Sonderschulen sollte es weiter geben.... NÖAAB fährt wegen Aussagen der Ministerin Kampagne für Erhalt der Sonderschulen. Auch SPÖ-Sprecherin im Land ist für Sonderschulen.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 30. Mai 2017 (03:00)
Erich Marschik
Ilona Tröls-Holzweber (SPÖ), Sandra Kern (NÖAAB), Moderator NÖN-Chefredakteur Martin Gebhart, Elternvertreter Michael Häusler, Sonderpädagogin Barbara Eschner und Landesschulratspräsident Johann Heuras diskutierten zum Thema Sonderschulen.

Immer wieder wird über die mögliche Abschaffung von Sonderschulen diskutiert. SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid deutete erst kürzlich an, bis 2020 die Sonderpädagogischen Zentren abschaffen zu wollen. Das neue Stichwort sei Inklusion in den Regelschulen. Der NÖAAB macht dagegen mobil. Man hält es nicht für sinnvoll, dass alle Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelklassen unterrichtet werden.

Zu diesem Thema fand ein Runder Tisch der NÖN statt. Mit dabei: die Bildungssprecherin der Landes-SPÖ, Ilona Tölz-Holzweber, NÖAAB Landesgeschäftsführerin Sandra Kern, Landesschulratspräsident Johann Heuras, Sonderpädagogin Barbara Eschner und der Elternvertreter der Hermann-Gmeiner-Schule, Michael Häusler.

Im NÖ werden derzeit 77 Sonderschulen geführt. Laut Johann Heuras haben dabei etwa fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler einen sogenannten sonderpädagogischen Förderbedarf. Diese würden sich wiederum ungefähr zur Hälfte auf Sonderschulen aufteilen. Die andere Hälfte besucht integrativ in Regelschulen und wird dort von Stützkräften und Sonderpädagogen begleitet.

Hundertprozentige Inklusion als Illusion

Für Heuras ist klar, dass es bei einem Inklusionsanteil von 52 Prozent noch Luft nach oben gibt. Er ist aber der Meinung, dass es Kinder gibt, „die diese Sonderbetreuung in Sonderunterrichtsräumen dringend brauchen. Und es ist eine Illusion für mich, zu glauben, dass es eine hundertprozentige Inklusion gibt. Das heißt, es ist eine Illusion für mich, sämtliche Sonderschulen aufzulösen.“ Ilona Tröls-Holzweber (SPÖ) versichert wiederum, dass es nicht geplant sei, die Sonderschulen abzuschaffen. Sie habe sich im Bildungsministerium erkundigt. „Ich will auch nicht haben, dass vielleicht durch Kampagnen Verunsicherung verbreitet wird“, so die Bildungssprecherin.

Der NÖAAB bleibt aber bei seiner Kampagne für die Sonderschulen. Eine Aussendung der Ministerin sei der Anlass. Es sei immer wieder das Thema auf Bundesebene gewesen, dass es langfristig keine Sonderschulen mehr geben soll, so Sandra Kern. Natürlich sei man grundsätzlich für Inklusion, aber „die Wahlfreiheit der Eltern ist für uns wichtig“.

Barbara Eschner, Pädagogin an der Hermann-Gmeiner-Schule in Hinterbrühl, glaubt auch nicht an eine hundertprozentige Inklusion: „Alle Schüler in Regelklassen zu unterrichten in dem Bereich, wie sie es brauchen, kann ich mir nicht vorstellen.“

"Wäre wichtig, den Namen zu ändern"

Von Elternvertreter Michael Häusler besuchen zwei Kinder eine Sonderschulklasse der Hermann-Gmeiner-Schule. Für ihn sei allein die Diskussion um die Abschaffung der Sonderschule eine persönliche Drohung. „Diese Schule abzuschaffen, wäre echt schlimm für die Kinder und für die Eltern, die ihre Kinder dort haben“, so Häusler mit Nachdruck.

Johann Heuras hebt vor allem die individuelle Förderung, die auf das Kind abgestimmt ist, hervor: „Daher würde die Abschaffung der Sonderschulen am Rücken der Kinder ausgetragen werden, weil man nicht alle Einrichtungen so ausstatten kann, dass es für jedes Kind das bietet, was es braucht.“

Beim Runden Tisch war ebenso die Stigmatisierung dieser Schulen Thema. „Sonderschule war jahrzehntelang ein abwertender Begriff“, sagt Häusler. Tröls-Holzweber: „Das ist in der Gesellschaft so negativ behaftet.“ Hier habe man einen Auftrag, das anders darzustellen. Häusler, der als Elternvertreter auch viel mit den anderen Eltern in Kontakt ist, bestätigt, dass viele zuerst Bedenken hatten bei dem Wort Sonderschule: „Da wäre es wichtig, den Namen zu ändern. Letztendlich hinkt der Name der Realität hinterher.“