Erstellt am 27. Februar 2018, 02:45

von Teresa Sturm und Christine Haiderer

Mehr Rauchstopps, weniger Krankheiten. Verbote können positive Effekte auf Raucher, Passivraucher und in Bezug auf die Vorbildwirkung auf Jugendliche haben.

Rauchen erhöht das Risiko für viele Erkrankungen, insbesondere der Lunge und Atemwege.  |  didesign021A/Shutterstock.com

24,3 Prozent der Österreicher rauchen täglich. Sagen OECD-Daten. „Damit belegen wir den drittschlechtesten Platz in der EU“, verrät www.dontsmoke.at, die Internetseite zum Volksbegehren. Der OECD-Schnitt liegt bei 18,4 Prozent. „Nur Griechenland (27,3 Prozent) und Ungarn (25,8 Prozent) sind schlechter als wir.“ Bei Raucherinnen liegt Österreich sogar auf Platz 1 in Europa (22,1 Prozent).

Statistik Austria

Das Problem: Bis zu 14.000 Österreichern koste laut NÖ Ärztekammer dieses Laster jährlich ihr Leben. Rauchen verursacht bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle. Und: „Rauchen schädigt nahezu jedes Organ im Körper“, so NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner. „Es ist für zahlreiche weitere Krebsarten verantwortlich, schädigt die Augen, die Mundgesundheit, den Verdauungstrakt, den Knochenbau, die Geschlechtsorgane und die Fruchtbarkeit.“

Dennoch will das Volksbegehren nicht bevormunden. „Jeder hat die freie Entscheidung, sich selbst zu schädigen. Allerdings ist es unsere Aufgabe, auf Gefahren hinzuweisen und vor allem Jugendliche und Kinder zu schützen“, betont Reisner. Immerhin enthält Passivrauch die gleichen giftigen und krebserzeugenden Substanzen wie aktiv inhalierter.

Gefahr für Kinder und Jugendliche

Schwangere und jüngere Frauen sind besonders gefährdet. Neugeborene können bei der Geburt kleiner und leichter sein. Und: Kinder rauchender Eltern leiden häufiger unter Atemwegserkrankungen und Mittelohrentzündungen.

Übrigens finden sich auch Österreichs Jugendliche mit 14,5 Prozent im OECD-Vergleich im Spitzenfeld (OECD-Durchschnitt: 11,7 Prozent). Würde in Lokalen nicht mehr geraucht werden, könnte das eine positive Vorbildwirkung haben. Und: „Ein generelles Rauchverbot hilft Rauchern, weniger zu rauchen beziehungsweise überhaupt mit dem Rauchen aufzuhören“, glaubt Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. Ob ein Verbot hilft, hat sich Medizin Transparent von Cochrane Österreich, angesehen. Das Ergebnis: „Durch ein gesetzliches Rauchverbot sinkt wahrscheinlich die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und -Notfälle.“ Und: Analysen haben gezeigt, dass Verbote in Spitälern und Unis hier zu mehr Rauchstopps führten.

Das Volksbegehren soll sensibilisieren, aufklären. Das Gesetz soll bestehen bleiben und nicht gekippt werden. Übrigens: Eine Volksabstimmung ist nicht das Ziel. Unterschriften sollen mindestens bis Ende März gesammelt werden. In Ordinationen werden Flyer und Werbespots informieren. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen der Zuspruch anhalten wird“, sagt Reisner.