Klima-Aktivisten campen vor dem Landhaus

Aktualisiert am 23. Jänner 2023 | 19:01
Lesezeit: 4 Min
„Fridays for Future“-Mitglieder haben im politischen Zentrum Niederösterreichs ihre Zelte aufgeschlagen, um die Entscheidungsträger zum „radikalen Kurswechsel“ in der Klima-Politik zu bewegen.
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„Landtagswahl ist Klimawahl“: Das steht groß auf einem Transparent vor dem Landtagsschiff. Daneben haben Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten von Fridays for Future auf Holz-Paletten und Heuballen ihre Zelte aufgeschlagen. Sie campen seit Sonntag-Vormittag vor dem Landhaus, damit die Entscheidungsträger bis zur Wahl am kommenden Sonntag an ihren Forderungen ganz sicher nicht mehr vorbeikommen. „Wir wollen den Politikerinnen und Politikern klarmachen, dass es einen radikalen Kurswechsel in der Klimapolitik in Niederösterreich braucht“, sagt Organisatorin Johanna Frühwald von Fridays for Future NÖ.

Jedes Jahr 100 neue Windräder, dafür keine neuen Straßen mehr

Für die aktuelle Klima-Politik in NÖ findet die Studentin deutliche Worte: „Die bisherigen Landesregierungen haben versagt. In den letzten 30 Jahren wurden die Treibhausgas-Emissionen um nur 4 Prozent reduziert. Die nächste Landesregierung muss die Anstrengungen der letzten 30 Jahre jedes Jahr umsetzen, um die Klimaneutralität 2040 zu erreichen." In Gesprächen mit der Landeshauptfrau und den anderen Regierungsmitgliedern seien Maßnahmen wie ein Fracking-Verbot oder die Einführung eines Klima-Budgets bisher immer abgelehnt worden, betonen auch andere Aktivisten. An die nächste Regierung haben sie schon eine Reihe von Forderungen gestellt, bevor sie überhaupt noch gewählt wurde: Die Klimaschützer, die von Global 2000 oder den "Scientists for Future" unterstützt werden, wollen, dass in Niederösterreich jedes Jahr 100 neue Windräder gebaut werden, Straßenbauprojekte soll es hingegen keine mehr geben, ebenso wenig wie neue Gasbohrungen. „Das alles unter dem übergeordneten Ziel, dass wir die Treibhausgas-Emissionen senken müssen“, erklärt Frühwald.

Aktivisten campen noch bis Ende der Woche

Ausharren wollen die Klimaschützer trotz der winterlichen Temperaturen und des Schnees noch bis Freitag in den Zelten im Regierungsviertel. „Wir haben Schlafsäcke für bis zu minus 40 Grad“, sagt Frühwald, die sich in eine Skihose und einen dicken Wintermantel gepackt sowie einen Schal gehüllt hat.

Mit Essen versorgen sich die Aktivistinnen und Aktivisten in einem eigenen Zelt, Strom bekommen sie aus Akkus. Auch ein Ö-Klo wurde vor dem Landtag aufgebaut.

Tatenlos herumsitzen wollen die jungen Menschen in ihren Zelten aber nicht. Deshalb sind im „Protest-Camp“ auch Workshops und Kundgebungen geplant, zu denen auch alle interessierten Menschen aus der Bevölkerung kommen werden. Für Mittwoch wurde beispielsweise eine Demo mit Bäuerinnen und Bauern gegen die S 34 sowie die Ostumfahrung Wiener Neustadt angemeldet.

Bis zu 100 Menschen werden im Laufe der Woche erwartet

In Summe erwartet Frühwald bis zu 100 Menschen, die sich an der Aktion beteiligen. Das Protest-Camp soll rund um die Uhr von 10 bis 15 Menschen besetzt sein.

Dass die Politikerinnen und Politiker der Landesregierung aus ihren Büros herunter in das Camp kommen, denkt Frühwald nicht. „Wir sind aber natürlich immer hier und gesprächsbereit“, bietet sie dem Team rund um die Landeshauptfrau an. 

Programmpunkte im Protest-Camp:

Dienstag:

11 bis 12 Uhr: Vortrag vom "Verein gegen Tierfabriken" zu Praktiken der Tierhaltung (angefragt

17 bis 18 Uhr: (Online-)Vortrag von Reinhard Steurer (angefragt)

19 Uhr: Open Stage – Jam Session

Mittwoch:

09.15 bis 10:45 Uhr: Traktor-Demo und Pressekonferenz mit betroffenen Bauern der Straßenbauprojekte S34 in St. Pölten und Ostumfahrung in Wiener Neustadt.

14.30 bis 15.30 Uhr: Vortrag von Johannes Wahlmüller (Global 2000) zu Wärme- und Energiewende in Niederösterreich 

16 bis 17 Uhr: Bike-Repair Café – Patschen kleben von der Radlobby Gruppe St. Pölten 

ab 17 Uhr: Camp-Tee: Warmer Tee für alle. Bei Möglichkeit, bitte eigenes Geschirr mitnehmen.

Donnerstag:

10 bis 11 Uhr: Vortrag von Dieter Schmidradl zu Verkehrswende 

17 bis 18 Uhr: Psychologists For Future: Mental Health für Klimaaktivist:innen 

19 Uhr: Samba Attac – Trommelgruppe (angefragt)