Sonja Zwazl: „Politik ist bunter geworden“. Nach 18 Jahren an der Spitze des NÖ Wirtschaftsbundes tritt Sonja Zwazl (72) ab und zieht eine Bilanz.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 27. November 2018 (02:27)
Sonja Zwazl.
Sepa.Media KG/Josef Bollwein

NÖN: Sie werden am Dienstag nach 18 Jahren als Wirtschaftsbund-Landesgruppenobfrau abdanken. Mit einem lachenden oder mit einem weinenden Auge?

Sonja Zwazl: Mit klarem Blick und Zuversicht, weil ich ein hervorragendes Team aufgebaut habe.

Was waren Ihrer Meinung nach die wesentlichen Errungenschaften des niederösterreichischen Wirtschaftsbundes in dieser Zeit?

Zwazl: Es gibt eine Vielzahl an Erfolgen. Die Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer, die Erhöhung der Forschungsprämie, der Handwerkerbonus, die Verlängerung von Eichfristen und die Reduzierung von Aufzeichnungspflichten für kleine Betriebe sind nur einige Beispiele, die wir für unsere Unternehmer durchgesetzt haben.

Gab es auch Rückschläge?

Zwazl: Keine Rückschläge, aber manche Vorhaben dauern einfach länger, wie zum Beispiel die Abschaffung des Kumulationsprinzips. Wichtig ist, man muss immer draufbleiben.

Sie haben stets den Konsens und Dialog in der Sozialpartnerschaft gesucht. Ist das immer gelungen?

Zwazl: In Niederösterreich leben wir die Sozialpartnerschaft. Da sind wir österreichweit ein wirkliches Vorbild. Arbeiterkammer-Präsident Markus Wieser und ich sind uns einig, wir müssen das Gemeinsame vor das Trennende stellen und setzen viele gemeinsame Projekte für unsere Jugend und in der Ausbildung um. Und natürlich gibt es auch Themen, bei denen jeder seine speziellen Interessen verfolgt, aber mit Fairness und Wertschätzung gegenüber dem anderen.

Wie schwer war es für Sie, innerparteilich in einer stark vom Bauerbund NÖ geprägten ÖVP die Anliegen des Wirtschaftsbundes durchzubringen?

Zwazl: Mit guten Praxisbeispielen setzt man sich immer durch. Ich komme aus der freien Wildbahn, ich bin Unternehmerin.

Einige Beispiele zeigen auch, dass unter Bundeskanzler Sebastian Kurz die Bünde in der ÖVP etwas an Einfluss verloren haben. Wie hat sich das für den Wirtschaftsbund NÖ ausgewirkt?

Zwazl: Das hat keinen Einfluss auf das Land und den Wirtschaftsbund Niederösterreich, weil hier die Stärke der ÖVP unter Sebastian Kurz für uns ein Vorteil ist.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, die Ihr Nachfolger Wolfgang Ecker in den kommenden Jahren bewältigen wird müssen?

Zwazl: Die Politik ist bunter und vielfältiger geworden. Es gilt, den Wirtschaftsbund zusammenzuhalten, zu stärken und mit einer Stimme für die Wirtschaft zu sprechen.

Die Übergabe im Wirtschaftsbund ist Ihr erster Schritt aus der Politik. Haben Sie für sich bereits entschieden, wie lange Sie noch im Bundesrat tätig sein werden?

Zwazl: Für den Bundesrat habe ich ein Mandat für die aktuelle Funktionsperiode bis 2023, die ich auch voll ausüben werde.

Werden Sie die Funktion als Wirtschaftskammer Präsidentin komplett bis zur Wahl 2020 ausüben?

Zwazl: Ja, das habe ich zugesagt.

Sonja Zwazl (72) ist seit 1990 Mitglied des Wirtschaftsparlaments der Wirtschaftskammer Österreichs. Von 1995 bis 1999 war sie Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreichs, seit 1999 ist sie deren Präsidentin.