Situation in Spitälern und Pflegezentren „dramatisch“. Ärzte und Pflegekräfte arbeiten in niederösterreichischen Gesundheits- und Pflegezentren am Limit. 273 niederösterreichische Spitalsarbeiter sind Covid-19 positiv. Das Land NÖ will jetzt auf pensionierte Mitarbeiter zurückgreifen.

Von Norbert Oberndorfer und Martin Gruber-Dorninger. Update am 17. November 2020 (15:52)
In NÖ werden 582 Covid-19-Patienten auf Normal- und 79 auf Intensivstationen betreut. Die medizinische Personalsituation ist angespannt.
APA/Salk

273 Spitalsmitarbeiter der NÖ-Landeskliniken wurden positiv auf Covid-19 getestet, und fallen dadurch aus. Auch in NÖ Pflegezentren wie in Schrems sind 13 Pflegekräfte Covid-19-positiv. Und im Universitätsklinikum St. Pölten spitzt sich die Personalsituation immer mehr zu: Die physische und psychische Arbeitsbelastung wird erdrückender. Ein medizinischer Personalnotstand droht im Land.

„Das ist bald nicht mehr lustig“, fasst Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schrefl die Situation am UK St. Pölten zusammen. In den Zwölf-Stunden-Schichten wird die FFP2-Maske nur selten abgenommen. Die Schutzausrüstung muss ebenfalls genau sitzen. „Die Leute schwitzen darunter schon enorm. Das ist beinharte Arbeit, die das Pflegepersonal auf der Intensivstation leisten muss, und das mit eingeschränkter Atmung“, sagt Schrefl.

Für ihn sei das St. Pöltner Spital bald an der Kapazitätsgrenze angelangt. „Wenn die Infektionszahlen nicht bald zurückgehen, sehe ich schwarz.“ Das Problem sei nicht, ein Intensivbett aufzustellen, sondern der entscheidende Faktor sei hier auch das Personal, das genau geschult sein muss. Die Personaldecke wurde in den vergangenen Jahren etwas ausgedünnt, und das würde jetzt in der Krisensituation zu Problemen führen, so Schrefl.

"Brauchen spürbare Entlastungen für die Kollegenschaft"

Auch Peter Maschat, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats der NÖ-Gesundheits- und Pflegezentren, sieht das Universitätsklinikum als größtes Klinikum und Zentralkrankenhaus aufgrund des enormen Leistungsspektrums besonders betroffen. „Wir brauchen spürbare Entlastungen für die Kollegenschaft, wir brauchen zusätzliche Arbeitskräfte im Bereich der Ärzte und Pflege“, schlägt Maschat in dieselbe Kerbe wie Schrefl. Die angespannte Personalsituation im Klinikum in St. Pölten ist kein Einzelfall: Die Lage sei in allen Landes- und Universitätskliniken „sehr angespannt“, sagt Maschat.

Nach der ersten Covid-Welle im Frühjahr habe das medizinische Personal mit „ungeheurem Engagement“ und „Können“ Personalausfälle kompensiert und so das „Gesundheitssystem am Laufen gehalten“. Im Sommer, nach Verbesserung der Infektionssituation, wurden im Normalbetrieb die im ersten Lockdown verschobenen Planoperationen mit „Zusatzleistungen“ und „zusätzlichen Überstunden“ aufgeholt. Es habe für das medizinische Personal „keine Verschnaufpause“ gegeben, sagt Maschat.

NÖ greift auf ehemalige Mitarbeiter zurück

Mitten in der zweiten Welle erreicht das Personal „immer schneller und häufiger seine Leistungsgrenzen. Die Situation ist dramatisch“, sagt Maschat. Für ihn stehe fest: „Bevor wir an Kapazitätsgrenzen bei Pflege- und Intensivbetten stoßen, sind uns die Pflegekräfte und Ärzte ausgegangen“, warnt Maschat.

Nach Wien will jetzt auch NÖ auf ehemalige Mitarbeiter zurückgreifen, wenn vermehrt Beschäftigte kurzfristig ausfallen. Es bestehe bereits ein Pool an ehemaligen Mitarbeitern, Ärzten und Pflegekräften, die sich freiwillig gemeldet haben, um im Ernstfall Dienste zu übernehmen.