Mehr Ärzte für Totenbeschau. Gesetz wird geändert. Das soll Angehörige und Gemeinden entlasten.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 10. Dezember 2019 (02:35)
Ulrike Königsberger-Ludwig und Alfred Riedl
SPÖ; APA/Punz

24 Stunden neben einem verstorbenen Angehörigen sitzen und warten, bis er vom Bestatter abgeholt wird. Was sich viele Menschen gar nicht erst vorstellen möchten, war für eine Familie im Bezirk Waidhofen/Thaya im Herbst Realität. Weil kein Arzt verfügbar war, der die Totenbeschau durchführte, blieb der Leichnam – wie vorgeschrieben – in der Wohnung liegen. Einzelfall war das keiner. Zahlreiche niederösterreichische Gemeinden klagten, dass es immer schwieriger werde, für die Totenbeschau Ärzte zu finden. Eine Gesetzesänderung soll Angehörige nun nervlich und Gemeinden finanziell entlasten.

Der Landtag will am Donnerstag das Bestattungsgesetz ändern. In der Sitzung, die sonst laut den Parteien eher von vorweihnachtlicher Ruhe geprägt sein wird, soll die Totenbeschau neu geregelt werden. Durch das neue Gesetz sollen Verstorbene künftig sofort nach der Todesfeststellung weggebracht werden können. Das dauerte mitunter sehr lange, da dafür immer weniger Ärzte zur Verfügung standen. Der Kreis der Ärzte, die dafür in Frage kommen, wird vergrößert. Bisher waren das nur von den Gemeinden beeidigte Mediziner. Mit der Gesetzesänderung soll diese Aufgabe bald jeder Arzt übernehmen können, der eine Facharztausbildung und eine entsprechende Fortbildung hat.

Mehr Geld soll gegen Ärzte-Mangel wirken

Finanziell soll die Totenbeschau für die Ärzte wieder attraktiver werden und gleichzeitig nicht mehr die Gemeinde-Budgets belasten. Da die von den Ärzten verlangten Gebühren teils wesentlich höher ausfielen, als die, die Angehörigen an die Gemeinden entrichten müssen, blieben die Kommunen häufig auf den Kosten sitzen. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes, voraussichtlich Anfang 2020, werden die Honorare von aktuell 68 Euro je nach Tageszeit teils sogar verdoppelt. Die Gemeinden können diese dann in selber Höhe von den Angehörigen einheben.

„Damit haben wir dem Wunsch der Bürger entsprochen, die für eine raschere Abwicklung beim Abtransport des Toten appellierten“, betont Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl (ÖVP).

Auch die zuständige Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) ist überzeugt von dem Gesetz, das am Donnerstag beschlossen werden soll: „In der praxisnahen Neuregelung wurden besonders die Interessen der Angehörigen sowie der Gemeinden, aber auch der Ärzte mittels fairer Tarife berücksichtigt“, meint sie.