Entwicklungen Gemeinden: Impulse für die Zukunft. Künftige Entwicklungen auf Gemeindeebene waren Inhalt des Kommunalwirtschaftsforums.

Von Teresa Sturm und Anita Kiefer. Erstellt am 02. April 2019 (03:00)
Shutterstock; Gabor Lajos; one AND only

Lokale Antworten für globale Herausforderungen. Die sollten gefunden werden – und zwar beim alljährlich stattfindenden „Kommunalwirtschaftsforum 2019“. Heuer sind Bürgermeister, Entscheidungsträger aus Stadt- und Gemeindeverwaltung und Unternehmer in der FH St. Pölten zusammengekommen. Ein Überblick über die wichtigsten Themen.

„Was die Gesundheitsversorgung und Unterstützung alter Menschen betrifft, haben wir Nachholbedarf.“ Petra Ganaus, Studiengangsleiterin FH St. Pölten Regionalentwicklung

Dabei geht es in erster Linie um Wirtschaftskooperationen und die Chancen, die sich daraus ergeben. Dazu haben einige Bürgermeister aus der Praxis erzählt. In NÖ sind 91 Gemeinden an einer Standortkooperation beteiligt. Die Standortkonkurrenz innerhalb der Region soll so gemildert werden. Durch die finanzielle Ressourcen- und Risikoteilung soll aber auch eine professionelle Standortentwicklung ermöglicht werden. Im Marchfeld etwa haben acht Gemeinden den Gemeindeverband Wirtschaftskooperation Marchfeld gegründet.

Digitalisierung

Gemeinden haben durch die Digitalisierung die Möglichkeit, bürgerfreundlicher zu werden. So weit die Theorie von Karl-Heinz Land, Experte für Digitale Transformation. Der Bürger habe durch digitale Interaktion das Gefühl, er könne etwas sagen, sagt Land und gibt ein Beispiel aus Deutschland, das bereits umgesetzt wird: „Wenn eine Lampe defekt ist, schickt der Bürger ein Foto davon an die Stadt Köln.“ Über das Geodateninformationsservice ist klar, wo sich die Lampe befindet, und sie wird innerhalb weniger Tage repariert.

Intensiv wurde beim Forum der Breitband-Ausbau besprochen. In Niederösterreich ist der Ausbau schwierig, da es ein Flächenbundesland mit stark ländlichen Strukturen ist, erklärt Hartwig Tauber von der Niederösterreichischen Glasfaserinfrastrukturgesellschaft (nöGIG). Bis Mitte 2019 sollen 35.000 Haushalte und Betriebe in den Pilotregionen an das Glasfasernetz angeschlossen sein.

Pflege

Die Menschen werden glücklicherweise älter. Das bedeutet aber auch eines: Die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt – und daher braucht es neue Pflege- und Betreuungskonzepte. „Gerade was die Gesundheitsversorgung und Unterstützung alter Menschen betrifft, haben wir Nachholbedarf“, so Petra Ganaus, Leiterin des Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der FH St. Pölten. Vorbild können hier nordische Länder sein. „Ein Konzept wäre jenes der Community Nurse“, sagt Ganaus. Eine Kraft aus der Pflege also, die für mehrere Gemeinden zuständig ist, die Menschen kennt und eine Ergänzung zur Medizin darstellt – ein Hausarzt der Pflege sozusagen.

Auch im Bereich Pflege wird übrigens die Digitalisierung eine Rolle spielen. „Sie könnte so eingesetzt werden, dass die Menschen erinnert werden, dass sie ihre Medikamente nehmen oder Blutdruck messen müssen“, sagt Ganaus.

Energie

Vor großen Herausforderungen steht ein Flächenbundesland wie Niederösterreich, wenn es um die Energieversorgung geht. Smarte Beleuchtung im Sinne von selbstregulierenden Lampen wird bereits getestet. Eine flächendeckende Ausrollung auf ganz Niederösterreich ist hier allerdings Zukunftsmusik – die Investitionen sind nicht wirtschaftlich. Die reine Umstellung auf LED-Lampen birgt aber bereits ein Einsparpotenzial von bis zu 45 Prozent.

Auch hier spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle: Für den Ausbau des superschnellen 5G-Internets werde überlegt, das Netz der Straßenbeleuchtung zu verwenden, sagt Rudolf Gruber, Leiter Lichtservice bei der EVN. „Es gibt 60 Millionen Lichtpunkte in Europa. Das ist die Infrastruktur, die in Europa gleichmäßig auftaucht.“

Gemeinde als Arbeitgeber

Großes Problem der Gemeinden ist hier der Fachkräftemangel. Und die Frage, wie Arbeitskräfte an die Gemeinden gebunden werden können. Bernhard Scharmer, Amtsleiter in Telfs, sagt: Es brauche eine gesunde Work-Life-Balance.

„Wir wollen weg vom Amtsschimmel. Man muss Home Office ermöglichen.“ Für die Mitarbeiterzufriedenheit und den Erfolg einer Gemeinde sei außerdem interne Kommunikation wichtig, so Herbert Thumpser, Bürgermeister von Traisen. Aber das würde Geld kosten und viele Entscheidungsträger in Gemeinden würden nicht den Wert sehen, den sie aus guter Kommunikation schöpfen können. Scharmer: „Red’s miteinand.“