"Abfallvermeidung ist in der Krise besonders wichtig". Die NÖN wollte wissen, wie es in Zeiten von Corona um die Abfallentsorgung in Niederösterreich steht. Wie diese in den kommenden Wochen gesichert wird, warum gerade nicht entrümpelt werden sollte und was mit dem Müll erkrankter Personen passiert, erzählt der Präsident der NÖ-Abfallverbände, Anton Kasser, im Interview.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 23. März 2020 (10:41)
NÖ-Abfallverbände-Präsident Anton Kasser erklärt im NÖN-Gespräch, was es bei der Müllentsorgung in der Corona-Krise zu beachten gibt.
Kössl

NÖN: Die Niederösterreicher sind weitgehend zuhause, die Geschäfte geschlossen. Viele bestellen deshalb online. Rechnet man damit, dass die Müllmengen in den kommenden Wochen ansteigen, etwa weil mehr Verpackungsmaterial anfällt?

Anton Kasser: In der Krise gilt es besonders umsichtig zu sein. Abfallvermeidung ist besonders wichtig. Müll erst gar nicht entstehen zu lassen - das ist der wichtigste Grundsatz der Abfallwirtschaft. Gerade jetzt kommt es hier auf uns alle an. Jeder kann jetzt durch sein umweltbewusstes Verhalten wesentlich dazu beitragen, dass unsere Ressourcen geschont und die Abfallberge verringert werden. Dazu bedarf es nicht unbedingt gleich großer Taten, viele kleine Schritte im täglichen Umgang mit unserer Umwelt tun es auch. Es muss unser Ziel sein, die Kapazitäten bei der Entsorgung und Verbrennung nicht zu überfordern. Das braucht die Unterstützung von allen.

NÖN: Die Kapazitäten sollen nicht überfordert werden. Können sich die Niederösterreicher trotzdem darauf verlassen, dass der Müll abgeholt wird? Läuft die Abfallentsorgung auch in der Krise weiter?

Ja, die Abfallentsorgung der Haushalte läuft in Niederösterreich derzeit normal. Ich möchte mich bei allen, die in diesem Bereich ihre wichtige Arbeit leisten herzlich bedanken.

NÖN: Kann das auch für die kommenden Wochen garantiert werden?

Die NÖ-Umweltverbände haben gemeinsam mit der privaten Entsorgungswirtschaft und dem Land  einen genauen Plan entwickelt, damit die Müllentsorgung in den kommenden Wochen sichergestellt ist. Das Wichtigste ist, dass die Abholung des Rest- und des Biomüll von den Haushalten immer aufrecht bleibt. Wir sind sehr gut vorbereitet, die Umweltverbände werden ihre Dienstleistungen aufrechterhalten. 

"Wir bitten natürlich auch gerade jetzt darum, die Trenn-Moral nicht sinken zu lassen."

NÖN: Sie haben die Vermeidung von Müll angesprochen. In der Steiermark etwa wurde dazu aufgerufen, Sperrmüll, alte Kleidung und ähnliches aktuell nicht zu entsorgen. Gilt das auch für Niederösterreich? Was gibt es bei der Müllentsorgung in der aktuellen Situation zu beachten?

Auch wenn viele Leute gerade jetzt Zeit dafür hätten: Die NÖ-Umweltverbände raten vom Entrümpeln ab. Die Ressourcen sollen für den Normalbetrieb erhalten werden. Wir bitten natürlich auch gerade jetzt darum, die Trenn-Moral nicht sinken zu lassen. Besondere Reststoffe wie Batterien und Lithium-Akkus gehören niemals in den Restmüll und sind unbedingt gesondert zu entsorgen. 

NÖN: Sind die Abfallsammelzentren in Niederösterreich weiterhin geöffnet?

Die NÖ-Umweltverbände sprechen die Empfehlung aus, Altstoffsammelzentren und Wertstoffzentren zu schließen. Das menschliche Kontakt-Risiko soll dadurch vermindert und Personalkapazitäten dort eingesetzt werden, wo sie jetzt am notwendigsten gebraucht werden.

NÖN: Können Bauschutt oder Grünschnitt normal entsorgt werden? Oder ist das vorerst eingestellt?

Öffentliche Grün- und Strauchschnittplätze werden, solange wie möglich, auch entleert werden. Sollte einer dieser Plätze einmal voll sein, so bitte ich alle, das zu akzeptieren und es mit Eigen-Kompostierung zu versuchen. Da die ASZ geschlossen sind, kann Bauschutt derzeit nicht entsorgt werden.

NÖN: Gibt es nun besondere Hygiene-Maßnahmen, um die Mitarbeiter, die den Müll abholen, zu schützen?

Die Abfallwirtschaft hat auch schon vor Corona hohen Wert auf Mitarbeiter-Sicherheit und -Hygiene gelegt. Jetzt umso mehr. Alle unsere Mitarbeiter sind angewiesen, ihre Hände häufig zu waschen; regelmäßig und gründlich mit Seife oder Desinfektionsmittel. In der täglichen Arbeit halten sie Distanz. Sie sind angewiesen, einen Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten. 

NÖN: Was passiert eigentlich mit dem Müll aus Haushalten infizierter Personen? Gibt es dafür besondere Vorschriften?

Abfälle, die aus Haushalten stammen, die eventuell mit dem Coronavirus kontaminiert sind, müssen bei Beachtung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen gemeinsam mit dem Restmüll entsorgt werden. Um bei diesen Abfällen, eine Gefährdung sicher auszuschließen, dürfen die Abfälle nicht lose in die Restmüll-Tonne gegeben werden. Stattdessen sind diese zuvor in stabile Müllsäcke zu verpacken, die zum Beispiel durch Verknoten sicher verschlossen werden. Die Sammlung der Abfälle in einer Restmülltonne und die anschließende thermische Behandlung des Restmülls in den beiden niederösterreichischen Müllverbrennungsanlagen gewährleisten eine sichere Zerstörung des Virus bei sehr hohen Temperaturen mit bis zu 1.000 Grad.