Agrar-Großbetriebe schlagen Alarm

Ende Dezember hat Österreich den Strategieplan zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ der EU ab 2023 eingereicht. Großbetrieben drohen saftige Einbußen.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:25
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Maximilian Hardegg sieht im neuen Strategieplan zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ nicht nur eine Gefahr für Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, sondern auch für die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln.
Foto: privat

Massive wirtschaftliche Einbußen befürchten die etwa 50 größten Agrarbetriebe Österreichs. Denn ab 2023 wird unter anderem die Direktförderung ab einer Fläche von 400 Hektar gedeckelt. Landwirte wie Maximilian Hardegg sehen dadurch nicht nur dutzende Arbeitsplätze in Gefahr, sondern auch eine weitere Aushöhlung der Selbstversorgung mit heimischen Nahrungsmitteln.

„Österreich ist in vielen Schlüsselprodukten ohnehin nicht mehr Selbstversorger. Eine Kappung von Schlüsselbetrieben würde die Selbstversorgung noch mehr schwächen“, erklärt er. Bereits heute könne in Österreich der Bedarf an Getreide nur mehr zu 88 Prozent gedeckt werden, jener an Kartoffeln zu 85 Prozent und jener an pflanzlichen Ölen zu 30 Prozent. W

erde der Strategieplan so umgesetzt, müsse Österreich deutlich mehr Nahrungsmittel importieren – mit einem ein erheblich größeren CO₂-Fußabdruck als Folge. Zudem schade die Strategie der Biodiversität, betont Felix Montecuccoli, Präsident der Land- & Forst-Betriebe Österreichs: „Viele Betroffene sind Vorbild in der Vereinigung von Ökologie und Produktion. Damit wird auch gegen die eigentliche Konzeption der europäischen Direktzahlung gehandelt.“

Landwirtschaftsministerium: Guter Kompromiss

Im Landwirtschaftsministerium verweist man auf die EU-Vorgaben, die eine Umverteilung von zehn Prozent der Direktzahlungen von großen zu kleinen Betrieben vorsehen. 70 Millionen Euro sind das pro Jahr. Diese zusätzlichen Zahlungen gibt es auf die ersten 40 Hektar Heimgutfläche: „Dadurch wird das Einkommen kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe stärker gefördert.“

Die Grundlagen für den Strategieplan seien in einem breit angelegten Prozess mit Vertretern aller Stakeholder erarbeitet worden. „Die Forderungen bei den Verhandlungen gingen weit über den Inhalt des politischen Beschlusses hinaus und hätten zu einer noch stärkeren Umverteilung zu Ungunsten größerer Betriebe geführt“, betont man im Landwirtschaftsministerium.

Und weiter: „Wir sind überzeugt, dass mit dem vorliegenden GAP-Paket samt Strategieplan ein Vorschlag erarbeitet wurde, der für die österreichische Land- und Forstwirtschaft und die ländlichen Regionen bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen eine sehr gute Basis bietet und auch für größere Betriebe einen guten Kompromiss darstellt.“

Hardegg und Co. sehen das anders. Sie verweisen auf Nachbarländer wie Deutschland, Tschechien oder Ungarn, in denen die großen Betriebe keine Kürzungen erwarten.