Neue Chance im Job auf Zeit für Langzeitarbeitslose. 10.854 Landsleute sind von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Soziale Unternehmen fangen sie auf.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 29. April 2021 (05:47)
16 Frauen arbeiten bei Fairwurzelt auf dem Feld oder im Handwerk. So soll ihnen der Wiedereinstieg in einen Job gelingen.
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Die Beete sind hergerichtet. Der Gemüsegarten wartet darauf, bestückt zu werden. Bis das Wetter das zulässt, erledigen die 16 „Fairwurzelt“-Mitarbeiterinnen ihre Arbeit im Haus. Eine Mitte-40-Jährige näht Sitzpolster, die anderen basteln Taschen. Neben ihnen stapeln sich Kisten mit Kräutern und Gewürzen. Aus ihnen zaubern langzeitarbeitlose Frauen in Neidling (Bezirk St. Pölten) die Hauptprodukte von „Fairwurzelt“: Tees, Gewürze und Chutneys.

Durch diese Tätigkeiten sollen sich Frauen, die schon länger als ein Jahr keinen Job haben, wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen und daran, wieder im Team zu arbeiten. Bei „Fairwurzelt“ erhalten sie einen Arbeitsplatz auf Zeit – für maximal sechs Monate. Im Anschluss sollen sie im besten Fall einen dauerhaften Job finden.

Insgesamt verfolgen 20 soziale Unternehmen in allen Teilen Niederösterreichs das Ziel, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie gehören zum Trägerverein „Arbeit plus“ und werden zu großen Teilen vom Land und dem AMS gefördert. Von diesem werden die Jobsuchenden auch einem der fast 400 Transitarbeitsplätze oder Beratungsangeboten zugewiesen. Neben „Fairwurzelt“ gibt es etwa die Ökokreis Naturwerkstatt in Rastenfeld (Bezirk Krems-Land) oder Unida Services in Amstetten.

Corona-Krise verschärft Probleme am Arbeitsmarkt

In den kommenden Monaten könnten die sozialen Unternehmen noch wichtiger werden. Durch die Krise hat sich das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit noch verschärft. Die Bundesregierung will sich dem Problem nun verstärkt widmen. Insgesamt sind über 58.000 Menschen in NÖ arbeitslos gemeldet. Davon sind knapp 11.000 Personen Langzeitarbeitslose. Sehr viele davon Frauen, die meisten über 45 und mit niedrigen Bildungsabschlüssen oder gesundheitlichen Problemen.

„Für uns mögen das Zahlen sein, für Betroffene sind die persönlichen Auswirkungen aber gravierend“, sagt AMS-Geschäftsführer Sven Hergovich. Die vier Millionen Euro, die das AMS pro Jahr in die Projekte für Langzeitarbeitslose steckt, seien gut investiert: „Denn ein Arbeitsloser kostet dem Staat normalerweise rund 30.000 Euro pro Jahr.“ Welche weiteren Maßnahmen durch die angekündigte Aktion „Sprungbrett“ von Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) finanziert werden können, werde man noch sehen, blickt Hergovich voraus. Eine leichtere Verbesserung sieht „Arbeit plus„-Geschäftsführerin Maria Nirnsee schon jetzt: „Durch die Corona-Joboffensive gibt es 2021 in Niederösterreich mehr als 80 Transitarbeitsplätze mehr.“

Sozialarbeiter begleiten den Prozess

Menschen, die lange Zeit zuhause waren, bekommen dort mehr als Arbeit – wie auch das „Plus“ im Namen des Vereins verdeutlicht. Bei „Fairwurzelt“ werden die Frauen auch von den Sozialarbeiterinnen vor Ort betreut. In einem Bewerbungstraining wird der Lebenslauf auf Vordermann gebracht oder das richtige Auftreten geübt. Außerdem gibt es Beratungsgespräche.