ÖGB: „Jetzt in Kinderbetreuung investieren!“. Umfangreiche Investitionen in den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und mehr Personal fordert der ÖGB Niederösterreich. Kinder sollen ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz haben.

Von David Brandl. Erstellt am 18. Juni 2021 (12:29)
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ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser und die geschäftsführende Landesfrauensekretärin des ÖGB, Linda Koch-Keizer, fordern einen Ausbau der Kinderbetreuung in Niederösterreich.
Usercontent, AK Niederösterreich/Georges Schneider

„Die Situation der Kinderbetreuung hat sich durch Corona nicht verbessert“, stellt Markus Wieser, Vorsitzender des ÖGB Niederösterreich und Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, fest. Während der Lockdowns geschlossene Kindergärten und Schulen hätten Arbeitnehmer besonders herausgefordert, weil sie Job oder Home Office mit Kinderbetreuung und E-Schooling unter einen Hut bringen mussten. Daher macht Wieser klar, dass Schulen und Kindergärten nicht einfach ohne transparente und klare Konzepte geschlossen werden dürften.

Schlusslicht Niederösterreich

Laut ÖGB bietet Niederösterreich zu wenig Nachmittagsbetreuung und leistbare Betreuung von Kindern unter zwei Jahren an. Zudem seien durchschnittlich 30,5 Schließtage zu viel, meint Linda Koch-Keizer, Frauensekretärin des ÖGB Niederösterreich. Daher moniert Wieser: „Niederösterreich ist Schlusslicht bei der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Vollzeit-Job.“

Angesichts dieses Befundes fordert der ÖGB einen massiven Ausbau der Kinderbetreuung im Land. „Der quantitative Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und die Verbesserung bei den Öffnungszeiten sind für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie essenziell“, streicht Koch-Keizer hervor. Aufbauend auf einem gemeinsam mit Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung erarbeiteten Forderungspapier, will der Gewerkschaftsbund hochwertige, flächendeckende Kinderbetreuung mit Rechtsanspruch.

Rechtsanspruch ab erstem Geburtstag

Konkret fordern die Sozialpartner einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag. Dieser soll in zwei Etappen realisiert werden. So sollen ab Herbst 2023 alle Kinder ab dem zweiten Geburtstag und ab Herbst 2025 alle ab dem ersten Geburtstag Anspruch auf einen Platz in elementaren Bildungseinrichtungen haben. Dadurch soll laut Koch-Keizer die Lücke zwischen dem Ende der arbeitsrechtlichen Karenz, dem zweiten Geburtstag, und der Aufnahme in den Kindergarten mit frühestens zweieinhalb Jahren geschlossen werden. „Leistbarkeit ist dabei ein zentraler Punkt“, fügt die ÖGB-Frauensekretärin hinzu.

Um den geplanten Ausbau finanzieren zu können schlagen die Sozialpartner vor, die Investitionen für frühkindliche Bildung auf ein Prozent des Brutto-Inlandprodukts zu erhöhen. Zusätzliche Fördermittel sollen im Rahmen einer sogenannten 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Länder verhandelt werden.

Angesichts eines erhöhten Beschäftigungseffekts, einer höheren Frauenerwerbsquote und steigender lokaler Nachfrage sieht der ÖGB die nötigen Investitionen gelassen. Dabei gibt der Gewerkschaftsbund zu bedenken, dass durch den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze auch der ländliche Raum gestärkt werden würde, weil weniger junge Familie dadurch abwandern würden.

Ausbildungsoffensive und längere Öffnungszeiten

Um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, will der ÖGB maximal 25 Schließtage jährlich und längere Öffnungszeiten – wöchentlich mindestens 47 Stunden, wobei an vier Tagen die Betreuungseinrichtungen zumindest neuneinhalb Stunden geöffnet sein sollen. Dies würde besonders alleinerziehende Mütter entlasten, gibt Koch-Keizer zu bedenken.

Mehr Betreuungsplätze und längere Öffnungszeiten erfordern auch mehr Personal. „Es braucht eine Ausbildungsoffensive beim pädagogischen Personal“, streicht Wieser hervor. Besonders im Bereich der Erwachsenenbildung müssten mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden.

Handlungsbedarf bei Kinderbetreuungsplätzen beim heutigen System gebe es laut ÖGB besonders im Wald- und Mostviertel schon jetzt. Daher appelliert der Gewerkschaftsbund an die Landespolitik: „Jetzt in Kinderbetreuung investieren!“