden dürfen, nicht wie bisher nur zuhause. Das ist eine konkrete Unterstützung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Und für jeden Betrieb, weil der so damit werben kann, dass Arbeitnehmer ihre Kinder mitnehmen können. Das ist natürlich auch ein Anreiz, früher wieder aus der Karenz zurückzukommen. Eines ist mir aber auch wichtig: Ich glaube, dass wir die Zumutbarkeitskriterien verschärfen müssen. Es muss zumutbar sein, dass ein junger Mensch, der zum Beispiel in Wien keine Lehrstelle findet, eine in NÖ annimmt.

Man hat unter Kurz als Parteichef gemerkt, dass er weniger stark den Fokus auf die Bünde-Struktur legt. Ist die Ihrer Meinung nach in der ÖVP noch zeitgemäß?

Ja. Das ist kein Gegeneinander, das sind Puzzleteile, die ineinandergreifen. Wir tun auch viel gemeinsam.

Bei der Arbeiterkammerwahl hat sich Ihr Vorgänger Wolfgang Sobotka mehr erwartet. Geworden ist es ein Minus von rund zwei Prozent. Was ist Ihr Ziel 2024?

Dass wir in der AK nicht die Mehrheit haben, ist kein Geheimnis. Dass wir dort möglichst stark sein wollen, auch nicht. Wir werden machen, was wir können, und versuchen, zu überzeugen. Hoch gewinnen werden wir’s nicht, aber alles bis dorthin nehme ich gerne, je stärker, desto besser.