Aufruf an Wöginger: Nur ÖAAB-Chef oder ÖVP-Klubchef. Der schwarze Tiroler Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl prescht mit der Forderung nach einer Ämter-Entflechtung des ÖVP-Klubchefs im Parlament vor: "Er kann nicht Diener zweier Herren sein."

Erstellt am 08. Juni 2018 (14:11)
APA/ROLAND SCHLAGER
August Wöginger

Der Unmut über die Doppelfunktion von August Wöginger als ÖVP-Klubobmann im Hohen Haus und Bundesobmann des ÖVP-Angestelltenbundes (ÖAAB) erreicht einen vorläufigen Höhepunkt. Der schwarze Präsident der Tiroler Arbeiterkammer, Erwin Zangerl, legt Wöginger im Gespräch mit der NÖN dringend ans Herz, eine der beiden Funktionen aufzugeben: "Er soll darüber nachdenken."

Wöginger ist bei schwarzen Arbeitnehmervertretern unter Druck geraten, weil er als Vertrauter von Bundeskanzler Sebastian Kurz und ÖVP-Fraktionschef bei der Reform der Sozialversicherung Maßnahmen mitverhandelt hat, die auf heftige Kritik stoßen, wie die Fusion der neun Gebietskrankenkassen. Auch aus Teilen der niederösterreichischen Arbeitnehmervertretung  war Kritik laut geworden. Zangerl appelliert erstmals, Wöginger solle eine "Entflechtung der Interessen" vornehmen.

Wöginger soll Entscheidung treffen

"Er kann nicht Diener zweier Herren sein", betont der Tiroler AK-Chef. Ob Wöginger dabei auf sein Amt als Klubchef oder ÖAAB-Bundesobmann verzichtet, sei Wögingers Entscheidung. "Mir ist beides recht", beteuert Zangerl im NÖN-Gespräch.

"Kampf zwischen sozialen Schwarzen und unsozialen Türkisen"

Der Tiroler Arbeiterkammerpräsident hat schon bisher mit Kritik an Bundeskanzler ÖVP-Obmann Sebastian Kurz wegen Maßnahmen gegen Arbeitnehmer nicht hinter dem Berg gehalten. Zangerl prophezeit, dass sich die ÖVP-interne Debatte um den Kurs noch verschärfen wird. "Es wird einen Kampf geben zwischen sozialen Schwarzen und unsozialen Türkisen", sagt er. Damit spielt er darauf an, dass die Kräfte um die von schwarz auf türkis umgefärbte Bundes-ÖVP um Kurz einen betont wirtschaftsfreundlichen Kurs fahren.

"Lasse mich nicht unter Parteijoch zwingen"

Zangerl ist neben dem schwarzen Vorarlberger Arbeiterkammerchef der zweite Präsident in den neun Arrbeiterkammern in den Ländern aus den Reihen der ÖVP-Arbeitnehmer. Von der Linie der Bundes-ÖVP unter Kurz will er seine Linie nicht abhängig machen. "Ich lass mich nicht als AK-Präsident unter ein Parteijoch zwingen", sagt Zangerl.

In der Arbeiterkammer stehen für ihn wie in den anderen acht Ländern ab 28. Jänner 2019 AK-Wahlen auf dem Kalender. In Niederösterreich findet die AK-Wahl von 20. März bis 2. April 2019 statt.