Bund bremst tägliche Turnstunde. Niederösterreichs Pilotprojekt zur täglichen Turnstunde darf künftig nur noch an Volksschulen angeboten werden.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 01. Mai 2018 (02:52)
An der Neuen Mittelschule in Retz bat Bewegungscoach Raimund Auß am Freitag zu einem Ballspiel. Im nächsten Schuljahr ist die zusätzliche Turnstunde gestrichen und wird nur noch in der Volksschule angeboten.
Widhalm

Seit den medaillenlosen Olympischen Spielen 2012 wird die tägliche Turnstunde vehement gefordert. Der politische Wille war da – alle 183 Nationalräte sprachen sich dafür aus –, umgesetzt wurde sie bis dato nicht. Und das wird wohl auch noch länger so bleiben.

Rückblende

Niederösterreich startete mit diesem Schuljahr ein Pilotprojekt. In den vier Statutarstädten Waidhofen/Ybbs, Krems, St. Pölten und Wiener Neustadt sowie im Bezirk Hollabrunn wurden an 60 Pflichtschulen zusätzliche Bewegungseinheiten abgehalten. Mit den im Regelunterricht vorgesehenen Turnstunden schaffte man es, an fünf Tagen eine Sporteinheit anzubieten.

Das Pilotprojekt – es läuft unter dem Namen „TBuS“ (Infobox rechts) wurde mit 350.000 Euro vom Sportministerium gestützt. Damit wurden vor allem externe Bewegungscoaches (von den Dachverbänden Sportunion, ASKÖ und ASVÖ) finanziert, die nach einer speziellen Fortbildung auch ohne Beisein eines Pädagogen mit den Kindern sporteln durften. Die Reaktionen darauf sind überwiegend positiv.

Ausblick

Im Schuljahr 2018/19 sollte die tägliche Turnstunde in allen 1.035 Pflichtschulen Niederösterreichs ausgerollt werden. Voraussetzung dafür war die entsprechende Budgetierung im Programm der neuen türkis-blauen Bundesregierung. Kostenpunkt für Niederösterreich: ca. sechs Millionen Euro.

Mehr als die 350.000 Euro wird das Sportministerium aber auch im nächsten Schuljahr nicht locker machen. Die Vorgabe vom Bund: Es soll künftig nur noch ein einheitliches Projekt geben, und zwar nur noch in der Primarstufe (Volksschulen).

Hintergrund

Neben „TBuS“ in Niederösterreich gibt es österreichweit auch die Initiative „KIGEBE“, die es jedoch nicht bei den Zehn- bis Vierzehnjährigen (Sekundarstufe) gibt. Das Problem: Genau in diesem Alterssegment ist die Dropout-Quote bzgl. Sport hoch, bei Mädchen sogar extrem hoch. Niederösterreich prescht hier mit einer zusätzlichen Initiative, nämlich „JUGEBE“ vor.

Das hört sich nicht nur kompliziert an, es ist ausgesprochen undurchsichtig. Die Intention von Sportminister Heinz-Christian Strache, den Schulsport zu vereinheitlichen, ist deshalb begrüßenswert, findet die Leiterin des Sportreferats im Land NÖ, Ilse Stöger: „Wir wollen uns hier im Sinne des Sports einbringen, um für das Schuljahr 2019/20 eine Gesamtinitiative auf den Weg zu bringen.“

Fazit

Das erfolgreiche Projekt „TBuS“ wird mit der weniger tiefgreifenden Initiative „KIGEBE“ vermengt und nach unten nivelliert. Die tägliche Turnstunde an allen (!) 1.035 Pflichtschulen Niederösterreichs rückt einen Schritt weiter weg.