Beförderer schlagen Alarm: Schülertransporte gefährdet. Noch im laufenden Schuljahr sind die Schulbustransporte im Gelegenheitsverkehr, wie sie derzeit durchgeführt werden, gefährdet. Der Grund: Die vom Bund über den Familienlastenausgleichsfonds gezahlten Schülerbeförderungstarife decken nicht einmal mehr 50 Prozent der tatsächlichen Kosten ab.

Von Redaktion Online. Erstellt am 17. September 2019 (13:19)
Franz Haberfellner
Österreichs Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl wurde von Norbert Brunner (l.) und Günther Berger (r.) persönlich über die Finanzprobleme bei den Schulbustransporten informiert.

„Dass die Schülertransporte trotzdem noch durchgeführt werden, ist in zahlreichen Fällen nur mehr dem Idealismus der Transportunternehmer zuzuschreiben – oder eigenen Zuzahlungen von Gemeinden“, so Günther Berger, der Obmann der NÖ Personenbeförderer mit PKW, und der Obmann der NÖ Busunternehmen, Norbert Brunner. „Ohne eine Erhöhung der Tarife durch den Bund geht es nicht mehr!“

Österreichweiter Aktionstag

Unterstützung für diese Forderung erwarten sich Berger und Brunner vom Land Niederösterreich und den niederösterreichischen Gemeinden. Ein entsprechender Brief ist bereits an alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gegangen. Im Rahmen des österreichweiten Aktionstags der Branche wurde die Problematik vor Ort in Scheibbs Bürgermeister Franz Aigner, Vizebürgermeister Martin Luger und LAbg. Anton Erber dargelegt und der Bürgermeister-Infobrief persönlich übergeben. Scheibbs ist, wie Bürgermeister Franz Aigner berichtet, selbst eine Gemeinde, die Zuzahlungen für die Schülerbeförderung in Höhe von 45.000 Euro im Jahr leistet: „Eine große Belastung für die Gemeinde“.

Lohnkosten steigen stärker als Beförderungstarife

Zum Hintergrund: In den letzten 15 Jahren wurden die Tarife für die Schülerbeförderungen nahezu ausnahmslos nur im Ausmaß des jeweiligen Verbraucherpreisindex (VPI) erhöht. So wird auch aktuell für das Schuljahr 2019/20 eine Erhöhung um 1,4 Prozent in Aussicht gestellt. Tatsächlich sind die Lohnkosten aber regelmäßig deutlich höher gestiegen als der VPI. Zwei aktuelle Beispiele belegen die über dem VPI liegenden Kostensteigerungen für die SchülerInnen-Transporteure deutlich:

  • Bei 20-sitzigen Bussen sind durch die Neugestaltung des Bus-Kollektivvertrags die Gesamtkosten um fast acht Prozent gestiegen!
  • Bei Schüler-Kleinbussen (PKW) muss – entsprechend den Vorgaben der Bundesregierung – der Mindestlohn bis Ende 2020 auf 1.500 Euro angehoben werden. Die Gesamtkosten steigen damit um fast 12 Prozent!  
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Aus dem Familienministerium der zuständigen Ministerin Ines Stilling kam zu den Forderungen der Schülerbeförderer bis dato nur die Auskunft, dass das mit der künftigen Bundesregierung verhandelt werden solle. „Diese Zeit haben wir aber nicht mehr“, so Günther Berger und Norbert Brunner.

„Die Gefahr ist groß, dass bis dahin so manches Unternehmen in Sachen Schulbus und Schülerbeförderung das Handtuch wirft, weil sich das finanziell einfach nicht mehr ausgeht. Und was machen die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern dann?“

Erschwerend kommt dazu, dass das geltende Tarifmodell ausschließlich auf die Zahl der gefahrenen Kilometer abzielt, den Zeitfaktor – und damit die gestiegenen Personalkosten – aber völlig außer Acht lässt. „Wir brauchen daher ein neues Tarifsystem, das gefahrene Kilometer ebenso berücksichtigt wie geleistete Stunden“, so Berger und Brunner.