Zehn Prozent mehr Schulabmeldungen in NÖ. Eltern wollen Kinder selbst unterrichten. Grund dürften Masken und Co. sein.

Von Nadja Straubinger, Michael Bouda, Lisa Röhrer und Denise Schweiger. Erstellt am 04. August 2021 (05:51)
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Homeschooling: Obwohl noch nicht klar ist, wie der Schulbetrieb ab September aussehen wird, beschlossen zahlreiche Eltern, ihre Kinder zuhause zu unterrichten.
Shutterstock.com/Switlana Sonyashna

„Kinder werden mit Tests und Maskenpflicht drangsaliert. Die chaotischen Zustände aus dem vergangenen Schuljahr werden, so fürchte ich, auch im kommenden bestehen bleiben“, meint Julia Nussbaumer. Die FPÖ-Gemeinderätin, die allerdings betont, hier als Mutter zu sprechen, ist daher eine von zehn Personen aus Hofstetten-Grünau im Pielachtal, die ihre Kinder, wie die NÖN berichtete, von der Schule abmeldeten, um sie zuhause zu unterrichten.

Dass es einen Trend zu Schulabmeldungen gibt, bestätigt die Bildungsdirektion für ganz Niederösterreich. Auf das ganze Land verteilt, nahmen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt 1.000 Eltern ihr Kind aus der Schule. Heuer sind es bereits um zehn Prozent mehr – quer durch alle Schulstufen. „Das ist besorgniserregend, aber kein Grund zur Panik“, sagt Bildungsdirektor Johann Heuras. Eine lineare Entwicklung sieht man in der Bildungsdirektion in ganz Niederösterreich nicht. Vielmehr seien es einzelne Hotspots – neben Hofstetten-Grünau im Bezirk St. Pölten etwa Weiten im Bezirk Melk.

"Geht auch um soziales Lernen"

Möglich sind Abmeldungen bis eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres, also Ende August. Wiederanmeldungen sind hingegen jederzeit auch während des Jahres möglich. In der Bildungsdirektion nimmt man die aktuelle Zahl deshalb noch nicht für bare Münze. „Wir gehen davon aus, dass es schlussendlich von den Corona-Maßnahmen im Herbst abhängen wird, wer sein Kind tatsächlich zuhause unterrichtet“, sagt Sprecher Fritz Lengauer. Im Falle eines „normalen“ Schulbeginns will auch Nussbaumer ihren Sohn wieder anmelden.

Unterrichten kann sein Kind theoretisch jeder zuhause. „Wir empfehlen das aber nicht“, heißt es von der Bildungsdirektion. Schließlich gehe es in der Schule nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um soziales Lernen. „Wer sein Kind abmeldet, muss sich auch überlegen, ob er den Lernfortschritt gewährleisten kann“, sagt Lengauer. Den müssen die Kinder am Ende des Jahres bei einer Externistenprüfung beweisen. Wenn dort kein Erfolg festgestellt wird, sich also zeigt, dass der häusliche Unterricht nicht genügt, kann die Schulbehörde den Schulbesuch anordnen.