Neue Ärzte fürs Land. Forderungen / In den nächsten Jahren geht die Hälfte der Landärzte in NÖ in Pension, die NÖ Ärztekammer befürchtet einen Ärztemangel.

Erstellt am 05. August 2013 (11:41)
NOEN, NÖ Ärztekammer
Von Christine Haiderer

„Wir haben 470 Landärzte. Davon gehen in den nächsten fünf Jahren 120, in den nächsten zehn 240 in Pension“, betont NÖ-Ärztekammer-Kurienobmann Dietmar Baumgartner. Gleichzeitig gibt es immer weniger junge Ärzte, die Landarzt werden wollen. „27 Prozent der Turnusärzte sagen, sie können sich vorstellen, nicht ärztlich tätig zu sein, wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern“, so NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner.

Kooperation, Honorar und Hausapotheken

Welche Rahmenbedingungen gemeint sind, liefert die Umfrage nicht. Für die NÖ Ärztekammer zählen dazu aber unter anderem familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Gemeint sind Kooperationsformen unter Ärzten. Zwar gibt es die Gruppenpraxis, die Regeln dazu aber sind kompliziert. „Gebraucht werden schlanke, unkomplizierte, bedarfsorientierte Modelle.“

Eine weitere Forderung ist die nach einer besseren Finanzierung längerer Öffnungszeiten, nach einem leistungsgerechtem Honorierungssystem …

NÖGKK-Direktor verweist auf Meistern der Pensionswelle der letzten Jahre

Zwar gibt es laut NÖ-Gebietskrankenkasse-Generaldirektor Jan Pazourek Leistungen, die keine „Sonderleistungen“ sind, sie aber werden im Rahmen von Pauschalien abgegolten. Außerdem gibt es im Herbst wieder Honorarverhandlungen mit der Ärztekammer. Und zum Ärztemangel betont Pazourek, dass es eine ähnliche Pensionswelle bereits gab. „In den letzten zehn Jahren sind die Generationen der geburtenstarken Jahrgänge der 1930er- und 1940er in Pension gewandert.“ Und: „Wir haben alle nachbesetzen können.“

Punkto Hausapotheke fordern die Ärzte die Beseitigung der rechtlichen Hürden, um uneingeschränkt Medikamente abgeben zu können. Das hätte Folgen für Apotheker. NÖ-Apothekerkammerpräsident Heinz Haberfeld: „Ein vollkommenes Nebeneinander wird es nicht geben.“ Außerdem: „Den Notfallapparat gibt es ja.“ Also, die Möglichkeit für Ärzte, im Notfall Medikamente abzugeben.

Ein weiteres Problem laut Wolfgang Geppert vom Hausärzteverband: „Hausärzte werden nicht mehr als primäre Anlaufstelle gesehen.“

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