Thomas Klestil: "Großer Fokus auf Digitalisierung". Thomas Klestil arbeitet mit Experten an Lösungen, um in Zukunft die Patientenversorgung sicherzustellen.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 27. August 2019 (05:35)
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Schon jetzt bieten digitale Lösungen viele Möglichkeiten, effizienter zuarbeiten.

Wie man die Gesundheitsversorgung verbessern und Steuergelder effizienter einsetzen kann. Damit beschäftigt sich seit einigen Wochen auch Thomas Klestil intensiver.

Haiderer
Unfallchirurg und Sporttraumatologe Thomas Klestil ist Landes-Zielsteuerungskoordinator.

Der Vorstand der Abteilung Orthopädie und Traumatologie am Landesklinikum Baden/Mödling ist seit Mitte Juli auch Landes-Zielsteuerungskoordinator des Landes Niederösterreich – wie es Karin Eger für die Sozialversicherung ist. Im Zentrum dieser Funktion steht die Umsetzung der Gesundheitsreform, ihrer Ziele, Maßnahmen und Prinzipien. Wie etwa dem, dass sich die Qualität des Gesundheitswesens an den Patienten orientiert. Oder dem, dass Effektivität und Effizienz zu steigern sind. Wie das gehen kann?

Strukturen und Prozesse stetig anpassen

Ein Beispiel: „Wir haben in den vergangenen Jahren eine sehr rasante Entwicklung in der Medizin beobachtet“, so Klestil. Weg von aufwändigen Operationstechniken mit großen Schnitten hin zu minimalinvasiven Eingriffen, die für die Patienten schonender sind. Diese sind danach rascher wieder fit und können früher nach Hause. Wo es möglich ist, werden viele dieser Eingriffe in NÖ mittlerweile tagesklinisch angeboten. Dadurch können mehr Patienten behandelt werden. Das bringt Effizienz und spart Kosten.

Als Koordinator übernehme er auch eine beratende Funktion. „Was ist noch up to date? Was können wir verbessern? Wo können wir uns steigern?“, erläutert Klestil, übrigens Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten. Wichtig ist ihm die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung. Im Laufe der Zeit würde sich vieles rund um die Leistungen im Gesundheitswesen verändern. „An solche stetigen Veränderungen müssen Strukturen und Prozesse von Gesundheitseinrichtungen angepasst werden.“ Ansonsten drohen Stillstand oder Rückschritt.

Digitalisierung bietet großes Potenzial

„Wo ein großer Fokus gesetzt werden wird, ist die Digitalisierung.“ Schon jetzt bieten digitale Lösungen – etwa in den Landeskliniken – viele Möglichkeiten. „Wir haben in ganz Niederösterreich eine digitale Vernetzung umgesetzt, mit der es leicht wird, Fälle zu besprechen.“ So können etwa Ärzte von einer neurochirurgischen Abteilung mit Neurochirurgen eines anderen Standortes gut über Fälle diskutieren, gleich am Computer Röntgenbilder austauschen, weiterdiskutieren usw.

Apropos, Bilder. Dank der Digitalisierung sind Röntgen- und andere Bilder immer sofort abrufbar – auch von verschiedenen Standorten. Man braucht sie nicht mehr zu suchen. Oder neue zu machen, wenn – was früher vorkommen konnte – ein Patient in ein anderes Spital verlegt wurde und die Bilder dringend gebraucht wurden.

Das Potenzial für weitere Verbesserungen in Sachen Effizienz und Schnelligkeit durch Digitalisierung sei groß, glaubt Klestil, demzufolge auch die Verbesserung der ambulanten Versorgung (abseits der Hausärzte) und der Ausbau der Vernetzung weitere aktuelle Themen sind.