ÖVP: "Momentaufnahmen zählen nicht". Durch die Corona-Krise sieht sich die Landes-ÖVP in ihrer Politik bestärkt. Niederösterreich habe keine Kapazitätsprobleme in den Krankenhäusern gehabt. Die EU-SILC-Studie (jährliche Erhebung zu den Lebensbedingungen der Privathaushalte in der Europäischen Union) habe zudem ergeben, dass Niederösterreich das Bundesland mit dem höchsten Einkommen und der niedrigsten Armutsgefährdung sei.

Von NÖN Redaktion und Victoria Schmidt. Erstellt am 24. Juli 2020 (11:49)
VPNÖ-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner und Sozialsprecher und Landtagsabgeordneter Anton Erber präsentieren die Zahlen.
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In den kommenden zehn Jahren werden 1,3 Millarden Euro für den Ausbau des Gesundheits- und Pflegebereichs in Niederösterreich investiert. Für die ÖVP ist das ein notwendiger Schritt, der das bestehende System erhalten und erweitern soll. Nur so würden die 27 Landeskliniken sowie die 50 Pflege-, Förder- und Betreuungszentren weiter die Versorgung im Land garantieren können.

Sozialsprecher und Landtagsabgeordneter Anton Erber betonte im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag: "Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, vorausschauend zu handeln", Niederösterreich habe vor der Krise Kritik wegen zu vieler Krankenhausbetten einstecken müssen, während der Krise habe es allerdings zu keinem Zeitpunkt ein Kapazitätsproblem in den Krankenhäusern gegeben. 

Armutsgefährdung liegt bei 10 Prozent

"Es zählt eben nicht die Momentaufnahme", fühlt sich Erber in der Arbeit der letzten Jahre bestätigt. Untermalt wurde das in der Pressekonferenz auch durch die Zahlen, die im Mai im Rahmen der jüngsten EU-SILC-Studie veröffentlicht wurden.

SILC (Community Statistics on Income and Living Conditions", „Gemeinschaftsstatistiken über Einkommen und Lebensbedingungen") erhebt Daten zur Beschäftigungssituation und Einkommen der Haushaltsmitglieder, die Ausstattung der Haushalte, die Wohnsituation einschließlich der Ausgaben für das Wohnen, aber auch Bildung, Gesundheit und Zufriedenheit.

Demnach führe Niederösterreich das Spitzenfeld der Bundesländer mit der besten Lebensqualität an, wie VPNÖ-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner bei der Pressekonferenze am Freitag hervor. Er schlüsselte die Zahlen für die anwesende Presse auf.

10 Prozent der niederösterreichischen Haushalte sind armutsgefährdet. Der Bundesschnitt liegt bei 14 Prozent. Die Armutsgefährdung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 24 Jahre ist mit 11 Prozent auf dem niedrigsten Niveau, der bundesweite Schnitt liegt bei 17 Prozent.  "In Wien sind es sogar 30 Prozent“, betonte Ebner.

Mittleres Einkommen und ein Leben im Eigentum

Zudem fallen 80 Prozent der niederösterreichischen Haushalte laut Studie in die mittlere Einkommenskategorie. „10 Prozent der niederösterreichischen Haushalte sind armutsgefährdet, das ist der niedrigste Wert unter den neun Bundesländern – der Bundesschnitt liegt bei 14 Prozent. Die Armutsgefährdung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 24 Jahre ist mit 11 Prozent auf dem niedrigsten Niveau, der bundesweite Schnitt liegt bei 17 Prozent – in Wien sind es sogar 30 Prozent“, führte Ebner aus.

Zur besseren Vergleichbarkeit rechnen Statistiker mit sogenannten "äquivalisierten Haushaltseinkommen". "Auch hier ist Niederösterreich mit einem errechneten durchschnittlichen Haushaltseinkommen in Höhe von 29.433 Euro an der Spitze im Bundesländervergleich – 1.436 Euro mehr als der Bundesschnitt in Höhe von 27.997 Euro", erklärte Ebner.

Die Haushaltseinkommen in Niederösterreich seien auch gleichmäßig verteilt. Unterschieden  wird in drei Einkommenskategorien: Niedrige Einkommen (60 Prozent des Durchschnitteinkommens) mittlere Einkommen (mehr als 60 bis 180 Prozent des Durchschnitts) und hohe Einkommen (mehr als 180 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens)  "80 Prozent aller blau-gelben Haushalte fallen in die mittlere Kategorie, 10 Prozent in die niedrige und 10 Prozent in die hohe“, betonte der Landesgeschäftsführer, der auch darauf verwies: "Wohnungs- und Hauseigentum ist nicht nur Sicherheit und Vorsorge, sondern sorgt auch dafür, dass unsere Landsleute besonders wenig für Wohnen im Vergleich mit anderen Bundesländern ausgeben müssen."

Er belegte das wiederum mit Zahlen. „71 Prozent aller Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher leben im Eigentum – ein Prozent weniger als im Burgenland, aber deutlich vor dem Bundesschnitt in Höhe von 56 Prozent", so Ebner.

Im Schnitt gebe ein niederösterreichischer Haushalt 3.484 Euro für Wohnen pro Jahr aus – das sei ein Wohnkostenanteil von 15 Prozent am Einkommen. Ein österreichischer Haushalt wendet im Durchschnitt 3.899 Euro bzw. 18 Prozent des Einkommens für Wohnen auf, in Wien sind es 25 Prozent. Für 4 Prozent nimmt der Wohnkostenanteil in Niederösterreich mehr als 40 Prozent des Einkommens in Anspruch. "Im Bundesschnitt sind das 7 Prozent, in Wien 13 Prozent aller Haushalte“, so Ebner