Pop-DJ statt Polit-Bühne. Am 17. Jänner jährt sich der Tag, dass Erwin Pröll seinen Rücktritt als Landeshauptmann bekannt gegeben hat. Seither ist es für ihn ruhiger geworden, wenn auch nicht viel.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 16. Januar 2018 (01:55)
Auf der Polit-Bühne wie beim VP-Wahlauftakt in Tulln ist Erwin Pröll nur mehr selten zu sehen.
VP

NÖN: Es ist schon wieder ein Jahr her, dass Sie Ihren Rücktritt bekannt gegeben haben. Ist die Zeit seither gefühlt langsamer vergangen als in Ihrer Polit-Ära?

Erwin Pröll: Nein, es ist erstaunlich, wie schnell das Jahr vergangen ist. In diesem Jahr ist wirklich viel passiert. Langweilig war es keine Sekunde.

Haben Sie den Zeitpunkt des Rücktritts jemals bereut oder hatten Sie irgendwann das Gefühl, noch gerne politisch tätig zu sein?

Pröll: Dieses Gefühl hatte ich kein einziges Mal. Der Zeitpunkt der Übergabe war richtig. Und ich bin glücklich und dankbar, dass die Art der Übergabe so harmonisch über die Bühne gegangen ist. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigen ja andere Beispiele. Jedenfalls macht es mir große Freude, wenn ich sehe, wie gut es unter Johanna Mikl-Leitner weitergeht.

Gibt es noch privaten Kontakt mit ehemaligen Polit-Kollegen?

Pröll: Ich treffe immer wieder meine früheren Kolleginnen und Kollegen. Mit meinem Rückzug bin ich ja nicht komplett verschwunden, sondern ich nehme ja noch immer am Leben in Niederösterreich teil. Besonders eng ist der Kontakt mit den früheren Landeshauptmann-Kollegen Josef Pühringer, Hermann Schützenhöfer, Michael Häupl und Hans Niessl.

Es ist viel passiert in diesem Jahr. Sie sind nun Aufsichtsratsvorsitzender der Kulturregion NÖ, Schirmherr des Masterplans Ländlicher Raum, wurden zum Honorarkonsul von Slowenien ernannt, dazu noch privat der Unfall mit dem Fahrrad und seit Jänner sind Sie als Berater in einem sechsköpfigen „Weisenrat“ für den bulgarischen Minister-Präsidenten tätig. Konnte in dieser Zeit überhaupt so etwas wie „Ruhestand“ aufkommen?

Pröll: Es ist schon bedeutend ruhiger als früher, weil der permanente Termindruck weggefallen ist. Aber wie heißt’s so schön: Wer rastet, der rostet. Darum genieße ich jede dieser Tätigkeiten, die ich allesamt ehrenamtlich ausübe. Sie interessieren mich und sie machen mir Freude, vor allem die Vortragstätigkeit auf dem Gebiet der Kultur- und der Regionalpolitik.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Haben Sie nach dem Fahrradunfall schon wieder Runden mit dem Rad gedreht?

Pröll: Bis zu meinem Unfall war ich super unterwegs, ich hatte rund 3.000 Fahrrad-Kilometer in den Beinen. Nach dem Unfall musste ich natürlich einige Wochen pausieren. Mittlerweile bin ich aber wieder voll fit. Im Spätherbst bin ich auch schon wieder einige Kilometer geradelt. Jetzt sitze ich fleißig am Hometrainer.

Was ist sportlich 2018 geplant?

Pröll: Mein Ziel ist der Glockner. Dafür ist es erstmals nach vielen Jahren auch möglich, mit meinen Radfreunden Gunnar Prokop und Franz Stocher eine Trainingswoche auf Mallorca zu verbringen.

Die ÖVP in Niederösterreich führt erstmals seit 25 Jahren einen Wahlkampf ohne Erwin Pröll an der Spitze. Geht Ihnen etwas ab, oder genießen Sie es, nicht mehr dem Wahlkampfstress ausgesetzt zu sein?

Pröll: Keine Sorge, ich habe keine politischen Entzugserscheinungen. Auch wenn ich Wahlkämpfe gerne hatte und sie genossen habe – es ist gut und richtig so, wie es ist.

Haben Sie sich für 2018 etwas Besonderes vorgenommen?

Pröll: Ja, ich habe einen Ausflug nach München gebucht, um mit meiner 14-jährigen Enkeltochter Anna-Maria ein Konzert zu besuchen. Es war ihr großer Wunsch, zum Konzert des DJ’s und Popmusik-Produzenten Alan Walker zu gehen. Diesen Wunsch werde ich ihr erfüllen.