St. Pölten , Klosterneuburg

Update am 18. Januar 2017, 12:40

von Walter Fahrnberger und APA Red

Mikl-Leitner wird erste NÖ Landeshauptfrau. Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) soll Nachfolgerin von Erwin Pröll (ÖVP) als ÖVP-Landesparteichefin und damit auch Niederösterreichs erste Landeshauptfrau werden.

Johanna Mikl-Leitner und Erwin Pröll  |  APA/HELMUT FOHRINGER

Mikl-Leitner wird am 25. März beim ÖVP-Landesparteitag als Parteiobfrau kandidieren. Das gaben sie und der scheidende Landeshauptmann Erwin Pröll bei einer Pressekonferenz bekannt.

Er kenne Mikl-Leitner seit mehr als 25 Jahren, sagte Pröll. Sie sei eine erfahrene Politikerin, die ihre Qualitäten u.a. als Innenministerin - Stichwort: Flüchtlinge - bewiesen habe. Er sei über die Entscheidung des Landesparteivorstandes "sehr froh", betonte der scheidende Landeshauptmann. Pröll: "Ich bin mir sicher, dass Hanni zur Landeshauptfrau gewählt wird!" Offiziell übergeben werden soll das Amt in der ersten Aprilhälfte.

Mikl-Leitner: "Das sind große Fußstapfen"

Mikl-Leitner betonte: "Das sind natürlich große Fußstapfen. Aber ich habe das nötige politische Handwerkzeug. Ich werde mein politisches Netzwerk nutzen für Niederösterreich!"

Wer ihr als Landeshauptmannstellvertreterin nachfolgen wird, ist noch offen. Mikl-Leitner: "Eines nach dem anderen!"

Klaus Schneeberger, Johanna Mikl-Leitner, Erwin Pröll und Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner bei der Pressekonferenz nach einer Sitzung der niederösterreichischen ÖVP am Mittwoch.  |  APA/HELMUT FOHRINGER

Wichtiger Machtfaktor in der ÖVP

Die Talente der in Hollabrunn geborenen, studierten Wirtschaftspädagogin aus Großharras (Bezirk Mistelbach), die einst auch als Lehrerin an einer Handelsakademie arbeitete, erkannte man in der niederösterreichischen Volkspartei früh.

Der damalige Landesparteisekretär Ernst Strasser engagierte sie als Marketingleiterin, wirklich auffallen konnte sie erstmals mit der Organisation der "Initiative für Erwin Pröll" bei der Landtagswahl 1993. Fünf Jahre später überantwortete ihr der Landeshauptmann die Geschäftsführung der Landespartei.

Johanna Mikl-Leitner und Erwin Pröll  |  APA/HERBERT PFARRHOFER

Seither ist Mikl-Leitner aus dem Machtzirkel der niederösterreichischen Schwarzen nicht mehr wegzudenken. Nach einem kurzen Intermezzo im Nationalrat holte Pröll sie 2003 zurück in die Heimat, wo sie als Landesrätin unter anderem für Europa- und Familienagenden sowie für Soziales zuständig war.

Ein erster Schritt in den Bund war der Posten der Vize-Parteiobfrau unter Josef Pröll. Als der damals neue ÖVP-Chef Michael Spindelegger sie 2011 ins Innenministerium rief, war Mikl-Leitner für Wien bereit.

Den ÖAAB übernahm sie fast gleichzeitig und wurde so zum wichtigen Machtfaktor in der Partei, stets bedingungslos loyal sowohl zu ihrem Landeshauptmann, aber auch zu ihrem jeweiligen Parteichef. Mikl-Leitner galt auch als wichtige Stütze von Sebastian Kurz in dessen ersten Wochen im Integrationsstaatssekretariat.

Größte Herausforderung: Bewältigung der Asylkrise

Ihr vielleicht politischer größter Erfolg in der Bundespolitik war die Volksbefragung zur Wehrpflicht, für deren Erhalt sie die ÖVP an die vorderste Front schickte. Ihre schwierigste Aufgabe war die Bewältigung der Asylkrise.

Waren die Monate davor noch vom Ringen mit den Ländern um Quartierplätze und teils unschönen Bildern in Traiskirchen geprägt, war man ab September 2015 im Dauerkrisen-Modus. Dass sie dabei nicht immer die allerbeste Figur machte, lag auch daran, dass sie lange Zeit selbst die Regierungsspitze im Regen stehen ließ.

"Heimkehr" nach Niederösterreich Anfang 2016

Als Pröll sie Anfang des Vorjahres politisch heim nach Niederösterreich lotste, Wohnort war ohnehin stets Klosterneuburg geblieben, war das für Mikl-Leitner nach Monaten der Dauerkrise wohl wie ein Erholungsurlaub. Der wird nun lange dauern. Denn wie von Anfang an erwartet, hat Pröll sie nach einem knappen Jahr "Landeshauptfrau-Lehre" als seine Nachfolgerin durchgesetzt.

Pröll und Mikl-Leitner  |  NOEN, HERBERT NEUBAUER (APA)

In Sachen Volksnähe und Leutseligkeit kann Mikl-Leitner locker mit Pröll Schritt halten. Ganz im Kontrast zu ihrem harten Image als Innenministerin ist die verheiratete Mutter von zwei Töchtern, die mit einer Zwillingsschwester aufwuchs, im persönlichen Umgang ausnehmend fröhlich und zugänglich.

Als Chefin ist Mikl-Leitner jedenfalls beliebt. Im Innenministerium seufzt man ihr auch ein Jahr nach ihrem Wechsel zurück nach Niederösterreich noch hinterher. Ihr Macher-Image hat sie sich nicht erst dort geholt. Als Landesgeschäftsführerin der niederösterreichischen Volkspartei zeichnete sie für diverse Wahlerfolge Prölls verantwortlich und ebnete sich damit auch den Weg für größere Aufgaben...