"Grüner Ring" wächst weiter. Eine positive Bilanz zog Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf (ÖVP) nach zwei Jahren Initiative "Grüner Ring". ​​​​​​​Das Projekt soll jetzt auf die gesamte Region östlich von Wien bis Bratislava ausgeweitet werden. Ohne Ordnung führe dieser Siedlungsdruck zu einem Chaos, sagt Pernkopf. Die Bevölkerung in der Region Bruck/Leitha wuchs in den letzten zehn Jahren um bis zu 13 Prozent.

Von APA / NÖN.at und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 12. November 2020 (13:26)
Landtagsabgeordneter Bgm. Gerhard Schödinger, Landeshauptfrau-Stv.Stephan Pernkopf (beide ÖVP) und DI Thomas Knoll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur bei der Präsentation des zweiten Leitprojekts des "Grünen Rings" im Bezirk Bruck a. d. Leitha.
NLK Reinberger

Über Gemeindegrenzen hinweg sollen mit der ursprünglich von Otto Wagner erdachten Maßnahme Grün- und Agrarflächen gesichert werden.

In den vergangenen zehn Jahren hatten Teile der Region einen Bevölkerungszuwachs von bis zu 13 Prozent verbucht und lagen somit gleichauf mit der Bundeshauptstadt. "Ungeordnet würde dieser Siedlungsdruck zu einem Chaos führen", erklärte Pernkopf. Es gehe darum Verbauung und Zersiedlung einzuschränken und gleichzeitig Acker- und Grünflächen zu schützen, um die regionale Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen.

Ohne Eingriffe automatischer Trend zur Urbanisierung

"Wenn wir nichts machen, gibt es einen automatischen Trend zur Urbanisierung", hielt auch der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur, Thomas Knoll, fest. Gerade die Corona-Krise zeige die Relevanz der regionalen Nahrungsmittelversorgung und der Naherholung, die Grünräume seien darum "systemrelevant".

Knoll sieht außerdem zwei Entwicklungen während der letzten Jahre in der Landschaftsplanung: In der Raumordnung habe sich die Blickrichtung gedreht. "Von dem früheren Blick 'Bauland auf Grünland' schauen wir heute von der Landschaft auf die Ortschaft." Und bei der Planung von Gewerbe- und Industriegebieten habe sich die räumliche Eignung von den Gemeindegrenzen losgelöst.

 

 

Land NÖ

Zweites Leitprojekt im Bezirk Bruck

Nach der ersten Leitplanung in der Region Schwechat mit elf agrarischen Schwerpunkträumen, 35 erhaltenswerten Landschaftsteilen und 29 regionalen Grünzonen im Ausmaß von mehr als 10.000 Hektar widme man sich nun dem Bezirk Bruck a. d. Leitha. Dort gelte es nun, die für die 104.000 Bewohner der 33 Kommunen die hohe Lebensqualität zu sichern, erklärte Pernkopf. "Die Gemeinden setzen sich zusammen und planen Gewerbe- Wohn- und Grünflächen zur Erholung und zur Nahrungsmitteproduktion gemeinsam", erläuterte er. So würde Partnerschaft statt Konkurrenz gefördert.

Der "Grüne Ring" wurde von den Kommunen positiv aufgenommen, berichtete Wolfsthals Bürgermeister Gerhard Schödinger (ÖVP). "Wir haben ein Gemeinschaftsgefühl erlebt, das wir in dieser Größe nicht erwartet haben", erinnerte er sich. Die Formulierung eines klaren Ziels für die Region sei dabei ein wichtiger Faktor gewesen, fügte Pernkopf hinzu. Vor- und Nachteile müssten fair aufgeteilt werden, betonte auch Knoll. "Es geht um einen partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe", sagt Knoll.

Bodenschutzpaket ergänzt "Grünen Ring"

Nachdem im nahegelegenen Bratislava ein VW-Werk geplant worden war, sei der Baudruck in Wolfsthal groß geworden, berichtete Schödinger. Ein überregionales Konzept sei darum wichtig, da einzelne Gemeinden dem nur wenig entgegensetzen könnten. Ziel sei dabei kein Entwicklungsstopp, sondern eine konzentrierte Kooperation mit den anderen Kommunen.

Das im Oktober verabschiedete Bodenschutzpaket ergänzt laut Pernkopf den "Grünen Ring". Eine gesamtheitliche Planung im Bundesland könne jedoch erst nach der sukzessiven Umsetzung in Proberegionen durchgeführt werden. In Niederösterreich gebe es noch die Möglichkeit, viele Grünräume zu schützen. "Wir sind vor ein paar Jahren nah daran gewesen, dass das verloren geht", blickte Knoll zurück.