Noch kein Endlager in Sicht. Heimischer radioaktiver Abfall kann bis 2045 in Seibersdorf zwischengelagert werden. Grenzregionen im Waldviertel zittern jedoch vor geplantem Endlager in Tschechien.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 15. Mai 2018 (00:11)
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Die Lagerung von Atommüll ist nicht gerade ein Lieblingsthema der Politiker. Doch so sensibel die Thematik in der Bevölkerung ist, so wichtig sind auch entsprechende Lösungen.

In Österreich fallen jährlich rund 15 Tonnen an schwach- und mittelradioaktivem Atommüll an. Mehr als 95 Prozent davon sind in der Kategorie „schwacher radioaktiver Abfall“ einzuordnen, der aus Medizin, Industrie oder der Forschung stammt. Die gesamte Menge dieses heiklen Abfalls wird in einem Lager in Seibersdorf zwischengelagert. Derzeit stehen dort rund 11.200 Gebinde (200 Liter-Fässer).

Was dann passiert, darüber ist zuletzt eine politische Diskussion entbrannt. Grund sind die im Bundeshaushalt für 2018 veranschlagten 2,4 Millionen Euro mit der Position „Werkskosten für Endlager“, was Niederösterreichs Grünen-Chefin Helga Krismer auf den Plan rief: „Es werden Kosten für ein atomares Endlager in Österreich budgetiert, welches überhaupt noch nicht offen diskutiert wurde.“ Krismer forderte Aufklärung und Transparenz, auch für etwaige Standorte eines Endlagers in Niederösterreich.

"Zeitraum bis zu einer Lösung ist noch nicht abschätzbar"

Diese lieferte auf nun NÖN-Anfrage das Nachhaltigkeits-Ministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Es gibt keine Standortentscheidung und auch der Zeitraum bis zu einer Lösung ist noch nicht abschätzbar“, erklärt Sprecher Daniel Kosak. Für eine Panikmache der Grünen sei es noch viel zu früh.

Bis zum Jahr 2045 ist Seibersdorf als Zwischenlager genehmigt und hat auch die Kapazitäten, den in Österreich anfallenden Atommüll zu lagern. Doch eine Euratom-Richtlinie aus dem Jahr 2011 schreibt vor, dass jeder Mitgliedsstaat ein nationales Programm für die Entsorgung des radioaktiven Abfalls zu erstellen hat. Da ist Österreich noch säumig. Ziel der Richtlinie ist unter anderem ein hohes Sicherheitsniveau bei der Entsorgung und die Beteiligung der Öffentlichkeit. Es sollen damit unangemessene Lasten für künftige Generationen vermieden werden.

„So transparent wie jetzt war der Prozess noch nie“, sagt Kosak. Die 2,4 Millionen Euro sind die Summe der sogenannten Vorsorgeentgelte für eine spätere Endlagerung. Diese Entgelte müssen alle zahlen, die ihren Atommüll zur Zwischenlagerung nach Seibersdorf bringen. Im Budget wird der Betrag als Ausgabe geführt, weil der Betrag angespart wird, um die spätere Endlagerung zu finanzieren – und das schon seit Jahren. Ob überhaupt ein Endlager in Österreich nötig sein wird, ist laut Kosak ebenfalls noch fraglich. Auch eine internationale Lösung ist möglich.

Endlager nahe Grenze würde Region abwerten

Aber auch eine solche könnte Niederösterreich betreffen. In Tschechien unweit der Grenze sind Pläne für ein Atommüllendlager in Čihadlo um eine halbe Milliarde Euro schon sehr weit fortgeschritten. Einige Bürgermeister der Grenzgemeinden schlagen bereits Alarm. Sie fürchten, dass ein Endlager in direkter Nähe das Waldviertel massiv abwerten würde.