Ethik-Unterricht für alle Schüler einführen?. Ab Herbst gibt’s das Pflichtfach Ethik – in der Oberstufe, für jene, die Religionsunterricht nicht besuchen. Wie denkt ihr darüber? Sollte Ethik-Unterricht für alle Schüler eingeführt werden? Stimmt ab!

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 18. Juni 2021 (05:09)
Klassenzimmer Klasse Symbolbild
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Shutterstock/Rashevskyi Viacheslav

PRO: Petra Vorderwinkler, Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecherin der SPÖ

Petra Vorderwinkler
Petra Vorderwinkler
SPÖ

Wer bin ich, wo sind meine Grenzen und wo beginnen die des anderen? Wie gehe ich mit Gefühlen, Wut und Aggression um? Wie lösen wir Konflikte gewaltfrei und wie gehen wir insgesamt miteinander um? Diese Fragen soll ein Ethikunterricht behandeln und ein entsprechendes Wertebewusstsein vermitteln. Dass gerade Gewalt ein zentrales Thema unserer Gesellschaft ist, zeigt der traurige heurige Rekord an Frauenmorden.

Mit einem Ethikunterricht für alle kann präventiv ein Samen für eine friedlichere Gesellschaft von morgen gesät werden, statt später (oft zu spät) zu intervenieren. Er soll aus meiner Sicht nicht in Konkurrenz zum Religionsunterricht stehen, sondern für alle gelten. Die Bundesregierung sorgt leider für das exakte Gegenteil, indem sie den Ethikunterricht nur jenen ermöglicht, die sich aktiv gegen den Religionsunterricht entscheiden oder konfessionslos sind.

KONTRA: Armin Haiderer, Präsident der Katholischen Aktion St. Pölten und Religionslehrer

Armin Haiderer
Armin Haiderer
KA

Ich habe beobachtet, dass die Gegner des Religionsunterrichts meist von Religion selbst wenig Ahnung haben und ihre eigenen negativen Erfahrungen als Referenzwerte nehmen. Diese sind mitunter Jahrzehnte her. Tatsächlich sind die aktuellen Lehrpläne von Ethik und (katholischer) Religion zu 70 bis 80 Prozent deckungsgleich. Sinnfragen, Werte, Selbstreflexion, Toleranz – all das ist keine Eigenheit eines Ethikunterrichts, im Gegenteil: Guter Religionsunterricht vermittelt das schon lange.

Natürlich kann man sich etwa im Musikunterricht über Musik unterhalten, ohne dabei zu musizieren. Aber ist das sinnvoll? So wäre es mit „Ethik für alle“. Über Religion reden, aber ja nicht in die Tiefe gehen. Was für ein Verlust! Auch der so wichtige interreligiöse Dialog kann nur seriös sein, wenn es eine Rückbindung an die eigene Glaubensgemeinschaft gibt. Ich kann ja eine Fremdsprache auch nur mit einer Muttersprache im Hintergrund erlernen.

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