Erstellt am 27. Februar 2018, 02:03

von Daniel Lohninger und Walter Fahrnberger

Schramböck: "Müssen bei Vorschriften ausmisten“. Margarete Schramböck über ihr Zuhause in NÖ, ihre Ziele als Wirtschaftsministerin und die Chancen der Digitalisierung.

Margarete Schramböck, Ministerin für Wirtschaft und Digitalisierung, im Gespräch mit den NÖN-Chefredakteuren Walter Fahrnberger (links) und Daniel Lohninger.  |  Marschik

NÖN: Sie stammen aus Tirol, arbeiten in Wien und wohnen im Bezirk Tulln. Was hat Sie nach Niederösterreich gezogen?

Margarete Schramböck: Den Wienerwald mochte ich immer schon und wir haben lange geschaut, ob wir ein passendes Haus finden. In Hintersdorf haben wir eines gefunden. Hier ist man in der Natur und gleichzeitig rasch in Wien. Und irgendwie ist es wie in Tirol: Wenn ich in St. Andrä beim Fleischhauer einkaufe, sagt die Verkäuferin immer: „Ah, Sie wohnen oben in Hintersdorf im ewigen Eis.“

Österreichs Wirtschaftsmotor brummt. Welchen Anteil hat Niederösterreich?

Schramböck: Niederösterreich hat ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum. Die Anzahl der Unternehmen wächst, die Anzahl der KMUs wächst, die Anzahl der Lehrlinge wächst. Das alles sind Indikatoren, dass es der Wirtschaft gut geht, weil in Niederösterreich Rahmenbedingungen gesetzt worden sind, die die Wirtschaft unterstützen. Das aktuelle Wirtschaftswachstum auf Bundesebene ist hingegen stärker auf die internationale Konjunktur zurückführen, als darauf, dass man in der Vergangenheit die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt hat. Wir haben hier noch einiges zu tun.

An welchen Rädchen wollen Sie drehen, um das Wirtschaftswachstum weiter anzukurbeln?

Schramböck: Es geht darum, die Regelungen und Vorgaben für Unternehmen zu reduzieren. Wir müssen bei den Vorschriften ausmisten und schauen, was wir wirklich noch brauchen. Die Genehmigung von Anlagen muss erleichtert werden. Warum muss ein Eissalon oder eine Frühstückspension mit ein paar Zimmern eine Anlagengenehmigung haben? Es muss auch leichter werden, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

„Der Meister sollte dem Bachelor gleichgestellt werden.“ Margarete Schramböck, Ministerin für Wirtschaft und Digitalisierung

Wer wird von Ihren Maßnahmen besonders profitieren?

Schramböck: Sie sollen generell Erleichterungen bringen, vor allem für die mittelständigen Unternehmen. Niederösterreich hat sehr viele davon. Sie sind das Rückgrat unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft, sie schaffen den Großteil der Arbeitsplätze. Sie werden besonders profitieren, weil sie in Zukunft weniger Zeit mit Dingen vergeuden müssen, die sie eigentlich nicht tun sollten, etwa weil man Daten nicht doppelt und dreifach eingeben muss. Sie sollen sich um neue Märkte, neue Kunden, neue Ideen kümmern und nicht darum, welche Zettel sie ausfüllen müssen.

Ein großes Thema ist die Digitalisierung. Das Land will vorpreschen, braucht bei der Finanzierung aber den Bund.

Schramböck: Der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist einer der wichtigsten Faktoren für Wirtschaftswachstum. Ich sehe es wie die Landeshauptfrau, dass es genauso wichtig ist, einen Datenhighway in einem Ort zu haben wie eine Straße. Nur so können wir dem Trend, dass alle in die Städte geht, gegensteuern. Es muss uns also gelingen, schnelles Internet überall hinzubringen. Die Breitbandmilliarde hat nicht funktioniert. Bis heute ist kein einziger Euro bei den Unternehmen angekommen. Der Breitbandatlas muss neu gestaltet werden, die Art der Vergabe vereinfacht. Wir werden das Land unterstützen und mit dem Infrastrukturministerium an einer Neugestaltung arbeiten.

Bei der Digitalisierung schwingt immer die Sorge mit, dass Jobs verschwinden könnten.

Schramböck: Die Ängste gilt es ernst zu nehmen. Technischen Fortschritt hat es aber immer gegeben und unser Leben ist stets leichter geworden. Unsere Aufgabe ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Menschen die Chancen nutzen können. Wir wollen deshalb noch heuer einen Pakt für digitale Bildung mit dem Bildungsministerium und den Bundesländern schließen, in Niederösterreich ist das bereits erfolgt. 50 Prozent der Arbeitslosen haben kein oder nur geringes digitales Wissen.

St. Pölten will die Stadt der Meister werden und damit dem Fachkräftemangel gegensteuern. Wie kann Ihr Ministerium die Stadt unterstützen?

Schramböck: Ich freue mich über die St. Pöltner Initiative sehr, weil mir die Lehre eine Herzensangelegenheit ist. Wir sind gerade in der Budgetierungsphase, ich kann deshalb keine konkreten Zahlen bei der finanziellen Unterstützung nennen. Wir haben vereinbart, dass wir einen engen Informationsaustausch mit der Stadt pflegen werden. Meiner Ansicht nach sollte der Meister dem Bachelor gleichgestellt werden.