NEOS fordern "zukunftsfittere Schulen". Die NEOS Niederösterreich üben starke Kritik an der "Baustelle Schulsystem" und fordern konkrete Taten von Land und Bund. Unter anderem sollen den Schulen mehr Freiraum und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen.

Von Linda Goldsteiner. Erstellt am 06. August 2019 (16:46)
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Symbolbild

Vier Wochen vor Schulbeginn präsentieren die NEOS Niederösterreich ihre Forderungen für die Gestaltung des Schulsystems. "Wir setzen uns für personellen, pädagogischen und finanziellen Freiraum ein, damit unser Schulsystem den dringend notwendigen Erneuerungs- und Effektivitätsimpuls bekommt", sagt Landessprecherin Indra Collini. So sollten sich Schulen ihr Personal selbst aussuchen, neue Konzepte im Alltag umsetzen und frei über ihr Budget verfügen dürfen. Mittels der Errichtung von sogenannten "autonomen Pilotschulen" solle Niederösterreich als Vorreiterland dienen. 

Eine weitere Forderung von Collini ist die Abschaffung des Schulsprengelzwangs, der die Wahl der Schule vom Wohnort abhängig macht. Dies vor allem im Hinblick auf die neuen Mittelschulen mit Schwerpunktbereichen. Niederösterreichische Familien sollten die für sie passende Schule frei wählen dürfen, um die individuellen Talente der Kinder zu fördern.

Geld für Bildung aus "Bankenmilliarde" schöpfen

NEOS-Bildungssprecher und Nationalratsabgeordneter Douglas Hoyos fordert außerdem ein Zusatzbudget für Schulen, das ihnen als "Chancenbonus" frei zur Verfügung gestellt werden soll. Schulen könnten diese finanziellen Mittel dann etwa für den Ganztagesausbau, Sozialarbeiter oder Schwerpunktsetzungen verwenden. Wie das finanziert werden soll? 2016 seien bereits 750 Millionen Euro dem Bildungssystem „versprochen“ worden. Gewidmet aus der sogenannten „Bankenmilliarde“: Jenes Geld, das die Banken als Abschlagszahlung dem Staat überweisen müssen und mussten, um Steuererleichterung zu bekommen. Initialzündung dafür war die Wirtschaftskrise eine Dekade davor.

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NEOS-Bildungssprecher Douglas Hoyos und Landessprecherin Indra Collini bei der Pressekonferenz zum Schulsystem in St. Pölten.

Kritik gibt es auch an dem Ungleichgewicht zwischen konfessionellen und nicht-konfessionellen Privatschulen. So würde die öffentliche Hand bei ersteren rund 80 Prozent der Kosten tragen, bei nicht-konfessionellen Privatschulen nur zehn bis 20 Prozent. 

3.900 offene Lehrerstellen in Österreich 

In Bezug auf den Lehrermangel meint Hoyos: "Wir müssen gegenüber Quereinsteigern offener werden." Schüler könnten von Menschen, die sich nach ihrer beruflichen Laufbahn für den Lehrerberuf entscheiden, profitieren und andere Perspektiven erhalten. Derzeit seien in ganz Österreich rund 3.900 potentielle Posten frei, im Nordost-Sprengel (NÖ und Wien) seien es 1.500 Planstellen, die nachbesetzt werden müssen. 

Die NEOS appellieren nun an die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, mutige Schritte zu setzen und die dafür notwendigen Investitionen zu tätigen. "Bildung ist der Schlüssel für das Vorankommen des Landes", so Collini. Derzeit sei die Bildungspolitik von Land und Bund eine "Riesenbaustelle".