NÖ setzt immer mehr auf "Öffis". Bessere Taktfrequenzen für Pendler und bereits 38.500 P&R-Stellplätze. Land NÖ fordert garantierten Erhalt aller Nebenbahnen.

Von Walter Fahrnberger und Magdalena Binder. Erstellt am 29. August 2017 (03:00)
Erwin Wodicka
Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel wird in Niederösterreich künftig noch weiter forciert.

Mehr als 300.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher pendeln täglich zur Arbeit. Und dabei verwenden immer mehr die öffentlichen Verkehrsmittel. Eine Entwicklung, die auch den zuständigen Verkehrslandesrat Karl Wilfing (ÖVP) erfreut: „Wir erleben derzeit das Jahrhundert des öffentlichen Verkehrs. Davor war das Jahrhundert des Autos. Es findet ein Umdenken statt.“

Und das kommt nicht von ungefähr. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden im Verhältnis zum eigenen Pkw teilweise deutlich günstiger: „Wenn jemand zum Beispiel auf der Strecke Gmünd - Wien bewusst auf Öffis setzt, kann er sich schon nur im Vergleich mit den Treibstoffkosten eines Autos in einem Jahr 2.400 Euro ersparen“, rechnet Wilfing vor. Die Anschaffungskosten für ein Fahrzeug sind da noch gar nicht eingerechnet.

Tarifreform: Anstieg bei Jahrestickets

Auch die vor einem Jahr eingeführte Tarifreform hat ihren Beitrag dazu geleistet. Dabei wurden die bisherigen Zonentarife im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) sowie die Tarifgruppen im Verkehrsverbund NÖ-Burgenland (VVNB) durch einen Streckentarif ersetzt und die beiden Gebiete zu einem einheitlichen Verkehrsverbund zusammengefasst. Zudem wurde das System computertauglich gemacht.

Auch wenn es bei den Streckenpreisen Gewinner und Verlierer gab, hat sich die Reform bewährt. Der Verkauf von Jahreskarten wurde um 5,9 Prozent von 51.000 auf 58.000 gesteigert. Bei einzelnen Strecken wie zum Beispiel bei der Kamptalbahn sind starke Frequenzsteigerungen erkennbar, wie Wilfing betont.

Auch das Land legt den Fokus darauf, dass immer mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Zusätzlich zu angestrebten Taktverbindungen im Zugverkehr will Niederösterreich langfristig auch Bahnstrecken verbessern. „Wir diskutieren, dass man in Wien auf Dauer eine dritte Stammstrecke brauchen wird. Zudem wollen wir eine wirkliche Beschleunigung der Franz-Josefs-Bahn“, sagt Wilfing. Damit soll jene Strecke, die am weitesten weg ist von Wien, entscheidend verbessert, sprich begradigt werden. Das Ziel ist, dass dann die Strecke von Gmünd nach Wien in eineinhalb Stunden bewältigt werden kann. Eine Fertigstellung wird laut Wilfing frühestens in zehn Jahren möglich sein.

 Land/Monihart
Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel wird in Niederösterreich künftig noch weiter forciert.Erwin Wodicka,Land/Monihart

Schon jetzt werden in Niederösterreich jedoch die „Park & Ride“-Anlagen stark ausgebaut. Mittlerweile verfügt das Land über 38.500 Pkw-Stellplätze. Das sind mehr als alle anderen Bundesländer zusammen. Das Ziel definiert Landesrat Wilfing mit 50.000 Stellplätzen bis zum Jahr 2025. Damit soll den Pendlern der Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel massiv erleichtert werden. Und die Anlagen werden stetig weiter ausgebaut. So sind bereits bis Anfang 2018 weitere 1.800 neue Pkw-Stellplätze und 900 Zweirad-Stellplätze in Planung bzw. in Bau.

Schließlich ist laut dem Verkehrslandesrat in keinem anderen Bundesland der Verkehr so schwierig zu organisieren wie in NÖ. Neben Grenzregionen, Ballungsräumen, Tälern sind auch schwach besiedelte Flächenregionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erschließen.

Deshalb gibt es vom Land NÖ beim neuen Verkehrsdienstevertrag ab 2020 auch die Forderung an ÖBB und Verkehrsministerium, dass alle Nebenbahnen weiter erhalten bleiben müssen.

Dafür könnte es künftig in den ländlichen Regionen einigen Buslinien an den Kragen gehen, die oft leer unterwegs sind. Viele Planungen gehen in Richtung Anruf-Sammel-Taxis, die individuellere Kundenwünsche ermöglichen.