Braucht es mehr Plätze für Kleinkind-Betreuung?

Mehr Betreuung für Kinder unter drei Jahren soll die Eltern entlasten. Ist das zielführend für Eltern und Kind? Stimmt ab!

Erstellt am 06. Januar 2022 | 05:07
Lesezeit: 1 Min
Kinderbetreuung Symbolbild
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Foto: Africa Studio, Shutterstock.com

Pro: Monika Köppl-Turyna, Direktorin Eco Austria

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Monika Köppl-Turyna, Direktorin Eco Austria
Foto: Fotost. Weinwurrm

Österreich braucht mehr Investitionen in Elementarpädagogik. Denn der Ausbau hätte viele positive Effekte. Eine überwiegende Mehrheit der Literatur findet einen signifikant positiven Einfluss des Ausbaus der Elementarpädagogik-Einrichtungen und der Arbeitsmarktbeteiligung der Mütter. In Österreich würden etwa 4 von 10 Frauen arbeiten gehen, wenn ein Platz verfügbar wäre. Und sie generieren dadurch positive Rückflüsse in die Staatskassa, sodass sich der Ausbau bereits kurzfristig zu 70 Prozent selbst finanziert.

Die vorhandene Literatur findet auch positive Effekte auf die Kinder, vor allem auf lange Sicht. Es kommt im Erwachsenenalter zur besseren Partizipation am Arbeitsmarkt und zu einer niedrigeren Abhängigkeit von Sozialhilfe. Auch positive Effekte auf deren Gesundheit und eine niedrigere Kriminalitätsrate gehen mit einem hohen Maß an Kinderbetreuung einher. Ein Ausbau wäre daher wünschenswert.

Kontra: Sandra Haiderer, Artgerecht-Coach

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Sandra Haiderer, Artgerecht-Coach
Foto: privat

Evolutionär gesehen wurden Kinder immer auch von anderen Müttern gehütet, es waren aber nie Fremde. Aus pädiatrischer Sicht müssen Voraussetzungen gegeben sein, damit Fremdbetreuung nicht ungesund wird. Es gilt Bindung vor Bildung. Je kleiner das Kind, desto mehr Einfühlungsvermögen von allen Beteiligten, desto mehr Zeit für die Eingewöhnung und desto kürzer die Betreuungszeiten. Der Betreuungsschlüssel darf nicht höher als ein Erwachsener, der für junge Kinder ausgebildet ist, auf 4 Kinder sein.

Die beste Betreuung ist aber für das kleine Kind nicht das Gleiche wie zu Hause in der Familie, denn es hat auswärts erhöhte Cortisolspiegel. Stresssymptome wie Quengeligkeit, Abwehr, Wut, Weinen, Müdigkeit und chronische Erkältungen zeigen ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem, das längerfristig einen Umbau im Gehirn bewirkt. Um das Stresssystem zu regulieren, hilft nach der Betreuung viel Kontakt mit der primären Bezugsperson.

Pro & Kontra: Kleinkind-Betreuung

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