Maßnahmenpaket beschlossen: Müll soll weniger werden. Land will Netz an Re-Use-Shops prüfen. Seine Feste sind nun zudem alle „sauberhaft“.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 11. Februar 2020 (00:41)
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Die Verpackung der Lebensmittel, der Karton der letzten Online-Bestellung oder der Coffee-to-go im Einweg-Becher: Jeder Niederösterreicher produziert in einem Jahr etwa 535 Kilo Abfall. Diese Zahl zu verringern und Abfälle so gut es geht zu vermeiden, ist als Grundsatz im Landes-Abfallwirtschaftplan festgeschrieben. Um dem Ziel näherzukommen, beschloss der Landtag gerade einstimmig das Maßnahmenpaket „Umwelt schützen - Abfälle vermeiden - natürliche Ressourcen schonen“.

Damit sollen Aktionen der NÖ Abfallwirtschaft gefördert werden. Konkret enthalten sind im Beschluss vier Dinge. Der erste Punkt dreht sich um Einwegplastik. Davon sammelt jeder Niederösterreicher 18 Kilo pro Jahr – nur durch Verpackungen. Ab 2021 will die EU Einwegplastik bei Tellern, Besteck, Strohhalmen, Ballonhaltestangen und Wattestäbchen verbieten. Das Land will zuvor das Informationsangebot zur Plastik-Vermeidung ausbauen und Multiplikatoren stärker involvieren. Ins Boot holen möchte man vor allem die Gemeinden. Dort soll es „Plastik-Dialoge“ geben, bei denen die Umweltverbände Infos für Alternativen zum Einweg-Plastik bieten. Um herauszufinden, wie diese aussehen, beteilige sich das Land, so Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, bereits seit Jahren an Forschungsprojekten.

Laut Umweltverbände-Sprecher Florian Beer würden die Maßnahmen, die in NÖ zur Müllvermeidung gesetzt werden, aber über Infos und Bewusstseinsbildung hinausgehen. Beispiel einer konkreten Maßnahme sei der NÖ Reparaturbonus, der gerade verlängert wurde. Damit werde auch ein Beitrag zur Reduktion der 13.000 Tonnen Elektroaltgeräte, die in NÖ entsorgt werden, geleistet. Werden Fernseher oder andere Geräte repariert statt weggeworfen, gibt es dafür vom Land bis zu 100 Euro Förderung.

Oberösterreich zeigt Kreislaufwirtschaft vor

„Aus alt mach‘ neu“ lautet das Motto auch in den Re-Use-Shops in Schwadorf, Mistelbach oder Korneuburg. In Schwadorf landen ausrangierte Geräte oder Klamotten nicht im Müll, sondern in pinken Containern. Sie werden, wenn nötig, repariert und dann im Shop verkauft. Ob es sinnvoll ist, aus dieser Idee ein flächendeckendes Netzwerk für NÖ zu machen, soll als zweiter Teil des Landtags-Beschlusses ab dem Frühjahr geprüft werden.

Vorbild ist dafür Oberösterreich.Dort gibt es in vielen Bezirken Boxen, in denen Kleinwaren gesammelt werden.

Der letzte Teil des Landtagsbeschlusses soll dazu führen, dass die Niederösterreicher umweltfreundlicher feiern. Damit müssen nun alle Feste des Landes in Zukunft den Kriterien der „Sauberhaften Feste“ entsprechen. Notwendig ist dafür etwa der Einsatz von Mehrweggeschirr oder die ordentliche Trennung aller Abfälle. Wie viel man damit bewirken kann, zeigte für Abfallverbände-Präsident Anton Kasser der Jakobi Kirtag in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten): „Durch den Einsatz von Mehrwegbechern fiel dort ein Drittel weniger Müll an.“

Helfen sollen bei der Müllvermeidung auch Geschirrmobile, also Pkw-Anhänger, ausgerüstet mit Mehrweggeschirr und Geschirrspülern. Der Landtag will in den kommenden Jahren die Zahl an Geschirrmobilen um 30 Prozent steigern.„Wir sehen den Beschluss als Chance, unsere erfolgreiche Arbeit fortzuführen. Gleichzeitig ist es auch ein Auftrag, dran zu bleiben“, sagt Beer und betont, dass er sich über die Einstimmigkeit des Beschlusses freue.

Vorsichtige Kritik gibt es trotz der Einstimmigkeit von der SPÖ. „Das Thema stand auf unsere Initiative auf der Tagesordnung“, betont man im roten Landtagsklub. Drei Anträge seien von der ÖVP in einem zusammengefasst worden. Dieser ist SPÖ-Umweltsprecherin Kerstin Suchan-Mayr jedoch „zu schwammig“: „Wir sehen auf Landesebene Luft nach oben“.