Nun auch barrierefrei: Ein Parlament für alle. Das österreichische Parlament wird ab 2021 in neuem Glanz erstrahlen und soll zum Vorbild für barrierefreie Gebäude im öffentlichen Raum werden. Schon ab Jänner 2020 intensiviert die Parlamentsdirektion Sensibilisierungs-Schulungen für ihre Mitarbeiter.

Von David Brandl. Erstellt am 03. Dezember 2019 (00:00)
Am Dienstag, dem 3. Dezember ist internationaler Tag der Menschen mit Behinderung. Aus diesem Grund sind das Ausweichquartier des Parlaments, das Bundeskanzleramt und die Bundespräsidentschaftskanzlei in Violett getaucht.
Buchner

Ganz in Violett leuchtet das Herz der österreichischen Demokratie – das Ausweichquartier des Parlaments, das Bundeskanzleramt und die Bundespräsidentschaftskanzlei – am Dienstag, dem 3. Dezember – dem internationalen Tag der Menschen mit Behinderung. Bei diesem symbolischen Akt bleibt es nicht. Denn bereits am Tag zuvor diskutierte der Nationalrat gemeinsam mit InteressensvertreterInnen über die Inklusionsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.  

Parlament als Vorbild für Gesellschaft

Genauso vielschichtig wie die unterschiedlichen Ausprägungen von Behinderungen, von körperlichen Einschränkungen bis hin zu Lernschwächen, genauso facettenreich sind die Handlungsmöglichkeiten, um Menschen mit Beeinträchtigungen dieselben gesellschaftlichen Entfaltungschancen zu ermöglichen. Denn Leben mit Behinderung sind keine Einzelschicksale. In Österreich meistern rund 15 Prozent der Bevölkerung ihren Alltag mit Einschränkungen.

Schulungen für 60 Mitarbeiter

Erster Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka betont in diesem Zusammenhang den Vorbildcharakter des österreichischen Parlaments: „Das Parlament als Ort der Begegnung und gesellschaftlichen Verantwortung soll Bewusstsein schaffen und sensibilisieren.“ Dementsprechend werden ab Jänner 2020 rund 60 Mitarbeiter der Parlamentsdirektion in Schulungen des ÖZIV und MyAbility für Menschen mit Behinderung sensibilisiert. Besonderen Stellenwert nimmt hierbei die praxisnahe Erfahrung ein, um zu zeigen welchen Herausforderungen sich Bürger mit unterschiedlichen Einschränkungen tagtäglich stellen.

Leitsystem für Sehbehinderte

2021 öffnet das renovierte Parlament an der Ringstraße seine Pforten - vor allem für Menschen mit Behinderungen. Die Parlamentsdirektion setzt es sich zum Ziel, über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinweg das neue Zuhause der österreichischen Demokratie möglichst barrierefrei zu gestalten. So stehen künftig neben einem detaillierten taktilen Leitsystem für Sehbehinderte auch ein zweisinniges Alarmsystem und sogar zukunftsweisende „changing place toiles“ zu Verfügung.

Mit diesen umfassenden Maßnahmen verleiht die Parlamentsdirektion der UN-Behindertenrechtskonvention von 2008 Nachdruck. Als ein Parlament für alle, gilt es Inklusion im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern und mit gutem Vorbild voranzugehen. Die Beschäftigung von 16 Personen mit zumindest 50 prozentiger Behinderung bei insgesamt 450 MitarbeiterInnen ist dabei ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Talente sind größer als Behinderungen

„Menschen mit Behinderung dürfen nicht nur als Menschen gesehen werden, die Unterstützung und Hilfe brauchen. Es geht vor allem darum, ihre Potentiale und Talente hervorzustreichen und zu zeigen, dass sie so einen wertvollen Beitrag für Unternehmen im Speziellen und somit die Gesellschaft im Allgemeinen leisten“, betont Sobotka in Übereinstimmung mit Martin Essl von der Essl Foundation. 

 „Zero Project“ von Martin Essl

Mit dem „Zero Project“ setzt es sich Essl zum Ziel, durch die Bündelung des Wissens von rund 5000 Experten aus über 180 Ländern Barrieren gemäß der UN-Konvention in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Mobilität abzubauen und ein selbstbestimmtes Leben sowie politische Teilhabe zu ermöglichen. Anhand von „best practice“-Innovationen sollen regional bewährte Projekte vor den Vorhang geholt werden und als Beispiel für andere dienen.

Digitalisierung ermöglicht Inklusion

Ein wichtiger Aspekt von Inklusion ist für Essl die Einbindung von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Im Rahmen von „Zero Project Unternehmens Dialogen“ versucht er Unternehmern Ängste zu nehmen und die Talente der Menschen anstatt deren Behinderung in den Vordergrund zu stellen. Besonders durch die Digitalisierung würden sich neue Möglichkeiten der Inklusion ergeben, streicht Essl hervor. Mit einem eigenen Sonderpreis im Rahmen der „Austria's leading Companies“ holt Essl jährlich Vorzeigeunternehmen im Bereich Inklusion vor den Vorhang. In diesem Jahr wurde die St. Pöltner Kommunikationsagentur Gugler ausgezeichnet.

Das kommende Jahr 2020 steht für „Zero Project“ ganz im Zeichen der inklusiven Bildung. Schon am 18. Februar sollen im Parlament rund fünf Innovationen hierfür den Abgeordneten vorgestellt werden.