Papstbesuch: Freudentag für die „Sonnenschein-Kinder“. Für eine Delegation aus Niederösterreich mit acht autistischen Kindern vom Autismuszentrum „Sonnenschein“ in St. Pölten ging mit der Audienz bei Papst Franziskus ein Traum in Erfüllung.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 22. September 2020 (08:11)

Es war ein lang ersehnter Traum, der für acht Kinder des St. Pöltner Autismuszentrums „Sonnenschein“ am Montag in Erfüllung ging. Sie durften bei einer Privataudienz im Vatikan Papst Franziskus persönlich treffen. Um den Kindern diesen Wunsch zu ermöglichen, wurde die Reise über ein Jahr lang vorbereitet und jetzt unter strengsten Covid-19-Maßnahmen durchgeführt.

"Wir wollten den autistischen Kindern diesen Traum unbedingt erfüllen“, sagte Johanna Mikl-Leitner. „Der schönste Moment dabei war, als ich die leuchtenden Augen der Kinder bei der Segnung von Papst Franziskus gesehen habe“, war die Landeshauptfrau nach ihrem ersten Treffen mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche überwältigt.

Bischof Alois Schwarz, der gemeinsam mit Mikl-Leitner und Landesrat Martin Eichtiger die Delegation anführte, sprach von einer „unheimlichen Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit“ des Heiligen Vaters den Kindern gegenüber.

Mit diesem alten Ford Focus wurde der Papst zum Treffen mit der NÖ-Delegation gefahren.
Landesrat Martin Eichtinger

Fasziniert war die Gruppe aus NÖ auch von der Bescheidenheit des Papstes., der mit einem in die Jahre gekommenen Ford Focus zum Termin chauffiert wurde. 

Franziskus dankte für die schöne Initiative

Papst Franziskus betonte in seiner Ansprache, wie sehr ihm der Name der Institution gefalle: „Denn Euer Haus ist wie eine großartige blühende Wiese im Sonnenschein. Und die Blumen dieses Hauses ‚Sonnenschein‘ seid Ihr.“ 

Und weiter: „Gott hat die Welt mit einer großen Vielfalt von Blumen in allen Farben geschaffen. Jede Blume ist schön und ist einmalig. So ist auch jeder von uns vor den Augen Gottes schön und er liebt uns. Damit entsteht das Bedürfnis Gott zu sagen: Danke! Danke für das Geschenk des Lebens und danke für alle Lebewesen. Danke für Mutter und Vater, danke an all unseren Familien", sagte der Papst, der sich auch für die "schöne Initiative und für den Einsatz zugunsten der Kleinen" bedankte. 

In seinen abschließenden Worten auf Deutsch bat der Heilige Vater die Anwesenden, für ihn zu beten.  

Viel Niederösterreich im Botschaftsgarten

Die Niederösterreicher kamen auch nicht mit leeren Händen nach Rom. Die „Sonnenschein-Kinder“ hatten selbstgemalte Bilder mitgebracht, die sie dem Kirchenoberhaupt überreichten. Niederösterreichs Landeshauptfrau wiederum brachte einen Weinstock mit nach Italien.

Im vatikanischen Garten wurde eine Weinrebe eines Grünen Veltliners aus NÖ gepflanzt, die von Landesrat Eichtinger, Landeshauptfrau Mikl-Leitner und Diözesanbischof Alois Schwarz übergeben wurde. „Der Grüne Veltliner ist die wichtigste autochthone Rebsorte in Österreich und ein kulinarisches Kulturgut Niederösterreichs. Mit der niederösterreichischen Weinrebe für den Vatikan wollen wir unsere Verbundenheit ausdrücken und zugleich eine Tradition fortführen. Wir sind sehr stolz, dass ein Stück Niederösterreich in den vatikanischen Gärten wächst“, so Landesrat Martin Eichtinger.
NLK PFEIFFER

Der Grüne Veltliner wurde im vatikanischen Garten eingesetzt. Passend dazu war am ersten Tag der Rom-Reise die österreichische Botschaft beim Heiligen Stuhl mit der „Natur im Garten“-Plakette ausgezeichnet worden. Auch ein Schaubeet mit Pflanzen aus Niederösterreich ziert nun den Botschaftsgarten. 

Österreichs Botschaft am Heiligen Stuhl wurde mit der „Natur im Garten“-Plakette ausgezeichnet. Auch ein Hochbeet mit Pflanzen aus Niederösterreich wurde übergeben.
NLK PFEIFFER

Damit wird die nachhaltige Bewirtschaftung des Gartens im Sinne der Papst-Enzyklika „Laudato Si“ hervorgehoben. Ein Erfahrungsaustausch mit dem für die Umsetzung des Umwelt- und Klimaschutzprogramms der Kirche verantwortlichen Kurienkardinal Peter Turkson rundete das Programm ab.

Im Mittelpunkt aber standen die Kinder aus dem Autismuszentrum Sonnenschein, die jeweils von einem Elternteil begleitet wurden. Einige von ihnen waren zum ersten Mal mit dem Flugzeug geflogen, um den Heiligen Vater persönlich zu treffen. Dementsprechend groß war die Aufregung vor dem „unvergesslichen Erlebnis“. So richtig lebendig machte die Audienz der Auftritt der vierjährigen Marie aus Pressbaum, die während der Feststunde vor dem Papst herumtanzte, was dieser völlig locker nahm. Denn es sind Entwicklungsstörungen wie diese, mit denen Autismus-Kinder zu kämpfen haben. 

Ein Leuchtturmprojekt in Österreich 

Die Krankheit rechtzeitig zu erkennen, zu therapieren und auch den Eltern den richtigen Umgang damit zu lernen, das sind die zentralen Aufgaben des sozialpädiatrischen Zentrums, das seit 1995 besteht. Heuer wurde das Autismuszentrum als „Leuchtturmprojekt“ in St. Pölten neu eröffnet. Finanziert von Land NÖ und der österreichischen Gesundheitskasse, ist es eine der wenigen Einrichtungen in Österreich, die – für die Eltern völlig kostenlos – adäquate Therapie und Diagnostik anbietet. Es haben schon Familien eigens ihren Wohnsitz in die NÖ-Landeshauptstadt verlegt, um ihren Kindern diese Betreuung zu ermöglichen.

„Es freut mich sehr, dass die Arbeit unserer 40 Mitarbeiter für die 2.000 Patienten jährlich jetzt so viel Beachtung findet“, freute sich Geschäftsführerin Sonja Gobara. Für sie ist gewiss, dass im Autismuszentrum nach der Papst-Audienz nun noch etwas mehr die Sonne scheint.