HC Strache: "Man kann uns nicht aufhalten“. FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache über die Chance aufs Mitregieren, Barbara Rosenkranz und warum der HC-Rap Geschichte ist.

Von Walter Fahrnberger und Thomas Jorda. Erstellt am 19. September 2017 (02:27)
Erich Marschik
HC Strache

NÖN: Nach dem 15. Oktober wollen Sie mit der FPÖ in die Regierung. Doch zuletzt haben Sie die ÖVP stark kritisiert. Und mit der SPÖ lehnen Sie Regierungsverhandlungen ab, so lange deren Beschluss, gegen Verhandlungen mit der FPÖ, nicht aufgehoben wird. Mit wem wollen Sie eine Koalition bilden?

Heinz-Christian Strache: Seit 2006 hat es nach den Wahlen trotz Streit und Stillstand noch immer die schwarz-rote Fortsetzung gegeben. So gesehen bin ich da sehr vorsichtig, weil ich die Gefahr sehe, dass jetzt in den Regierungsparteien der Kampf da ist, „wer wird Erster und überwindet den anderen“. Aber am Ende geht man mit einem neuen Obmann vielleicht wieder mit der anderen Partei zusammen. Das wollen wir verhindern. Daher wollen wir so stark wie möglich werden, dass dieser Stil hoffentlich nicht mehr funktioniert. Wer bereit ist, mit uns zu verhandeln und mit uns die wesentlichen Inhalte umsetzen kann, kann ein möglicher Partner sein. Da sich die SPÖ bis dato selbst ausgeschlossen hat, bliebe nur die ÖVP als Verhandlungspartner über. Ob die überhaupt mit uns verhandelt, ist dann die Frage.

Aber die stärkste Partei soll den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen, oder?

Strache: Ja, das steht für mich völlig außer Frage.

Sollte es Ihnen erneut nicht gelingen, in die Regierung zu kommen. Werden Sie persönlich es in fünf Jahren nochmals versuchen? Oder geben Sie dann auf?

Strache: Nein, ich bin ja aus dem Leistungssport, und da lernt man, hart zu trainieren, sich auf einen Wettkampf vorzubereiten – natürlich immer mit dem Ziel zu gewinnen. Und man lernt, mit Höhen und Tiefen zu leben – und wird dadurch stärker. Und wir haben seit zwölf Jahren, das ist einzigartig in der europäischen Parteienlandschaft, bei jeder Wahl, bei der ich als Spitzenkandidat angetreten bin, Vertrauen dazugewonnen. Darum kann es sich da und dort nur verzögern, aber man kann uns nicht aufhalten. Und ich bin 48 Jahre alt und ich komme ins beste Alter. Ich freue mich auf die nächsten zwölf Jahre.

Welchen Leistungssport haben Sie betrieben?

Strache: Ich war in einem Sportinternat in Strebersdorf und habe dort sehr erfolgreich Leichtathletik, Judo, Tischtennis und Tennis betrieben. Fußball habe ich beim Wiener Sportclub gespielt.

Wären Sie gerne Spitzensportler geworden?

Strache: Nein, aber es war eine schöne Zeit. Ich war ja sehr schnell. Zumindest hat man zu mir immer gesagt „der lange Schnelle“. Ich war rechter Flügelstürmer, konnte aber auch über die linke Seite kommen.

Zurück zur Politik. Wenn Sie sich auf den April 2016 zurückerinnern, als Norbert Hofer bei der Bundespräsidentenwahl 35 Prozent erreicht hat. Hätten Sie da nicht gedacht, bei der nächsten Nationalratswahl ganz vorne sein zu können und nicht Zweiter oder Dritter, wie die Umfragen zeigen?

Strache: Als ich Norbert Hofer im Jänner 2016 präsentiert habe, haben alle Medien berichtet, dass Hofer ein fader Kandidat sei: „Er liegt mit acht Prozent völlig chancenlos abgeschlagen, hat keine Chance in die Stichwahl zu kommen. Wie wird Strache diese Niederlage erklären? Er nimmt sich jede Chance, Kanzler zu werden.“ Zwei Monate später hat er 35 Prozent gemacht. So viel zu den jetzigen Umfragen. Ich bin da immer sehr vorsichtig und glaube, dass die Karten seit Beginn des Wahlkampfes völlig neu gemischt worden sind und wahnsinnig viel in Bewegung ist. Allein wenn man die veröffentlichten Umfragen analysiert und das, was nicht öffentlich gemacht wird. Wenn 22 Prozent aller Wahlberechtigten, die befragt werden, wissen, wen sie wählen wollen, es aber nicht sagen – und weitere 30 Prozent noch keine Entscheidung getroffen haben, dann sind wir bei 50 Prozent der Befragten. Daher muss man das amtliche Ergebnis abwarten. Ich glaube, dass Überraschungen möglich sind.

Wie erklären Sie sich, dass bei der Bundespräsidentschaftswahl genau jene Bezirke in Wien, wo angeblich die Hölle los ist (Bsp. Brunnenmarkt) die Grünen besonders viele Stimmen bekommen?

Strache: Das ist ganz einfach erklärt, weil das ja auch jene Bezirke sind, wo natürlich die Migration sehr stark ist. Dort haben in Wien Rot-Grün und davor die SPÖ-Alleinregierung die Staatsbürgerschaft als Geschenkartikel vergeben. Wir haben Analysen, dass in den Wiener Bezirken, wo 50 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund wohnen, die FPÖ stärkste Partei bei der österreichischen Bevölkerung ist.

In Niederösterreich ist Barbara Rosenkranz von der FPÖ zur Liste Schnell gewechselt. Ist das ein Problem für die FPÖ, oder können Sie darüber nur schmunzeln?

Strache: Naja, also Barbara Rosenkranz hat sicherlich ihre Verdienste für die freiheitliche Partei geleistet. Es ist daher besonders schade und traurig, dass sie diesen Weg beschritten hat, nachdem sie demokratisch für keinen Mandatslistenplatz mehr gewählt wurde. Sie hätte jetzt eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen können. Ich glaube, mit dem Wechsel hat sie sich selbst keinen Gefallen getan.

Barbara Rosenkranz hat gemeint, die FPÖ hätte sich verändert und sei keine Kontrapartei mehr, sondern bereits Teil des etablierten Systems. Hat sich die Partei verändert?

Strache: Ganz im Gegenteil. Wir sind die konsequente Partei, die im Unterschied zu den anderen die Probleme immer rechtzeitig erkannt hat.

Was sich aber geändert hat, ist, dass es im Vergleich zu den letzten Wahlen keinen HC-Rap mehr gibt, der ja stets ein Renner im Internet war.

Strache: Dafür haben wir jetzt Videospots mit konkreten Themen, die werden über Youtube über zwei Millionen Menschen sehen. Diese Spots sind statt dem Rap und professioneller.