Mikl-Leitner: „Womöglich kommen wir stärker zurück“. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zieht nach der ersten Woche der Ausgangsbeschränkungen im exklusiven NÖN-Interview eine erste Bilanz, appelliert an die Disziplin der Landsleute und schließt nicht aus, dass die Maßnahmen auch über den Ostermontag hinaus aufrechterhalten werden müssen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 22. März 2020 (15:40)
NLK Burchhart

Üblicherweise hetzen Sie im ganzen Land von Termin zu Termin. Seit einer Woche ist alles anders. Wie sehr hat sich für Sie das Leben verändert?
Johanna Mikl-Leitner:
Wir alle befinden uns aktuell in einer globalen Krisensituation. Unser aller Leben hat sich schlagartig verändert. Das öffentliche Leben ist auf ein Minimum reduziert. Für uns als politische Verantwortungsträger heißt es gerade jetzt, sich laufend untereinander abzustimmen, um die Situation bestmöglich in den Griff zu bekommen. Dazu sind wir über alle Ebenen und Landesgrenzen hinweg in engster Abstimmung. Jetzt sind wir mehr denn je gefordert, die Situation gemeinsam zu meistern, um unseren gewohnten Alltag wieder möglich zu machen.

Die gegen das Corona-Virus gesetzten Maßnahmen sind jetzt schon mehr als eine Woche in Kraft. Wie zufrieden sind Sie mit der Disziplin der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher?
Allen Bürgerinnen und Bürgern gilt ein großes Dankeschön zu sagen. Der überwiegende Teil unserer Landsleute hält sich an die verordneten Maßnahmen, verlässt nur in dringenden Fällen die eigenen vier Wände und meidet soziale Kontakte. Und jene, die arbeiten, achten sehr genau darauf, den notwendigen Sicherheitsabstand von rund einem Meter einzuhalten, um sich selbst als auch andere zu schützen.

Das ist auch besonders wichtig: Denn wer jetzt unnötige Begegnungen vermeidet, hilft allen, die sich in den Krankenhäusern um täglich mehr Fälle kümmern müssen. So retten wir Leben und das muss unser oberstes Ziel sein. Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig niemanden allein zu lassen, sich um die zu kümmern, die Unterstützung und Zuversicht brauchen. Wir werden als Familien und als Gesellschaft andere Formen finden müssen, einander beizustehen. Es gibt aber bereits unglaublich viele schöne Beispiele von Kontaktpflege mit den Liebsten und auch der Nachbarschaftshilfe, besonders für die Älteren, die etwa nicht selbst zum Einkaufen gehen können. Ich bin sicher, da geht noch viel mehr und wir werden als Gemeinschaft zeigen, dass wir einander nicht alleine lassen.

Der Schaden für die Wirtschaft ist enorm. Vom Bund gibt es ein 38-Milliarden-Euro-Paket. Wie hilft das Land dabei, Arbeitsplätze zu sichern und Unternehmen vor dem Untergang zu bewahren?
Das Hilfspaket der Bundesregierung ist ein wichtiges Signal für die heimische Wirtschaft. Das Land Niederösterreich unterstützt zusätzlich kleinere und mittlere Unternehmen und Tourismusbetriebe, etwa mit der Übernahme von Haftungen. Damit wollen wir unter anderem die Zahlungsfähigkeit der Betriebe sicherstellen. Klar ist, wir setzen jetzt alles daran, dass die Menschen nach der Krise wieder auf ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Wir werden in dieser schwierigen Zeit niemanden zurücklassen.

Viele fragen sich, wann sie wieder in ihr gewohntes Leben zurückkehren können. Wird das in Wochen sein oder eher in Monaten?
Die Bundesregierung hat wichtige Schritte für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher und vor allem für die Aufrechterhaltung unseres Gesundheitssystems gesetzt und die Maßnahmen bis zum 13. April vorerst verlängert. Klar ist, jede und jeder Einzelne von uns kann einen Beitrag dazu leisten, damit wir die Krise sobald als möglich bewältigen. Dafür braucht es weiterhin Disziplin in der Bevölkerung, das heißt weiterhin soziale Kontakte auf das Notwendigste beschränken. Hier dürfen wir nicht nachlassen. Die Zahlen der neuen Corona-Erkrankungen in den nächsten Wochen werden zeigen, wie lange wir die aktuellen Maßnahmen noch aufrechterhalten müssen.

Wenn wir diese enorme Krise überstanden haben. Wie wird Niederösterreich dann aussehen?
Unsere Landsleute haben schon sehr oft bewiesen, dass in Niederösterreich zusammengehalten wird, wenn es darauf ankommt. Das haben Beispiele aus der Vergangenheit, wie etwa Hochwasser- und Unwetter-Katastrophen, bereits vorgezeigt. Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt, dass wir auch diese Krise gemeinsam gut bewältigen werden. Niederösterreich wird auch nach Corona ein lebens- und liebenswertes Bundesland bleiben. Womöglich kommen wir alle nach Rückschlägen noch stärker zurück.