Die Qual der Schulwahl. Landesschulrat schlägt ein neues Modell für AHS-Aufnahmeverfahren vor.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 27. März 2018 (02:11)
stockfour/Shutterstock.com
Zu viele Kinder sitzen in Gymnasien und sind dort überfordert. Ein Aufnahmeverfahren soll deshalb die Entscheidung zwischen Gymnasium und Neue Mittelschule erleichtern.

Gymnasium oder Neue Mittelschule? Jedes Kind der vierten Klasse Volksschule steht einmal vor dieser Entscheidung, die aktuell von Landesschulrat Johann Heuras kritisiert wird: „Die derzeitige Situation erzeugt Druck und Stress – für Kinder, die besten Noten zu haben, für Eltern, ihre Kinder auf die richtige Schule zu schicken, und für Lehrer bei der Notengebung.“

Anstelle eines Stichtagstests schlägt Heuras deshalb ein Aufnahmeverfahren für Gymnasien vor, für das sich nun auch ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann ausspricht: In der dritten oder vierten Klasse Volksschule sollen immer wieder Tests und Beobachtungen durchgeführt werden. Im Rahmen eines abschließenden Gesprächs, bei denen Lehrer von Volksschule, Mittelschule und Gymnasium anwesend sind, werde dann den Eltern eine Bildungsempfehlung für ihr Kind ausgesprochen.

"Es braucht ein neues Konzept"

Der Hintergrund für diese Überlegung: Zunehmend mehr Schüler gehen in die AHS und sind dort überfordert. Gleichzeitig wächst besonders im Ballungsraum der Druck auf Gymnasialdirektoren, möglichst viele Kinder aufzunehmen: Oft gibt es in der ersten Klasse doppelt so viele Interessenten wie Plätze. Zuspruch kommt deshalb von Isabella Zins, Vorsitzende der AHS-Direktoren: „Wir wünschen uns, dass nicht mehr das Volksschulzeugnis und der Elternwille allein über die Aufnahme ins Gymnasium entscheiden. Für mehr Chancengerechtigkeit und im Sinne einer individuellen Begabtenförderung braucht es ein neues Konzept.“

Problem sei, dass Eltern oft nicht glauben wollen, dass ihre Kinder in einer guten Mittelschule besser gefördert werden und später trotzdem Matura in einem BORG oder einer BHS machen können. „Ein Gymnasium ist nur für schnelle Lerner ideal, die sehr interessiert und selbstständig sind. Es ist die ureigene Aufgabe des Gymnasiums, besonders lernbegabte Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft und der Geldbörse der Eltern – auf ‚Leistungsniveau’ statt ‚Grundniveau’ zu fördern“, erklärt Zins.

Wenig abgewinnen kann An-dreas Kollross, Landesvorsitzender der Kinderfreunde, dem Vorschlag des Landesschulrats: „Aufnahmetests sind ein Irrweg.“ Er plädiert dafür, dass Kinder erst mit 14 Jahren eine Bildungsentscheidung treffen sollen und bis dahin gemeinsam eine Schule besuchen. „Derzeit hängt es u. a. stark am Bildungshintergrund der Eltern, ob ein Kind den Weg ins Gymnasium schafft. Wer es also ernst meint, dass jedes Kind die besten Bildungschancen verdient, muss hier ansetzen“, sagt Kollross.