Agrana: Noch zu wenig Rübenfläche zugesagt. Die Zukunft der Zuckerfabrik Leopoldsdorf entscheidet sich in den nächsten zehn Tagen. Die VPNÖ ruft zur Rettung des österreichischen Zuckers auf.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 22. Oktober 2020 (10:22)
Landwirtschaftssprecher und Landtagsabgeordneter Richard Hogl (ÖVP) appelliert an Konsumenten, österreichischer Zucker zu kaufen.
VPNÖ

"Es fehlen noch 12,000 Hektar kontrahierte Rübenflächen für den Erhalt der Agrana-Zuckerfabrik Leopoldsdorf", sagt VPNÖ-Landwirtschaftssprecher und Landtagsabgeordneter Richard Hogl in einer Pressekonferenz im Haus 2.1 der Niederösterreichischen Volkspartei in St. Pölten. Der Zuckerdeal zwischen den Bundesländern, Bund und Agrana biete den Bauern einen Rübenanbau "ohne ein allzu großes wirtschaftliches Risiko", sagt Hogl. Hagelversicherung, zweifache Neuaussaat und eine Anbauprämie wurden unter anderem am "Rübengipfel" für Rübenbauern ausverhandelt.

"Käferbefall biblisches Ausmaßes"

Heuer habe speziell die Trockenheit und der Echte Streckrüssler "im biblischen Ausmaß" die Rübenernte massiv gemindert. Bei einem Landwirt wäre auf einem zehn Hektar Rübenfeld an einem Montag noch die Rüben heil gewesen, und am Mittwoch schon alles kaputt, erzählt Hogl. Dispute über zulässige Pflanzenschutzmitteln unter den Ländern hätten zum Ernteausfall beigetragen.

Österreich blicke auf eine fast zweihundert Jahre alte Zuckertradition zurück. "In Spitzenzeiten in den Fünfziger und Sechziger Jahren sind an die 50,000 Hektar angebaut worden", sagt Hogl, der selbst auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb auf 20 Prozent seiner Fläche Rüben anbaut. 

VPNÖ wettert gegen Rohrzucker aus Brasilien

Hogl warnt vor einer Abhängigkeit Österreichs von Zuckerimporten, wie aus Brasilien. Da nehme man eine "enorme Pestizidbelastung" und "lange Transportwege" in Kauf, und es diene auch nicht dem Umweltschutz. 

Auf einem Hektar Anbaufläche könnte Erträge bis zu 85 Tonnen Rüben geerntet werden. Das entspricht rund 14 Tonnen Zucker. Das heißt, auf rund 750 Quadratmeter können eine Tonne Zucker produziert und damit der Jahresbedarf von 30 Menschen abdeckt werden, sagt Hogl. Der Durchschnittsverbrauch pro Person liege bei 33 Kilogramm Zucker pro Jahr.