Neuer Papst fasziniert. Vatikan / Erstmals wurde ein Südamerikaner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Rund 150.000 Gläubige waren am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom versammelt, als Papst Franziskus sein erstes Angelus-Gebet sprach.

Erstellt am 17. März 2013 (17:36)
epa03622337 The new Pope, Francis I waves from a balcony of St. Peter's Basilica after he was elected by fellow cardinals following a two day conclave 13 March 2013. Cardinal Jorge Mario Bergoglio is the first pope from the Americas and the first from outside Europe in over a thousand years EPA/VALDRIN XHEMAJ
NOEN, VALDRIN XHEMAJ (EPA)
Von Martin Gebhart

Rund 150.000 Gläubige waren am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom versammelt, als Papst Franziskus sein erstes Angelus-Gebet sprach. Seine Botschaft an die versammelten Menschen, die immer wieder mit lautem Applaus reagierten: „Etwas mehr Barmherzigkeit verändert die Welt, es macht sie weniger kalt und mehr gerecht.“

Fast eine Woche ist es nun her, dass Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt worden ist. Am Dienstag wird er offiziell im Petersdom in sein Amt eingeführt werden.
„Riesig gefreut“ habe er sich über die Wahl des Argentiniers, so Kardinal Christoph Schönborn, der ja am Konklave teilgenommen hatte. „Alles spricht dafür, dass die Kardinäle einen sehr guten Hirten gewählt haben“, so der Wiener Erzbischof. Und: „Ich denke, wir werden mit Papst Franziskus noch gute und schöne Überraschungen erleben.“

In einer Pressekonferenz in Rom ortete Kardinal Schönborn auch dringende Aufräumarbeiten innerhalb des Vatikans. Er hoffe, dass es Papst Franziskus bald gelingen werde, den guten Ruf des Vatikans wieder herzustellen. Spekulationen, wonach er demnächst eine führende Position innerhalb der vatikanischen Kurie einnehmen könnte, wollte Schönborn nicht kommentieren. Er erklärte nur, dass er sich freue, nach Wien zurückzukehren und er hoffe, „im Stephansdom einmal mein Grab zu finden“.

Für Aufsehen sorgte Papst Franziskus in den ersten Tagen bereits, weil er auch als Papst ungewohnte Schlichtheit an den Tag legte. So holte er persönlich sein Gepäck aus dem Gästehaus ab, wo er während des Konklaves gewohnt hatte. In seinen ersten Ansprachen bezeichnete er sich immer wieder als „Bischof von Rom“ und nicht als „Papst“. Als Kardinal hatte der Jesuit in Argentinien ebenfalls ein sehr schlichtes Leben gewählt und sich für die Armen eingesetzt. Er wohnte nicht in der bischöflichen Residenz und war meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Mit seiner Wahl tauchte auch die Kritik auf, dass er während der Militärdiktatur in Argentinien mit den damaligen Machthabern paktiert habe. Dagegen trat nun der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel auf. Der 81-Jährige gegenüber BBC: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht.“


ZUR PERSON
Papst Franziskus (Jorge Mario Bergoglio, 76) stammt aus einer Familie mit fünf Kindern, deren Vater aus Italien eingewandert war und in Argentinien bei der Bahn arbeitete. Wie viele seiner Landsleute besitzt er neben der argentinischen auch die italienische Staatsbürgerschaft und spricht Spanisch und Italienisch, dazu nach einem Dissertations-Aufenthalt in Deutschland 1985 auch etwas Deutsch. Der diplomierte Chemiker gilt als Multitalent – als guter Koch, Opernliebhaber, Freund der griechischen Klassik, Shakespeares und Dostojewskis, als guter Schwimmer und kräftig, obwohl er seit Kindheit mit Lungenproblemen kämpfte.
Bergoglios kirchliche Laufbahn begann mit seinem Eintritt in den Jesuitenorden als 21-Jähriger. Kurz nach seiner Priesterweihe 1969 brachte er es zum Provinzial seiner Ordensgemeinschaft in Argentinien (1973). Später Theologieprofessor, wurde er 1992 zum Erzbischof-Koadjutor von Buenos Aires, 1998 zu dessen Erzbischof ernannt. 2001 machte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.