Patientenanwalt: „Würde mich mit AstraZeneca impfen“. Weiter gewartet wird auf das Ergebnis der Obduktion der Zwettler Krankenpflegerin, die wenige Tage nach ihrer Corona-Impfung verstarb. Selbst wenn sich ein Zusammenhang zwischen der Impfung und ihrem Tod zeigt, überwiegt der Nutzen des Präparates das Risiko, sagt Patientenanwalt Gerald Bachinger.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 18. März 2021 (09:16)
Gerald Bachinger
NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft

„Ich mache diesen Job jetzt seit über 20 Jahren und ich habe noch nie eine Diskussion erlebt, die so irrational geführt worden ist“, sagt Patientenanwalt Gerald Bachinger. Er spricht damit die Debatte rund um den AstraZeneca-Impfstoff an, die nach dem Todesfall der Zwettler Krankenpflegerin in zeitlicher Nähe zur Corona-Impfung entfacht ist.

Die 49-Jährige verstarb, wie berichtet, an einer Blutgerinnungsstörung. Ob ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung besteht, wird noch überprüft. Einige europäische Länder setzten daher – und aufgrund weniger ähnlicher Fälle – vorübergehend die Impfung mit AstraZeneca aus. In der Bevölkerung herrscht seither große Verunsicherung. „Das merken wir auch an unseren Anfragen“, bestätigt Bachinger.

Dass Österreich dennoch an dem Vakzin festhält, ist für den Patientenanwalt „das einzig Richtige“. Wissenschaftlicher Grundsatz sei es, die Meinung zu ändern, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Die gibt es zum AstraZeneca-Impfstoff bisher aber nicht.

Bei Überprüfung in Zwettl war alles "einwandfrei"

Davon, dass vor Ort im Zwettler Krankenhaus alles „einwandfrei“ verlaufen ist, hat sich Bachinger direkt nach Bekanntwerden des Falles selbst überzeugt. „Als Patientenanwaltschaft brauchen wir keinen konkreten, individuellen Beschwerdefall. Den gab es zu Zwettl auch nicht. Es ist auch unsere Aufgabe dann aktiv zu werden, wenn es Defizite im Gesundheitswesen geben könnte“, erklärt er.

Das Krankenhaus und die dort durchgeführten Impfungen wurden deshalb direkt nach Bekanntwerden des Todesfalls überprüft. „Das habe ich gemeinsam mit der Landessanitätsdirektion gemacht“, erzählt Bachinger und betont, dass in dem Spital alles „lehrbuchhaft“ gewesen sei. Von der Anlieferung der Vakzine bis zur Verimpfung sei alles lückenlos dokumentiert gewesen. Dass beim Impfvorgang selbst ein Fehler gemacht worden ist, ist deshalb bereits ausgeschlossen.

Noch nicht geklärt ist jedoch weiterhin, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und dem Tod der Niederösterreicherin gibt. Das zu überprüfen ist Sache der AGES. Das Wiener AKH führt dazu eine Obduktion durch. Das Ergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet, wie der NÖN heute erneut aus dem AKH bestätigt wurde.

Selbst, wenn dabei ein Zusammenhang festgestellt wird, ändert das für Bachinger nichts an der Qualität des Impfstoffes. „Man kann nicht ausschließen, dass es einen Zusammenhang gibt. Selbst wenn es so ist, dass der Impfstoff in ganz, ganz geringen Fällen Gerinnungsstörungen auslösen kann, ist das aber kein Grund die Impfung zu verweigern. Der Nutzen überwiegt weiterhin klar ihr Risiko.“ In den Beipackzettel der Impfung würde dann voraussichtlich nur ein Warnhinweis aufgenommen werden.

"Mit rationalen Argumenten hat man keine Chance"

Mit derartigen Erklärungen oder wissenschaftlichen Studien zu ähnlichen Fällen bei anderen Impfstoffen zu argumentieren, sei momentan aber nicht möglich, stellt Bachinger fest. „Mit rationalen Argumenten hat man keine Chance mehr. Das merke ich gar nicht so sehr bei Patienten, sondern in der allgemeinen Bevölkerung. Momentan herrscht nur Emotion.“

Das mache auch ihn ratlos. Als einzigen Weg sieht er dabei eine ebenso emotionale Antwort: „Ich sage den Menschen, dass ich mich selbst sofort mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen würde. Auch meine sechs Kinder.“ Und er verweist darauf, dass es wissenschaftliche Standards gibt und evidenzbasierte Medizin.

Zur Person: Gerald Bachinger (60) leitet die NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft unabhängig und weisungsfrei. Er ist Jurist, Sprecher der ARGE der Patientenanwälte Österreichs und hat Lehraufträge an der Medizinischen Universität Wien sowie der Donau-Universität Krems.