Kurz: Steuerbonus auch für Alleinerzieherinnen. ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz stellt klar, dass notfalls Väter den Bonus abtreten müssen.

Erstellt am 09. September 2017 (14:05)
Peter Hofbauer
Sebastian Kurz im NÖN-Gespräch.

Der ÖVP-Bundesparteiobmann und Spitzenkandidat bei den Nationalratswahlen, Außenminister Sebastian Kurz, bekräftigt und verteidigt die Pläne zur steuerlichen Entlastung von Familien gegen Kritik. Im Wahlprogramm ist vorgesehen, dass künftig pro Kind 1500 Euro Steuerbonus gewährt werden.

Bei einem Besuch am Samstag im NÖ-Pressehaus in St. Pölten stellte Kurz im Gespräch mit den „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN) klar, dass auch Alleinerzieherinnen davon profitieren würden. Notfalls müssten die Väter den Bonus abtreten, erläuterte er.

Das ÖVP-Programm ziele „ganz besonders“ darauf ab, Familien und Kinder zu entlasten, betonte der ÖVP-Spitzenkandidat. Jede Familie würde demnach 1500 Euro pro Kind von der Steuer abziehen können. Das bedeute beispielsweise bei zwei Kindern eine jährliche Entlastung von 3000 Euro pro Familie.  

Schwarz-rote Koalition mit Doskozil?

„Das muss auch Alleinerzieherinnen zukommen“, erklärte Kurz. Insofern sei klar,  wenn die Mutter Alleinerzieherin sei und arbeiten gehe, dann habe diese Mutter genauso wie eine Familie die Möglichkeit, diesen Steuerbonus in Anspruch zu nehmen.  Wenn sie nicht beruflich tätig sei und der Vater gehe arbeiten, habe dieser die Möglichkeit, den Steuerbonus in Anspruch zu nehmen. „Und er muss diesen weitergeben an die Mutter“, sagte Kurz, genauso wie Alimente zu leisten seien.

Der ÖVP-Chef trat damit heftiger Kritik der SPÖ im Wahlkampf entgegen, wonach Alleinerzieherinnen bei den ÖVP-Plänen „vergessen“ würden.

Ob er schon mit Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) an einer schwarz-roten Bundesregierung unter seiner Führung arbeite? „Nein“, beteuerte Kurz.  Zuerst hätten die Wähler am 15. Oktober eine Entscheidung zu treffen. Er hoffe, dass die ÖVP dabei gestärkt werde. „Sollte ich Erster werden, werde ich mit allen Parteien Gespräche führen.“  Damit wolle er herausfinden, mit welcher Partei es am ehesten möglich sei, die inhaltlichen Vorstellung der ÖVP umzusetzen.

„Eine Koalitionsbildung ist natürlich das Ziel“Sebastian Kurz

„Dass ich mit dem Verteidigungsminister auf europäischer Ebene gut zusammenarbeite, sollte eine Selbstverständlichkeit in einer Regierung sein“, sagte Kurz.

Angesprochen auf seine zu Wochenbeginn geäußerten Überlegungen für eine Minderheitsregierung, meinte Kurz: „Sollten wir gewählt werden und den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten, wäre mein Ziel, Partner, andere Parteien zu finden, mit denen es möglich ist, unser inhaltliches Programm umzusetzen, Österreich zum Positiven zu verändern.“ Wenn das nicht möglich sei, müsse man sich „solche Gedanken machen.“  

Es dürfe „keine Minimalkompromisse und kein Weiterwurtscheln“ mehr geben. Er werde versuchen, „möglichst breite Mehrheiten“ zu finden, möglichst viele Parteien zu finden, die dieses Vorhaben unterstützen. „Eine Koalitionsbildung ist natürlich das Ziel“, aber man könne jetzt noch nicht sagen, ob das gelingen werde.

Ein ausführliches Interview mit ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz erscheint demnächst in der NÖN-Landeszeitung. Und die Highlights der heutigen "Mit der NÖN am Tisch"-Leserdiskussion findet ihr schon bald auf NÖN.at/amtisch. Dort gibt es bereits jetzt die Diskussion mit NEOS-Spitzenkandidat Matthias Strolz zum Nachlesen und Nachschauen.