Niederösterreich

Erstellt am 14. März 2019, 20:09

von Anita Kiefer

Familie als Hemmschuh für berufstätige Frauen. Die beruflichen Chancen zwischen Männern und Frauen einander angleichen, das ist der Hintergrund des Gleichstellungs-Frauenförderprogramms für den NÖ Landesdienst. Karrierehemmnis Nummer eins bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

NÖ-Gleichstellungsreferentin Ulrike Königsberger-Ludwig von der SPÖ.  |  Anton Heinzl

„Mehr Vielfalt im Management verändert langfristig die Unternehmenskultur“ – von diesem Zitat ist Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), die NÖ Gleichstellungsreferentin, überzeugt. Mit dem Frauenförderprogramm für den NÖ Landesdienst – übrigens dem dritten seiner Art seit dem Jahr 2000 – soll die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen erhöht werden. Das aktuelle Programm läuft seit September 2016 und ist bis September 2022 wirksam. „Die Frauenunterrepräsentation im Landesdienst soll beseitigt werden“, erklärt Ulrike Königsberger-Ludwig die Intention hinter dem Programm. Insgesamt 39.000 Personen arbeiten im NÖ Landesdienst, davon 26.600 Frauen. Das größte Karrierehemmnis für diese ist nach wie vor die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Kleine Verbesserungen

„Positiv ist, dass sich der Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen von 22 auf 25 Prozent erhöht hat“, so Königsberger-Ludwig in ihrem Zwischenfazit des Frauenförderungsprogramms. Wenngleich sie auch hier genügend „Luft nach oben“ sieht – denn nach Branchen sind die Frauen in Leitungsfunktionen sehr unterschiedlich verteilt. Außerdem sei noch genug zu tun, um die Zielvorgabe von 45 Prozent zu erreichen.

Weiterer positiver Aspekt des Zwischenberichts: Es gab zwischen den Jahren 2008 und 2018 einen „signifikanten Anstieg“ – wenn auch von sehr niedrigem Niveau weg - der Väterkarenz im Landesdienst von einem auf 7,4 Prozent. Und: Aktuell gibt es vier Frauen, die Teilzeit beschäftigt sind, in Leitungsfunktionen – ein Anstieg von Null auf Vier. Männer in Teilzeit mit Leitungsfunktion gibt es aktuell jedoch nicht – dass ist der generell niedrigen Teilzeitquote bei Männern geschuldet.


Nachholbedarf ist groß

Was die Negativbeispiele angeht, führt Königsberger-Ludwig den geringen Frauenanteil bei den Bewerbungen für ärztliche Spitzenpositionen an - der liegt bei zehn Prozent. Auch hier ist, natürlich, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der größte Hemmschuh. Bisher gab es 19 ausgeschriebene Primariatsstellen – für 14 davon hat sich keine einzige Frau beworben. Auch hier ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der größte Hemmschuh. Königsberger-Ludwig fordert daher für alle 27 Klinikstandorte in Niederösterreich eine Kinderbetreuung – aktuell gibt es diese nur an sechs Standorten. Dort würde sie „bestens angenommen“. Darüber hinaus setzt sich die Landesrätin für die bessere Besetzung von Hearingkommissionen für leitende Positionen mit Frauen ein. Und sie appelliert an die Gemeinden, sich am Frauenförderprogramm ebenfalls zu beteiligen. Aktuell hätten dies nur 22 Gemeinden getan.

Verschiedene Maßnahmen 

Das Frauenförderprogramm für den NÖ Landesdienst ist in drei Kapitel gegliedert: Die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Förderung von Frauen in Bereichen der Unterrepräsentation und Maßnahmen zur Förderung von Bediensteten mit Betreuungsaufgaben. Zu jedem dieser Kapitel gibt es unterschiedliche Maßnahmen und Stoßrichtungen, etwa Begleitmaßnahmen für den Wiedereinstieg nach der Karenz zu setzen und ein Mentoringprogramm für Frauen zu etablieren, um nur zwei Beispiele zu nennen.