Erstellt am 12. Juni 2013, 11:07

Monika Kil zum Tag der Weiterbildung. Mittwoch, den 12. Juni 2013, findet der fünfte Tag der Weiterbildung statt. Mit der österreichweiten Aktionswoche wollen die Veranstalter auf die Bedeutung des lebenslangen Lernens aufmerksam machen und Zeichen setzen.

 |  NOEN, privat
Die Donau-Universität Krems lebt als einzige staatliche Universität für Weiterbildung in Europa seit 18 Jahren das Konzept der beruflichen Weiterbildung und weiß um deren Nutzen, wie Bildungsforscherin Monika Kil, zum Aktionstag befragt, hervorhebt.
 
Können Aktionstage mehr Bewusstsein schaffen?
 
Ein Tag „für etwas“ heißt auch immer an etwas denken, was in der Gesellschaft noch nicht in Gänze angekommen ist. Weiterbildung wird von vielen Köpfen als wichtig angesehen und Stereotype wie „man lernt im Alter nichts mehr“, sind angesichts vieler Vorbilder in unserer Gesellschaft und wissenschaftlicher Erkenntnisse überzeugend widerlegt. Doch immer noch begegnen uns Bedenken und Barrieren gegenüber Weiterbildung in allen Bereichen der Gesellschaft.
 
Was bringt lebenslanges Lernen?
 
In einem aktuellen Forschungsprojekt haben wir aus Einzelstudien drei große nutzenbringende Bereiche der Weiterbildung zusammengefasst – unabhängig von finanziellen und direkten beruflichen Wirkungen. Erstens: Durch Weiterbildung sind Menschen Veränderungen gegenüber besser vorbereitet. Zweitens: Sie erwerben demokratische Offenheit, das heißt, sie können sich in Gruppen einbringen. Drittens: Die Gesamtgesellschaft hat von lebenslangem Lernen auf ganz verschiedenen Feldern einen indirekten Nutzen. Denn Menschen, die sich weiterbilden bewegen sich in sozialen Netzwerken, engagieren sich für andere und achten auf ihre Gesundheit.
 
Welche Weiterbildungstrends sehen Sie?
 
Angesichts der angesprochenen positiven Folgen von Weiterbildung, wird sie in Zukunft hoffentlich stärker als bisher als eine standfeste Säule verstanden, die lebenslanges Lernen trägt und ihre AkteurInnen unterstützt. Insbesondere wissenschaftliche Weiterbildung wird angesichts notwendiger beruflicher Veränderungen und Orientierungswechsel in einem immer länger werdenden Berufsleben eine gewichtige Rolle spielen. Die Bachelor-Abschlüsse allein werden nicht in der Lage sein, AbsolventInnen und ArbeitgeberInnen auf eine so lang bemessene Lebenszeit berufliche und persönlich erfüllende Perspektiven zu bieten. Auch sind die Lücken, die die Erfordernisse des Wandels mit sich bringen, in bestimmten Berufssparten nicht „nur“ mit schnell angelernten Arbeitskräften zu füllen.
 
 
Zur Person
 
Univ.-Prof. Dr. Monika Kil leitet seit kurzem das Department für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement der Donau-Universität Krems, dessen Schwerpunkte das Bildungs- und Hochschulmanagement sowie die Kompetenzentwicklung für in weiterbildungsspezifischen Feldern Tätige sind.  Kil war davor Abteilungsleiterin des Forschungs- und Entwicklungszentrums am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen in Bonn. Sie hat Erziehungswissenschaft und Organisationspsychologie an der Universität Dortmund studiert und habilitierte im Bereich Erwachsenenbildung und empirische Bildungsforschung. Aktuell untersucht Kil in dem groß angelegten EU-Forschungsprojekt BELL (Benefits of Lifelong Learning) die Motive für und den Nutzen von Weiterbildung.