Münchner S-Bahn ist Vorbild für NÖ. Um den öffentlichen Verkehr der Ost-Region für die prognostizierte steigenden Fahrgast-Zahlen fit zu machen wird vom Land Niederösterreich und dem VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) der Bau einer neuen S-Bahn Stammstrecke durch Wien gefordert.

Von Sophie Seeböck. Erstellt am 09. November 2019 (11:02)

In München wird ein vergleichbares Projekt momentan realisiert. Landesrat Ludwig Schleritzko besuchte die bayrischen Nachbarn um sich mit Fachvertretern wie dem Staatsminister für Verkehr Hans Reichhart auszutauschen. 

Verstopfte Stadteinfahrten im Morgenverkehr, lange Wartezeiten auf die passende Verbindungen und Stehen in überfüllten Zügen – für viele Niederösterreicher, die in die Bundeshauptstadt zum Arbeiten pendeln, ist dies Alltag.

Um den öffentlichen Verkehr der Ost-Region für die prognostizierte steigenden Fahrgast-Zahlen fit zu machen wird vom Land Niederösterreich und dem VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) der Bau einer neuen S-Bahn Stammstrecke durch Wien gefordert. Durch die neue und den Ausbau der bestehenden Stammstrecke, beispielsweise durch die Einführung eines neuen Sicherungssystems, sollen insgesamt  44 Züge pro Stunde und Richtung geführt werden können.

Schleritzko "Weichen für viele Jahre stellen"

Da in München der Bau einer zweiten S-Bahn Stammstrecke, die unter der Stadt durchführt, momentan realisiert wird reiste Landesrat Ludwig Schleritzko in die bayrische Hauptstadt um sich mit Fachvertretern, aber auch politischen Kollegen des Nachbarlandes auszutauschen. Gemeinsam mit Experten des Landes NÖ und des VOR führte der Verkehrs- und Finanzlandesrat Arbeitsgespräche mit dem bayrischen Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr Hans Reichhart, da die bayrische Situationen mit der heimischen vergleichbar sei.

Vor allem war bei diesen Arbeitsgesprächen die Zusammenarbeit zwischen Parteien, Stadt und Land Thema, doch auch die baulichen und behördlichen Hürden bei der Realisierung des Projekts wurden besprochen. „Wir haben jetzt die Chance die Weichen für viele Jahre zu stellen“, betonte Landesrat Schleritzko.

„Region und Stadt müssen als eine Lebensregion verstanden und der Verkehr über die Verwaltungsgrenzen hinweg gedacht werden.“ Staatsminister Reichhart betonte: „Mit dem Bau der 2. Stammstrecke wird nicht nur die dringend erforderliche zusätzliche Kapazität im Kernbereich des Münchner S-Bahn-Systems geschaffen, sondern sie ermöglicht auch, dass die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs mit der Entwicklung der Metropolregion Schritt halten kann.“ Vor allem sei ein solches Mammutprojekt wie der Bau der S-Bahn da, um für die Bürger das Beste zu entscheiden, das funktioniere aber nur solange Stadt und Land gemeinsam an einem Strang ziehen würden.

"Der Bau einer solchen Strecke muss auch im Interesse des Bundes liegen"

In Österreich wurde vor kurzem durch eine Studie bestätigt, dass ein Ausbau des S-Bahn-Systems eine bessere Entlastungs- und Anbindungs-Möglichkeit darstellt, als der Ausbau des U-Bahnsystems. Zwischen den Ländern Wien und Niederösterreich, sowie dem Bund herrscht noch Uneinigkeit über die Wichtigkeit und die Umsetzung der neuen Stammstrecke durch Wien, die voraussichtlich als Verbindung zwischen Franz-Josefs-Bahn in Richtung Flughafenschnellbahn verlaufen soll. „Mit dieser Delegationsreise wollen wir die Bedeutung eines solchen Infrastruktur-Projektes für die Stadt und deren umliegende Regionen hervorheben“, so Schleritzko. „Der Bau einer solchen Strecke muss auch im Interesse des Bundes liegen“.

Neben der Besichtigung der Bauarbeiten für die zweite S-Bahnstammstrecke am Marienplatz im Herzen Münchens, standen aber auch noch Arbeitsgespräche mit dem Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbandes (MVV) Bernd Rosenbusch und dem Geschäftsführer der Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) Ingo Wortmann auf dem Programm. Auch in diesem Bereich herrschte ein reger Austausch über Mobilitätsprojekte und Ansätze zur Infrastruktur-Verbesserung. Abschließend wurde auch noch das Siemens Lokomotiven-Werk in München Allach besichtigt.

Die wichtigsten Daten zur Münchner Stammstrecke

  • ca. 840.000 Fahrgäste/Tag
  • 434 km S-Bahnstrecke
  • 7 S-Bahnlinien über die Stammstrecke
  • Kosten für neuen Bau: 3,8 Milliarden Euro
  • in 40 Metern Tiefe

Ziele der 2. Stammstrecke:

  • Reduzierung der Störungen
  • Verbesserung Pünktlichkeit
  • Kapazitätserhöhung für Taktverbesserungen
  • Entlastung der Stammstreckem Gewinn neuer Fahrgäste
  • Alternative Individualverkehr