Strolz empfiehlt Meinl-Reisinger als NEOS-Chefin. Der scheidende NEOS-Chef Matthias Strolz hat vor den Gremien am Mittwoch eine "persönliche Empfehlung" für Beate Meinl-Reisinger als Nachfolgerin abgegeben. "Ja, sie ist meine Favoritin", sagte Strolz Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten. "Ich habe das klare Bild, dass sie die größte Kraft hat, die Nachfolge optimal anzugehen", so Strolz. "Wenn sie aufsteht, werde ich das großartig finden."

Von Redaktion APA. Erstellt am 08. Mai 2018 (18:48)
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Wer folgt Matthias Strolz nach?

Strolz räumte im Gespräch mit Journalisten zwar ein, dass es zwischen ihm und Meinl-Reisinger durchaus auch immer wieder "Reibung" gegeben habe - "ich kann berichten, dass die schon ihre Frau steht". Gleichzeitig lobte er seine Favoritin für seine Nachfolge an der Partei- und Klubspitze in höchsten Tönen: "Ich find' sie großartig."

Meinl-Reisinger sei eine "großartige Kommunikatorin" und habe als Wiener NEOS-Chefin auch bewiesen, dass sie eine Organisation zum Wachstum bringen könne. Die 40-Jährige sei ein "politischer Kopf durch und durch" und "ein Stachel im Fleisch - kann ich aus eigener Erfahrung berichten", sieht Strolz optimale Voraussetzungen für die Leitung der Oppositionspartei.

Die Rolle des "Oppositionsführers" werde seine Nachfolge mindestens so gut machen wie er, gab sich Strolz überzeugt. Seine Person allein sei nicht NEOS, er könnte sofort zehn ministrable Persönlichkeiten bei den NEOS nennen, und diese sollten nun vermehrt in den Vordergrund treten, sah er durch seinen am Montag überraschend angekündigten Rückzug kein großes Problem für die Partei. Die NEOS sollten nach der Aufbauphase nicht in die "Gründerfalle" tappen, weil etwa das Ego des Gründers zu groß werde, zählte Strolz mehrere Beispiele aus der Wirtschaft auf. "Irgendwann ist die Start-Up-Phase vorbei", es brauche einen Übergang in die nächste Phase, und "ich hab nicht vor, das zu vergeigen".

In den nächsten Wochen werde es schon noch ein paar interne Reibungen geben, erwartet Strolz, aber eine lebendige Partei brauche das auch, denn sonst sei das eine "Todesanzeige". Er habe das Gefühl, dass die Mitarbeiter auch motiviert seien für Neues. Einmal mehr meinte er, die NEOS hätten das Potenzial für 20 Prozent, in einem Zeitraum bis 2030.

Zu seinen Beweggründen für seinen anstehenden Rückzug habe er alles gesagt, was zu sagen war. Er sei "zutiefst überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist". Einmal mehr bekräftigte Strolz, dass keine interne Streiterei, keine Krankheit, kein neues Kind oder auch keine "Me Too-Affäre" hinter seinem Rücktritt stehe. Es schwirrten Gerüchte umher, etwa "Strolz wurde schmusend gesehen am Amsterdamer Flughafen", erzählte Strolz. "Das Gerücht stimmt - das war meine Frau", fügte er aber sogleich hinzu. Gewisse "Abnutzungserscheinungen" aufgrund des Alltags in der Spitzenpolitik räumte der scheidende Parteichef aber durchaus ein.

Mit Anfang des Jahres habe er jedenfalls "zunehmende Klarheit gewonnen", dass er 2018 die Übergabe angehen wolle. Die Stimmung in ihm habe sich über Monate aufgebaut, erklärte Strolz. Es sei ihm klar gewesen, dass er nicht vor der Salzburger Landtagswahl (dem letzten Urnengang heuer) gehen werde, aber zu einem Zeitpunkt, dass der Wechsel noch fristgemäß vor dem Sommer stattfinden kann.

Die Übergabe sei geordnet, betonte Strolz einmal mehr. Er habe auch mit dem Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) telefoniert, der ja gerade an einer Koalition mit Grünen und NEOS bastelt. Er habe Haslauer versichert, dass man trotz der Situation auch ausreichend Kapazitäten für die Regierungsverhandlungen habe, sagte Strolz.

Dass er sein Mandat behält und einfach leiser tritt, war für den Parteigründer keine Option: "Zum Hinterbänkler taug' ich nicht." Er werde sich nicht völlig abnabeln, sondern der Organisation verbunden bleiben. Zu seiner "politischen Schwiegermutter", LIF-Gründerin Heide Schmidt, habe er gesagt: "Ich setz' mich jetzt neben dich auf die Ahnengalerie." Seine berufliche Zukunft ließ Strolz weiter offen, vor Jahresende wolle er keine Vollzeitbeschäftigung. Eventuell werde er auch erst nächstes Frühjahr entscheiden. Er freue sich nun jedenfalls über mehr Zeit für seine Familie.

Mittwochfrüh tagt der erweiterte NEOS-Vorstand, um sich mit der Nachfolge des Parteichefs auseinanderzusetzen. Formal wird der neue Parteichef von der Mitgliederversammlung am 23. und 24. Juni gewählt, bewerben kann sich bis 9. Juni theoretisch jeder. Die Kandidaten müssen sich dann einem Onlinedialog stellen, bei dem ihnen die Mitglieder Fragen stellen können. Meinl-Reisinger galt von Anfang an als logische Nachfolgerin von Strolz.

Sie ist auch Favoritin für das Mandat von Strolz im Nationalrat, wenn dieser im Herbst das Parlament verlässt. Generalsekretär Nikola Donig betonte am Dienstag neuerlich, dass Partei- und Klubführung in einer Hand bleiben sollen. Damit käme der ebenfalls als möglicher Kandidat genannte Medienmanager und NEOS-Mitbegründer Veit Dengler als neuer Parteichef nicht infrage. Als dritter Kandidat wird der stellvertretende Klubobmann Nikolaus Scherak genannt. Der Klubobmann bzw. -frau wird vom Klub gewählt.