Christiane Teschl-Hofmeister: „Personalmangel trifft ganz Europa “

Wie das Land NÖ auf den Pflege-Notstand reagiert und pflegende Angehörige entlastet, erklärt die für Pflege zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister im NÖN-Interview.

Erstellt am 29. Dezember 2021 | 05:42
Lesezeit: 2 Min
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Landesrätin Teschl-Hofmeister ist für die Pflege zuständig.
Foto: Kraus

NÖN: Die Zahl der Ausbildungsplätze für Pflege- und Betreuungsberufe wurde erhöht, es gibt aber zu wenig Anmeldungen. Wie reagieren Sie?

Christiane Teschl-Hofmeister: Der Personalmangel ist kein regionales Problem, sondern ein europaweites. Personal ist die wichtigste Ressource im Pflege- und Betreuungsbereich. Darum verfolgen wir in Niederösterreich aktuell einen Fünf-Punkte-Plan zur Pflegeausbildung. Darin enthalten sind etwa die Vernetzung der Pflegeschulen mit dem Regelschulwesen, um die Schülerinnen und Schüler schon früher besser zu erreichen und für den Pflegeberuf begeistern zu können, die Modularisierung der Pflegeberufe, um den Einstieg in die Pflege für Interessierte unkomplizierter zu gestalten, und die neuen Sozial-Schwerpunkte in ausgewählten NÖ Mittelschulen.

Wie entlastet das Land NÖ die Pflegeorganisationen?

Teschl-Hofmeister: Mit Beschluss des aktuellen Ausbaupaketes werden knapp 300 Millionen Euro investiert und 650 neue Pflegeplätze geschaffen, um die stationäre Pflege und Betreuung erheblich zu verbessern. Personal soll auch durch gezielte Deregulierung entlastet werden. Auch die Digitalisierung eröffnet viele Chancen.

Sind Sie für die Pflegelehre?

Teschl-Hofmeister: Grundsätzlich sehe ich die Pflegelehre positiv. Deshalb habe ich mich auch dafür eingesetzt, dass Niederösterreich als Pilotregion für die Umsetzung dieser Idee zur Verfügung steht.

Ist für Sie eine Rekrutierung bzw. Ausbildung von Pflegekräften im Ausland denkbar?

Teschl-Hofmeister: Um den erhöhten Bedarf decken zu können, will das Land NÖ neue Wege gehen. Wenn ein akuter Personalnotstand droht und dieser nicht mehr zu decken ist, kann auch ein Blick ins Ausland notwendig werden.

Der Großteil der Pflegebedürftigen wird von Angehörigen betreut. Wie stützen Sie diese?

Teschl-Hofmeister: Von punktuellen Betreuungen durch mobile Dienste über tageweise Entlastungsangebote wie Tagespflege in Pflegeheimen und Tagespflegezentren bis hin zu befristeten stationären Aufenthalten in der Kurzzeitpflege oder Übergangspflege gibt es in NÖ bereits ein vielfältiges Angebot zur Entlastung. Mit der NÖ Urlaubsaktion wird ein Zuschuss an Angehörige für Urlaube in Österreich gewährt. Zusätzlich wird das Pilotprojekt „Soziale Alltagsbegleitung“ als mehrstündiges Entlastungsangebot ab 2022 in die Regelfinanzierung überführt.