Schelling stellt Gesundheitsstrategie vor. Wie eine nachhaltige Gesundheitsversorgung aussehen kann, erarbeitet die Gesellschaft „Praevenire“. Jetzt wurde ein Zwischenbericht zu einem Weißbuch für Zukunftsstrategien präsentiert.

Von Maria Prchal. Erstellt am 23. Oktober 2019 (18:23)
PRAEVENIRE/APA-Fotoservice/Rastegar
Den Zwischenbericht zum Weißbuch "Zukunft der Gesundheitsversorgung" legten Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres, Präsident von "Praevenire" Hans Jörg Schelling und der niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger vor.
 

Ein leistungsfähiges, nachhaltiges und vor allem solidarisches Gesundheitssystem will die „Praevenire“ Initiative Gesundheit 2030 erarbeiten. Denn neue Herausforderungen und veraltete Strukturen bedrohen die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Ein Zwischenbericht vom geplanten Weißbuch wurde jetzt vorgelegt.

„So viele Experten haben noch nie an einer Reform des Gesundheitssystems gearbeitet“, ist der Präsident der Gesellschaft Hans Jörg Schelling optimistisch. Schelling stellte gemeinsam mit dem Präsidenten der Ärztekammer Thomas Szekeres und dem niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwalt Gerald Bachinger vor, was bisher erarbeitet wurde. Alle drei sind sich einig: Reformen müssen her. „Das solidarische Gesundheitssystem erledigt seine Hausaufgaben nicht“, sagt Bachinger. Es hätte aber auch einige gute Seiten. Leitsatz sei, Gutes zu bewahren und Neues zu gestalten.

10 Thesen würden sich bei der Erarbeitung des Weißbuchs herauskristallisieren:

  1. Der Patient muss in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems gestellt werden.
  2. Die Gesundheitskompetenz der Menschen soll gestärkt und Prävention gefördert werden.
  3. Der Patient muss durch das Gesundheitssystem gesteuert werden.
  4. Die Finanzierung des Gesundheitssystems soll aus einem Topf erfolgen.
  5. Der niedergelassene Bereich muss gestärkt und für die Herausforderungen der Zukunft abgesichert werden.
  6. Die Vernetzung der einzelnen Gesundheitsberufe muss gestärkt und diese müssen zukunftsfit gemacht werden.
  7. Eine verbesserte Qualitätssicherung und höhere (qualifizierte) Transparenz im Gesundheitssystem muss geschaffen werden.
  8. Die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung sollen für die Patientinnen und Patienten sowie das System verstärkt genutzt werden.
  9. Der Forschungsstandort Österreich muss weiter gestärkt werden.
  10. Die Integration des Gesundheitssystems muss intensiviert werden.

Am wichtigsten sei der erste Punkt: Der Fokus auf die Patienten. „Ich habe Diskussionen über das Gesundheitssystem miterlebt, da diskutierst du zwei Stunden und das Wort Patient fällt nicht“, erzählt Präsident Schelling. Patientenanwalt Bachinger betont noch einmal den 7. Punkt: „Ich fordere eine Transparenzoffensive im Gesundheitswesen.“

Um das Vorgeschlagene umzusetzen, sei die Politik am Zug. Die Experten schlagen vor, verschiedene Modelle in Versuchsregionen zu testen. Definitiv müsse die Geschwindigkeit in der Lösungssuche erhöht werden, denn: „Das brennt ja alles“, so Schelling.

Der Präsident will im Mai 2020 das Weißbuch an die Bundesregierung und Landesregierungen fertig übergeben, derweil heißt es: „zeitgerecht für die Regierungsverhandlungen mit den aus der bisherigen Erarbeitung entstanden ersten Essenzen einen Anstoß zu geben.“

Eines sei klar, meint Ärztekammerpräsident Szekeres, ein niederschwelliges, solidarisches Gesundheitssystem braucht mehr Geld. Mindestens 4 bis 8 Milliarden Euro, denn: „Man wird nicht mehr Leistungen für weniger Geld bekommen.“