Neue Hoffnung durch den Papst. Ein Jahr Papst Franziskus | Der neue Heilige Vater hat die Stimmung in der katholischen Kirche stark verbessert.

Erstellt am 16. März 2014 (19:14)
NOEN, L'OSSERVATORE ROMANO (APA)
Papst Franziskus beim Treffen mit einem Teil der österreichischen Bischöfe beim diesjährigen Ad-limina-Besuch in Rom anfangs des Jahres: Stephan Turnovszky (Erzdiözese Wien), Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt), Ludwig Schwarz (Linz), Kardinal Christoph Schönborn (Wien), Klaus Küng (St. Pölten), Christian Werner (Militärdiözese), Anton Leichtfried (St. Pölten), Franz Scharl (Wien).
Von Martin Gebhart

Am Mittwoch ist es ein Jahr her, dass Papst Franziskus mit einem Gottesdienst auf dem Petersplatz sein Amt an der Spitze der katholischen Kirche angetreten hat. Sein Auftreten, sein Umgang mit den Menschen und seine ersten Maßnahmen haben die Stimmung in und gegenüber der katholischen Kirche deutlich verbessert. Diese Woche auch durch eine profil-Umfrage belegt. Wobei diesmal auch die Basis mitzieht, wie viele Stellungnahmen zum ersten Jahr des neuen Papstes zeigen.

Eine überaus positive Bilanz zog in der Vorwoche auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn: „Papst Franziskus ist ein Mann des Evangeliums und der Entscheidung.“ Durch den „Verzicht auf höfische Traditionen“ habe er klare Zeichen eines veränderten Stils gesetzt. Das Leben im Gästehaus „Santa Maria“ und sein einfacher Lebensstil würden dem Papst dazu auch den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern genauso wie zu den gerade anwesenden Kardinälen aus aller Welt ermöglichen. In der Organisation im Vatikan zeige er Entscheidungskraft. Als Beispiel nannte Kardinal Schönborn das neue Kurienamt für Wirtschaft und Administration, das der Papst nach einer sechsmonatigen Phase der Erhebung und Beratung umgesetzt habe.

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Umfrage unter den Gläubigen durchgeführt

Eine Aufbruchsstimmung ortet St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng: „Durch Papst Franziskus hat sich eine Aufbruchsstimmung verbreitet. Die Begegnung mit ihm beim Ad-limina-Besuch war für uns Bischöfe eine Ermutigung. Man spürt bei ihm Vertrauen und Verständnis, aber auch die Ausstrahlung eines Betenden. Das Thema Familie ist für ihn von zentraler Bedeutung. Dieses und das kommende Jahr werden so manche Klärung bringen.“

Zum Thema „Ehe und Familie“ ließ der Vatikan als Vorbereitung auf die Bischofssynode im Oktober eine Umfrage unter den Gläubigen durchführen. Diese Synode ist für den Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Orden, Altenburgs Alt-Abt Christian Haidinger, ein entscheidendes Exempel für das Wirken von Papst Franziskus. Weil es dort auch um das heikle Thema der geschiedenen Wiederverheirateten gehe, so Haidinger in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Furche“. Haidinger dort zum neuen Papst: „Es sind noch viele Fragen offen. Aber allein durch seine Persönlichkeit, wie Fanziskus auftritt, hat sich atmosphärisch schon viel verändert. Ich bin mir noch nicht wirklich im Klaren, wo dieser Papst theologisch steht.“

Schönborn:  „Ich bin für den Dialog“


Seitdem der neue Papst im Amt ist, war von der Pfarrerinitiative rund um Helmut Schüller, Pfarrer in Probstdorf im Bezirk Gänserndorf, weniger zu hören. Zum ersten Jahr von Papst Franziskus meldete sie sich nun zu Wort und zog eine „gemischte Bilanz“. Die vom Papst geöffneten Freiräume würden von den Bischöfen bislang viel zu wenig genützt, so Schüller. Er empfahl neuerlich Ungehorsam, diesmal gegen die Pfarrzusammenlegungen in der Erzdiözese Wien.

Kardinal Schönborn diesbezüglich zur Initiative: Für die von Papst Franziskus bewirkte Offenheit und die neue Qualität des Dialogs brauche es keinen Aufruf zum Ungehorsam. Er habe keine Scheu, Themen offen anzusprechen. Schönborn: „Ich bin für den Dialog, halte das Wort Ungehorsam in diesem Kontext aber für verfehlt.“

Große Hoffnung in den neuen Papst setzen vor allem auch die Laienorganisationen. Gerda Schaffelhofer, Präsidentin der Katholischen Aktion (KAÖ) sieht in diesem Zusammenhang den Papst als „Geschenk des Heiligen Geistes an unsere Kirche“. Er habe den Stellenwert der Laien in der Kirche speziell hervorgehoben.